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Die Einsamkeit des Kapitäns


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Gestrandet auf der Beringinsel: Die Yacht „Wild“

Am 18. September 2013 trieb ein Zweimaster führerlos bei starken Sturm gegen die steinige Küste der Beringinsel und zerschellte direkt am Ufer der einzigen Ortschaft Nikolskoje, die 1826 gegründet wurde und rund 700 Einwohner hat.

Pastellskizze von Ullrich Wannhoff
Meer – Pastellskizze © Ullrich Wannhoff

Mit Hilfe eines Kranes hievten Sergej und seine Freunde die Segelyacht an Land, ganz in der Nähe seines Ateliers. Die Backbordseite war aufgerissen und der Schiffskörper voller Wasser.

Yacht Wild - dahinter Sergejs Atelier
Die Yacht Wild, dahinter Sergejs Atelier – Foto: © Ullrich Wannhoff

Der Fluss Gavanskaja bei Ebbe
Fluss Gavanskaya bei Ebbe – Foto © Ullrich Wannhoff

Die Yacht ruht auf dem schönsten Uferplatz der Siedlung, direkt an der Flussmündung Gavanskaya Reka. Hier fliegen zwar nicht die gebratenen Tauben vom Himmel, aber die Lachse ziehen bei Flut vor der Haustür vorbei.

Beschaedigte Backbordseite mit eingebauter Tuer
Beschädigte Backbordseite mit eingebauter Tür – Foto © Ullrich Wannhoff

Die etwa 15 Meter hohen Masten wurden abgetakelt und liegen nun bei Sergej im Schuppen. Auf der verletzten Backbordseite baute Sergej ein japanisches Bullauge ein, und auch eine Tür, die nun den Eingang in den Schiffskörper bietet.

Eingang zur Yacht
Eingang zur Yacht – Foto © Ullrich Wannhoff

Garderobe auf dem Schiff
Garderobe – Foto © Ullrich Wannhoff

Die Treppe zum Deck wurde entfernt, so dass die Kajüte groß und geräumig wurde. Statt des Mastes schaut jetzt ein langes Ofenrohr heraus. Die Kajüte wurde mit historischen Fotos aus Alaska ausgeschmückt.

Inneneinrichtung der Yacht
Inneneinrichtung mit Bild und Uhr – Foto © Ullrich Wannhoff

Oelgemaelde Moby Dick
Ölgemälde Moby Dick – Foto © Ullrich Wannhoff

Ein selbstgemaltes Bild zu Melvilles „Moby Dick“, Bücher und viele interessante Utensilien bereichern den Raum und machen ihn urgemütlich.

Arbeitsplatz vor dem japanischen Bullauge
Arbeitsplatz vor dem japanischen Bullauge – Foto © Ullrich Wannhoff

Die ursprüngliche Inneneinrichtung ist zu 70% erhalten. Eine polnische Werft stellte Segelschiffe für die Sowjetunion her. Wir nehmen an, das die Yacht auf der Danziger Werft hergestellt wurde, so wie auch Sergejs kleines Segelschiff „Alexandra“, die neben sein Bootshaus aufgebockt steht und mit Google Earth unter „Beringinsel, Nikolskoje“ betrachtet werden kann. Mit der „Alexandra“ segelten wir 1998 an der Küste Alaska entlang, auf den historischen Spuren von Vitus Bering und der Zweiten Kamtschatka-Expedition.

Sergej begutachtet ob das Deck dicht ist
Sergej begutachtet, ob das Deck dicht ist – Foto © Ullrich Wannhoff

Die Yacht mit den Namen „WILD“ kann bis 14 Personen aufnehmen. Auf Grund von Breite und Schnitt des Bootskörpers ist sie nicht die schnellste, und jetzt dient sie als feststehendes Quartier, ist mein Rückzugsgebiet vom Dorf.

Mein Arbeitsplatz
Mein Arbeitsplatz – Foto © Ullrich Wannhoff

Nur das Rauschen des Meeres und die Schreie der Beringmöwen erreichen die Yacht, sobald ich die Türe am Morgen öffne und vergeblich den Sonnenaufgang suche.

Normales Wetter, Blick auf die Piers
Normales Wetter, Blick auf die Piers – Foto © Ullrich Wannhoff

Regen, Nebelwolken und starke Winde wechseln sich ab. Kein Fotografie-Wetter, aber für mich als Maler ist der Wolkenhimmel beeindruckend.

Abendlicht
Abendlicht – Foto © Ullrich Wannhoff

Der Dresdner Maler und Arzt Carus schreibt: „Wie ziehende Wolken im steten Wandel begriffen, so die inneren Zustände des Menschen. Alles, was in seiner Brust widerklingt, ein Erhellen und Verfinstern, ein Entwickeln und Auflösen, ein Bilden und Zerstören, alles schwebt in den Gebilden der Wolkenregionen von unseren Sinnen.“

Insel Toporok mit untergehender Sonne
Insel Toporok mit untergehender Sonne – Foto © Ullrich Wannhoff

So gehe ich jeden Tag ans Riff, wo der Wind die dunklen Wolken über mich her treibt. Die weiß schäumenden Wellen brechen an der erkalteten, schwarzen Lava, und ich warte auf helles Licht.

Brechende Welle am Kliff
Brechende Wellen am Kliff – Foto © Ullrich Wannhoff

Oft quält sich das Sonnenlicht nur spärlich durch die Wolkenbänke, und ein weißer Strich bleibt am dunklen Meereshorizont kleben. Kierkegaard schreibt: „Wolken sind Hirngespinste und Gedanken, was sind sie anderes? Sieh darum wird man alles anderen müde, doch der Wolken nicht.“

Patellskizze Meer und Wolken von Ullrich Wannhoff
Meer und Wolken – Pastellskizze © Ullrich Wannhoff

Sergejs Zeichnung - Yacht auf einer Tasse
Sergejs Zeichnung von der Yacht „Wild“ auf einer Tasse – Foto © Ullrich Wannhoff

Fast jeden Abend sitzen Sergej rauchend und ich Tee trinkend am heißen knisternden Kanonenofen und erzählen uns alte Geschichten von Freunden und Bekannten, die wir über die Jahrzehnte zwischen Alaska und Russland gemeinsam kennen lernten. Balzac schrieb, das man zweimal lebt: „Das erste Mal im wirklichen Leben, das zweite Mal in der Erinnerung“. So schwelgen wir in die Nacht, bevor die Müdigkeit uns übermannt.

Blick durchs Bullauge - mit Engelfigur
Blick durch das Bullauge, mit Engelfigur – Foto © Ullrich Wannhoff

posted by Ullrich Wannhoff

Friedhof – ein russisch geflickter Mantel

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Der schwarze Mann mit dem Hundeschlitten


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„Let’s raise a toast to Miertsching!“

Because our current isp host „Blogsport“ will close the platform before long, this blog has moved to www.trimaris.de now — you find it here now.

Ein Toast zu Ehren von Johann August Miertsching

Da unser bisheriger Hoster „Blogsport“ seine Plattform in Kürze vom Netz nehmen wird, ist auch dieser Beitrag inzwischen auf unseren neuen Blog www.trimaris.de umgezogen – sie finden ihn hier.

Cresswells Passage

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Islands berühmte „Globetrotterin“

Guðríður Þorbjarnardóttir – Reisen vor tausend Jahren

Seit unserer ersten Island-Reise 1993 folgen wir den Geschichten um Guðríður (Gudridur), der vor 1000 Jahren am weitesten gereisten Frau Islands. In Laugarbrekka – zu Füßen des Snæfellsnes-Gletschers – wurde sie um das Jahr 980 auf einer Farm mit Blick auf den Atlantik geboren. Weit im Westen der heute verschwundenen Farm liegt Grönland, das eines Tages Ziel von Gudridurs Vater und seiner Tochter wurde, als sie dem Ruf Erik des Roten zur Besiedlung des „grünen“ Landes folgten.

Diese Tafel erinnert an den Hof Laugarbrekka
Diese Tafel erinnert an den Hof Laugarbrekka

Was man heute über Gudridur weiß, ist in den Sagas der Isländer niedergeschrieben, die allerdings erst lange nach den eigentlichen Geschehnissen notiert wurden. Demnach heiratete sie nach ihrer Ankunft in Grönland; doch ihr Mann starb bald. Später heiratete sie Þorsteinn, einen Sohn Erik des Roten. Dessen anderer Sohn, Leif Eriksson, gilt als europäischer „Entdecker“ Nordamerikas. Er reiste per Schiff über den Atlantik und siedelte auf dem fernen Land im Westen.

rekonstruierte Rudimente des Bauerngehöfs Laugarbrekka
Blick von Laugarbrekka in Richtung Grönland

Drei Jahre nach unserer ersten Islandreise besuchten wir L’Anse aux Meadows im Norden Neufundlands. Hier hatte das Ehepaar Anne Stine und Helge Ingstad in den 1960er eine Siedlung der Wikinger gefunden, ausgegraben und anhand von Artefakten eindeutig identifiziert. Somit war ein wichtiger Teil der Sagas, die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger, bestätigt worden.

Der Wunderstrand im heutigen Mealy Mountains Nationalpark, Labrador
Der „Wunderstrand“ aus den isländischen Sagas liegt im neuen Mealy Mountains Nationalpark Kanadas in Labrador

Fundstaette in L_Anse aux Meadows
Rekonstruierte Grassodenhütte auf der Fundstätte in L‘Anse aux Meadows

Nach der Rückkehr von einem vermutlich erfolglosen Versuch, das neue Land zu erreichen, verstarb Gudridurs Ehemann Thorsteinn. Sie heiratete den Händler Þorfinn Karlsefni und begab sich mit ihm und einer größeren Mannschaft nach dem von ihrem Ex-Schwager Leif so benannten Vinland.

Wikingerboot Islendingur erreicht L'Anse aux Meadows
Die Íslendingur, der Nachbau eines Wikingerschiffs, erreichte L‘Anse aux Meadows im Jahr 2000

Ob das Vinland der Sagas mit dem heutigen L’Anse aux Meadows oder anderen Orten in Neufundland, Nova Scotia oder sogar Neu-England übereinstimmt, konnte bisher nicht geklärt werden.

Auch diese Deichlandschaft bei Yarmouth halten manche Forscher für Vinland
Auch diese Deichlandschaft bei Yarmouth (Nova Scotia, Kanada) wird von manchen Forschern für Vinland gehalten

Übereinstimmung besteht bei den Historikern jedoch darin, dass Guðríður während ihres mehrjährigen Aufenthalts in Nordamerika einen Sohn, Snorri, geboren hatte. Snorri gilt damit als das erste auf dem amerikanischen Kontinent geborene Kind europäischer Abstammung.

Bronzestatue in Laugarbrekka
In Laugarbrekka: Guðríður auf einem stilisierten Wikingerschiff

Nach einigen Jahren kehrten die Reisenden aus nicht genau überlieferten Gründen nach Europa zurück und siedelten sich in Glaumbær im Norden Islands an. An die ungewöhnlichen Reisen Guðríðurs, von Island über Grönland nach Amerika und zurück, erinnert auch hier eine Skulptur des isländischen Bildhauers Ásmundur Sveinsson, die Gudrídur mit dem kleinen Snorri auf der Schulter zeigt.

Statue in Glaumbaer
Guðríður mit Snorri – hier auf dem Kirchhof in Glaumbaer

In Laugarbrekka hatten wir erstmals einen Abguss davon gesehen. Einem weiteren begegneten wir am Gehöft Glaumbær, das rekonstruiert wurde und heute ein Museum ist. Wir staunten nicht schlecht, als wir in Ottawa im Foyer der National Archives of Canadaeinen dritten Abguss der Statue entdeckten. Hier wird die vor über 1000 Jahren stattgefundene Entdeckung Amerikas durch die Wikinger gewürdigt.

Diese Karte zeigt die Reisen Gudridurs
Diese Karte zeigt die unglaublichen Reisen Guðríðurs

Gudridurs Reiselust war offensichtlich noch nicht gestillt. Nach dem Tode ihres Mannes Thorfinn Karlsefni und der Hochzeit ihres Sohnes Snorri unternahm sie noch eine weitere lange Reise: als Pilgerin nach Rom. Unglaublich und schwer vorzustellen, wie vor 1000 Jahren eine Frau diese Entfernungen überwunden hat. Ob sie dort auch vom Papst empfangen wurde, ist nicht bekannt. Anders dagegen der ehemalige isländische Staatspräsident Ólafur Ragnar Grímsson, der 2011 vom damaligen Papst Benedikt zur Audienz gebeten wurde, und bei der Gelegenheit einen weiteren Abguss der Skulptur von Ásmundur Sveinsson mit Gudridur und Snorri übergeben hatte.

Auf dem Friedhof von Glaumbaer ruhen wahrscheinlich Thorfinn, Gudridur und Snorri
Auf dem Friedhof von Glaumbaer sollen Thorfinn, Guðríður und Snorri ruhen

Gudridur kehrte nach dem Rom-Besuch nach Island zurück und lebte als Nonne in einem Kloster. Snorri gründete eine weitverzweigte Familie, zu der auch spätere Bischöfe gehörten. Ob womöglich einer seiner Nachfahren wieder nach Amerika zurückkehrte, wissen wir nicht.

posted by Wolfgang Opel

Die Insel der Vögel

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Miertsching – Měrćink – Мерчинг

In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag von Johann August Miertsching zum 200. Mal – Anlass zur Würdigung dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit. Seit April findet man Näheres über Miertsching endlich auch auf Wikipedia.
Und darüberhinaus seit Mai auch auch in der obersorbischen „Wikipedija“, und nun seit gestern sogar in der russischen „Википедя“.
Heute besuchten wir seinen Geburtsort Gröditz, auf sorbisch Hrodźišćo.

Groeditz bei Weissenberg

Am Freitag halten wir einen Vortrag über Miertsching in Kleinwelka bei Bautzen, wo Miertsching sowohl seine Jugend als auch seinen Lebensabend verbrachte.

Nachtrag – für Sorbisch-Sprechende: „Jenički Serb w polarnej kónčinje“ był – Veröffentlichung in Serbske Nowiny, 14. Juni 2017




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