Archiv der Kategorie 'Polar Bear - Eisbär'

Eisbären auf dünnem Eis

International Polar Bear Day 2014

Polar Bear On Thin Ice
Eisbären auf dünnem Eis – Foto: © Shoshanah Jacobs

Am 27. Februar wird weltweit der Internationale Eisbär-Tag begangen, um auf die Bedrohung der Eisbären durch die Erwärmung der Arktis aufmerksam zu machen. Eisbären stehen dabei als Symbol für die arktische Artenvielfalt. Oft wird mit dem Begriff „König der Arktis“ operiert; aber wir wollen die Eisbärin nicht vergessen, die als engagierte und sich nahezu aufopfernde Mutter unsere besondere Sympathie verdient.

Starker Eisbaer
Ein kräftiger, satter Eisbär

Die Menschen in der Arktis haben ein viel engeres Verhältnis zu den Eisbären, mit denen sie ja seit über 4000 Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft leben, als wir im Süden; das schließt spirituelle wie sachliche Aspekte ein. Sie sehen die Eisbären als Verwandte an – was aber die Jagd auf sie durchaus nicht ausschließt.


Eisbaerenfell -- groenlaendische Jaeger
Grönländische Jäger haben ein Eisbärenfell zum Trocknen aufgespannt

In Europa sind die Eisbären seit ungefähr 1000 Jahren bekannt. Ihre Felle waren begehrtes Handelsgut, und die Tiere wurden in den Menagerien der Herrschenden ausgestellt und sogar in Hetzgärten auf andere Tiere gehetzt.

Troll im Berliner Tierpark
Im Zoo haben die Eisbären eine hohe Lebenserwartung

Eisbaervorfuehrung im Zirkus
Doris Arndt-Schaaff mit ihrer Eisbärgruppe – © Archiv Schaaff

Unsere Vorfahren lernten die Eisbären in Tiergärten und im Zirkus kennen, denn außer für Walfänger und Forscher war das arktische Lebensumfeld der weißen Bären für den Normalbürger nicht erreichbar. Allerdings gibt es schon seit dem 17. Jahrhundert bildliche Darstellungen auf Gemälden und in Büchern.


John Webber_1784_Weisser_Baer
Eisbär-Darstellung von John Webber, 1784

Gemaelde Biard_Kampf mit Eisbaeren
François-Auguste Biards Gemälde „Kampf mit Eisbären“, 1842

Vive Ste-Cecile Schutzpatronin der Musik Eisbär-Trophäe auf einer Postkarte

Kinderbuchillustration 1924
Illustration aus Vilhjalmur Stefanssons Kinderbuch „Kak, der Eskimo“ 1924

Durch eine gedankenlose und profitorientierte Jagd waren die Eisbären Mitte des 20. Jahrhundert beinahe ausgerottet worden. Erst 1973 wurden weltweit Maßnahmen zur Erforschung der Lebensbedingungen und zum Schutz der Eisbären beschlossen.


Eisbaer schwimmt in der Hudson Strait
Schwimmender Eisbär, Hudson Strait

Die Erwärmung der Arktis besonders im letzten Jahrzehnt haben Tierschützer und Umweltaktivisten mobilisiert, den Schutz der Eisbären zu intensivieren.


Reste eines verendeten Eisbaeren
Verendeter Eisbär, Devon Island

Gelegentlich wird dabei der Erfahrungsschatz und das Wissen der Inuit außer Acht gelassen, obwohl es gerade auch im Interesse der Eisbären liegt, die Anstrengungen von Inuit, Wissenschaftlern und Umweltschützern zu bündeln, um die arktische Natur vor den Folgen menschlicher Gedankenlosigkeit und vor unüberlegter rein profitorientierter Ausbeutung von Rohstoffen zu schützen.

Eisbaer in der kanadischen Arktis
Eisbär in der kanadischen Arktis

Vor kurzem haben wir das Manuskript für unser Buch über Eisbären beendet, das im Sommer 2014 erscheinen soll.
Update: Das Buch „Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis“ erscheint im Oktober 2014.

posted by Wolfgang Opel

Siehe auch „Neues von den Eisbären“

Aktuelles zu Eisbären immer auf unserer Facebook-Site

Auf den Îles-de-la-Madeleine

Früher gab es hier Walrosse in Massen, und sogar Eisbären sollen auf den Magdalenen-Inseln gesichtet worden sein. Heute ist alles etwas anders, wie wir auf unserer Rundreise erfahren …

Am Cap-a-Isaac, Ile de la Grande Entree
Am Cap-a-Isaac, Ile de la Grande Entree

Eine schlafarme Nacht auf der Fähre, gefolgt von einem sonnigen Sonntagmorgen den Îles-de-la-Madeleine ein Déjeuner sur l‘herbe (Frühstück im Freien) mit französischen Köstlichkeiten bildete den Auftakt für unsere Entdeckungsfahrt. Manche sagen, diese Inselgruppe würde beim Blick auf die Landkarte aussehen wie ein gestreckter Angelhaken, oder wie ein mit Strichen angedeutetes kopfstehendes Seepferdchen. Der Archipel besteht aus einzelnen felsigen Inseln, überwiegend aus rotem Sandstein, die sich über eine Länge von 65 km erstrecken und fast alle auf natürliche Weise miteinander verbunden sind – zumeist über lange schmale Sandstreifen (Nehrungen) und Dünen, die manchmal noch durch Dammwege und Brücken ergänzt wurden.

Daemme, Duenen und Nehrungen verbinden die felsigen Inseln
Dämme, Dünen und Nehrungen verbinden die felsigen Inseln

An Stränden gibt es hier keinen Mangel – die Sandstrände mit einer Gesamtlänge von über 300 km ziehen sich ausgedehnt vor flachem Schwemmland dahin, ähnlich wie man es in Deutschland etwa von Hiddensee oder Sylt kennt. Hinter manchen der langgestreckten Nehrungen finden sich auch Lagunen oder aber seichtere Meeresarme. Das milde maritime Klima sorgt für moderate Temperaturen. Aber auch wenn man kein passionierter „Badegast“ ist, kann man auf den Inseln viel erleben.
Sanfte Dünen, Feuchtgebiete, wie das Réserve nationale de faune de la Pointe-de-l‘Est, wo Plankenwege die empfindliche Vegetation schützen, bilden ein Paradies für Wasservögel.
Felsige Steilküsten, rote Sandsteinfelsen mit scharfen Abbruchkanten, zahlreichen Einschnitten und Aushöhlungen begeistern uns mit ihren abwechslungsreichen Formen und spektakulären Ausblicken; im Abendlicht entfalten die roten Felsen eine unvergleichliche Leuchtkraft.

Felsenküste bei Fatima, Cap aux Meules
Felsenküste bei Fatima, Cap aux Meules

Im kleinen historischen Viertel La Grave auf der südlichsten Insel Havre Aubert mit seinen restaurierten Holzhäuser, ob farbenfroh gestrichen oder im natürlichen Silbergrau, finden wir Boutiquen, Kunstgalerien sowie Bistro, Pub, Restaurants, Cafés – und ein Museum mit aufschlussreichen Ausstellungen.

An die Zeiten der Walrosse erinnert nur noch das Strassenschild
An die Zeiten der Walrosse erinnert nur noch das Strassenschild

Mehr über das Leben auf den Magdalenen-Inseln gestern und heute, über Künstler, Kite-Surfer, über einen ehemaligen Walross-Liegeplatz und auch über die umstrittene Robbenjagd der Inselbewohner kann man im vollständigen Artikel in der aktuellen Ausgabe 4/2013 des Magazins 360° Kanada finden, detaillierte Hintergrundinformation zu Geschichte, Natur und Kultur im Kanada-Lesebuch.
Nachtrag: In die erweiterte Auflage des Reiseführers Kanada – der maritime Osten wurden die Îles-de-la-Madeleine aufgenommen.

posted by Mechtild Opel

Mythos Norden II – Künstler in der Arktis

Bis heute befassen sich Historiker, Enthusiasten und Fans (oft als Franklinistas bezeichnet) mit dem Schicksal von Sir John Franklin, dem Scheitern seiner Expedition und der Auseinandersetzung darüber, wem denn nun der Ruhm des Entdeckers der Nordwestpassage gebührt. Britische Traditionalisten beharren meist auf Franklin, andere benennen Francis Crozier, Dr. John Rae oder gar Roald Amundsen, der 1903-1905 die Passage erstmals vollständig mit dem Schiff befahren hatte. Die britische Admiralität hatte sich aber schon früh entschieden und Kapitän Sir Robert McClure für die Entdeckung der „Nordwestlichen Durchfahrt“ geehrt, obwohl er sein Schiff, die HMS Investigator, aufgeben musste, als es unwiederbringlich im Eis der Mercy Bay im Norden von Banks Island eingefroren war, wo es später sank.

Cresswell Entdeckung Nordwestpassage
Samuel Gurney Cresswell: Die Entdeckung der Nordwestpassage

Wem gebührte aber nun wirklich der Ruhm für die erste vollständige Durchquerung der Passage und die erste Umrundung der amerikanischen Kontinente? Es war ein junger Offizier, Leutnant Samuel Gurney Cresswell (1827-1867) von der Investigator, der bereits ein Jahr vor seinen Schiffsgenossen seinen schwer erkrankten Kameraden, Maat Robert Wynniatt, zurück nach England begleitete und am 7. Oktober 1853 London erreichte. Dort wurde Cresswell als Held und Bezwinger der Nordwestpassage gefeiert.

Cresswell Portrait
Porträt von Samuel Gurney Cresswell in „Illustrated London News“

Cresswell, der auch offizieller Künstler der HMS Investigator war, hatte während seiner Zeit in der Arktis verschiedene Aquarelle zur Dokumentation der Reise und der Entdeckungen angefertigt. Einige seiner Aquarelle wurden sogar Queen Victoria präsentiert. Nach diesen Aquarellen entstand dann eine Mappe mit acht Lithografien, die wohl bis heute die meist reproduzierten Bilder zur Entdeckungsgeschichte der Nordwestpassage sind!
Besonders ein Blatt ist geradezu eine Ikone zur Thematik „Entdeckung der Arktis“ geworden. Es zeigt, wie die HMS Investigator durch das sich übereinander schiebende Packeis in Schwindel erregende Höhe und Schieflage gehoben wurde und dadurch von vollständiger Zerstörung bedroht war.

Cresswell - HMS Investigator im Eis
Samuel Gurney Cresswell: HMS Investigator im Eis

Ähnliche Darstellungen gibt es auch von Abraham Hondius, einem Holländer, der bereits 1677, also fast 200 Jahre vor Cresswell, ein im Packeis eingeschlossenes Schiff gemalt hatte, und auch von Sir George Back, der 1838 die im Eis eingeschlossene HMS Terror gezeichnet hatte.

Hondius - Arctic Adventure
Abraham Hondius: Arctic Adventure, 1677

George Back - HMS Terror
George Back: HMS Terror

Da bis heute keinerlei detaillierten Zeugnisse von der Reise Franklins oder gar Tagebücher der Kapitäne oder Mannschaften gefunden wurden, sind nur wenige Aufenthaltsorte der Expedition sicher und verbindlich verbrieft. Der bekannteste ist Beechey Island. Hier wurden am 23.8.1850 drei Gräber und Überreste eines Winterlagers entdeckt, und so gehört dieser Ort bis heute zum Pflichtprogramm all der Arktisreisenden, also auch der Künstler, die sich auf die Spuren der verschwundenen Franklin-Expedition begeben.

Graeber auf Beechey Island
Gräber auf Beechey Island

Beechey Island
Beechey Island

Von Maurice Haycock gibt es ein Gemälde, das Beechey Island aus einer ungewohnten Perspektive zeigt und das an einem für die normalen Touristen unerreichbaren Ort entstanden ist. In dieser Ansicht befinden sich die Gräber am rechten Ende der kleinen Landbrücke hinüber zu Beechey Island. Im Hintergrund ist Cape Riley zu sehen, wo 1850 ebenfalls Hinterlassenschaften der Franklinexpedition gefunden worden waren.

Haycock - Beechey Island from Cape Spencer
Maurice Haycock: Beechey Island from Cape Spencer, 1976, 11″ x 14″, oil on wood panel, copyright K Haycock/K Pittman, www.haycock.ca

Neben den Grafiken von Cresswell gibt es auch eine Serie handkolorierter Glas-Dias, die von Frederik James Cox für die sogenannte Laterna Magica über die Franklin Expedition und die Suche nach den verschwundenen Seeleuten geschaffen wurde. Mittelpunkt waren immer auch die Schwierigkeiten beim Überleben in der Arktis und die Qualen, die die Mannschaften bei der Suche nach Franklins Schiffen erdulden mussten.

Cresswell - Schlitten ueber Hummocks
Samuel Gurney Cresswell: Schlitten über Hummocks

Glasdia - Laterna Magica
Glasdia für die Laterna Magica

Nachdem 1859 die Expedition unter Sir Francis Leopold McClintock in einem Steinmal eindeutige schriftliche Beweise für den Tod Franklins entdeckt und weitere Hinweise über das vermutliche Scheitern der gesamten Expedition gefunden hatte, richteten viele nachfolgende Expeditionen ihren Schwerpunkt auf die Erforschung der Nordpolregion.
Da genaue Informationen über den Tod Franklins und seiner Leute fehlten, versuchten sich viele Journalisten, Schriftsteller und auch bildende Künstler an Interpretationen des Ablaufes der Ereignisse.
Einer der bekanntesten US-amerikanischen Maler seiner Zeit war Frederic Edwin Church (1826-1900) aus Neu-England. Angeregt durch Alexander von Humboldt begann er zu reisen und fertigte später im Atelier Portraits beeindruckender und bisher so nicht gezeigter Landschaften, zunächst aus Nord- und Südamerika, später auch aus Europa und dem Orient. Die Berichterstattung über die Nordwestpassage und Erzählungen von Walfängern aus seiner Heimat über die Meere des Nordens und besonders die Eislandschaften führten ihn 1859 zu einer Reise in den Nordatlantik zwischen Labrador und Grönland, um Eisberge zu zeichnen. Im Ergebnis dieser Reise entstand 1861 das monumentale Gemälde „Die Eisberge“, das zunächst keine besondere Aufmerksamkeit fand und erst später, 1863, in England verkauft wurde. Das Bild wurde von der Öffentlichkeit schnell vergessen, erst über 100 Jahre später wurde es in einer Internatsschule für Jungen wiederentdeckt und 1979 durch Sotheby’s für 2,5 Millionen US-Dollar verkauft – damals der höchste jemals erzielte Preis für ein amerikanisches Gemälde.

Church - The Icebergs
Frederic Church: Die Eisberge

Der Arktisreisende Julius von Payer, einer der Entdecker von Franz-Josef-Land, betätigte sich nach seiner Zeit als Forschungsreisender als Maler, wo er seine eigenen Erlebnisse auf drei Reisen in die Arktis, aber auch das Geschehen um die verschwundene Franklin-Expedition verarbeitete. Das Gemälde „Starvation Cove“ zeigt einen Eisbär, der im Begriff ist, sich auf eine Gruppe von sterbenden oder bereits toten Seeleuten in einem Bootswrack zu stürzen. Nur am Bug steht ein Mann mit einem Gewehr aufrecht und bereit, sich gegen den hungrigen Bären zu verteidigen.

Payer - Starvation Cove
Julius von Payer: Starvation Cove, 1896

Mehr über die Suche nach der Nordwestpassage findet man auch im Kanada-Lesebuch.

Fortsetzung folgt.

posted by Wolfgang Opel

Mythos Norden I – Künstler in der Arktis

Genau vor 500 Jahren studierte ein junger Mann an der Rostocker Universität, dessen später in nur neun Exemplaren gedruckte Carta Marina (1539) mit der Darstellung Nordeuropas, einschließlich Islands und eines Teils von Südgrönland, und der Schrift Beschreibung der Völker des Nordens (1555) bis heute die Gemüter erregen. Erstaunliche korrekte Details in Karte und Schrift werden durch Fantasielandschaften, Fabelwesen und kaum nachprüfbare Geschichten ergänzt, so dass Olaus Magnus von manchen gestrengen Autoren auch als Lügner und Spinner diskreditiert wurde, nicht beachtend, dass Karte und Buch bereits vor fast 500 Jahren entstanden sind. Unter anderem findet man hier eine frühe Darstellung des mit Eis bedeckten Polarmeeres nebst zweier Eisbären, diese zwar nicht nordwestlich, sondern südöstlich von Island angeordnet. Allerdings wird Island bis heute immer mal wieder von Eisbären besucht; so ganz falsch lag Magnus also doch nicht.

Olaus Magnus - Carta Marina
Ausschnitt aus der Carta Marina von Olaus Magnus, 1539

Die ersten bildlichen Darstellungen der Arktis und seiner Bewohner stammten also nicht von Künstlern im heutigen Verständnis, sondern von Geografen, Seeleuten oder von Holzschneidern und Kupferstechern, die ihre Illustrationen der Erlebnisse der Reisenden nach dem Hörensagen geschaffen hatten.
Der Brite Martin Frobisher versuchte auf drei Arktisreisen zwischen 1560 und 1578, eine nordwestliche Durchfahrt zu den Schätzen Chinas und Indiens zu finden. In der Beschreibung seiner dritten Reise finden sich unter anderen Bildern auch eine frühe Darstellung von Inuit von Baffin Island, vermutlich nach einer Zeichnung von John White, dem ersten Künstler überhaupt, der Indianer und Inuit zeichnete.

Frobisher - Eskimo von Baffin Island
Inuit von Baffin Island, nach Frobishers Reise von 1578

In den folgenden Jahrzehnten gelangten mit den Schiffen von Walfängern und Forschungsreisenden immer auch einige Inuit, auch aus Labrador, mehr oder weniger freiwillig nach Europa. Als unbekannte Wesen aus dem Norden und als Kuriosa wurden sie in Herrscherhäusern, aber auch auf Jahrmärkten präsentiert. Manche von ihnen wurden zu temporären Berühmtheiten, gewöhnten sich schnell an die üblichen Regeln und Sitten, lernten Sprachen und kleideten sich gemäß der angesagten Mode. Adlige und Wissenschaftler bestellten bei bekannten Künstlern Portraits von ihnen, die noch heute in den Museen und Sammlungen zu sehen sind.

Mikak
Mikak – aus Labrador – mit ihrem Sohn – Gemälde von John Russell, 1769

Schadow - Eskimopaar
„Eskimopaar“ aus Labrador – Zeichnung von Johann Gottfried Schadow, 1821

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Suche nach einer Nordwestpassage nach China verstärkt. Die nur bedingt erfolgreichen Expeditionen von John Ross, William Edward Parry und John Franklin zwischen 1818 und 1827 und das erfahrene Leid der Teilnehmer regten die Fantasien der Künstler an. Die Expeditionsberichte wurde in für jene Zeit großen Auflagen verbreitet. Der deutsche Maler Caspar David Friedrich muss wohl solche Berichte gekannt haben. 1824 vollendete er sein Gemälde Das Eismeer, das heute in der Kunsthalle Hamburg zu sehen ist und ein im Packeis zerstörtes und untergehendes Segelschiff zeigt. Im Gegensatz zu anderen seiner Bilder fand das „Eismeer“ nicht das Interesse seiner Landsleute. Das Thema entsprach wohl nicht der Erwartungshaltung des Publikums. Friedrich äußerte sich zu seinem Schaffen: „Der Mahler soll nicht bloß mahlen was er vor sich sieht, sondern auch was er in sich sieht. Sieht er aber nichts in sich so unterlasse er auch zu mahlen was er vor sich sieht.“ In die Arktis musste Friedrich für sein Bild nicht reisen, denn Studien von Eis und den winterlichen Lichtstimmungen konnte man auch an Elbe und Ostsee machen.

Friedrich - Eismeer
Das Eismeer – Gemälde von Caspar David Friedrich, 1824

Anders als bei Friedrichs Zeitgenossen erregen arktische Szenen heute, wohl auch infolge des Klimawandels, das Interesse der Öffentlichkeit: In Oslo treibt seit 2010 eine 12 Meter hohe Skulptur von Monica Bonvicini in der Bucht gegenüber der neuen Oper, die ein direktes Zitat des Bildes von Caspar David Friedrich ist.

Bonvicini - sie liegt
„Sie liegt“ – Skulptur von Monica Bonvicini, 2010

Im Jahre 1845 begab sich Sir John Franklin mit den Schiffen HMS Erebus und HMS Terror auf die vermeintlich abschließende Expedition zur Entdeckung einer befahrbaren nordwestlichen Durchfahrt nach China. Beide Schiffe verschwanden jedoch im arktischen Archipel und Sir John Franklin und 129 Mann Besatzung wurden nie wieder lebendig gesehen. Die britische Admiralität vertraute zunächst auf die Erfahrungen des erprobten Arktisreisenden Franklin und machte sich zunächst keine Sorgen um den Verbleib der Expedition. Als man aber auch drei Jahre später noch nichts wieder von der Expedition gehört hatte, wurde man nervös und sandte die ersten Schiffe zur Suche nach Franklin aus: HMS Enterprise und HMS Investigator unter Sir James Clark Ross. Die Suche war ein Fehlschlag, man überwinterte in Port Leopold, einer geschützten Bucht von Somerset Island und kehrte erfolglos nach England zurück. Noch heute kündet ein rostiger zurückgelassener Boiler und ein kleiner Felsen mit der Inschrift „E. I. 1849“ von dieser Überwinterung.

Haycock - Boiler
Ross’s Old Boiler at Whalers Point, Port Leopold, Somerset Island – Gemälde von Maurice Haycock, 1972, 11″ x 14″, Öl auf Holz
Copyright K. Haycock/K. Pittman, www.haycock.ca


Carved rock - Port Leopold
Carved Rock, Port Leopold – Copyright Jarlath Cunnane

Maurice Haycock studierte Geologie und verbrachte nach dem Studium mehrere Monate in der Arktis. Dort traf er den Maler A. Y. Jackson, Mitglied der Group of Seven*, einer Vereinigung bedeutender kanadischer Maler des frühen 20. Jahrhunderts, den er in den nächsten Jahrzehnten auf dessen Reisen zum Malen begleitete. Von Jackson gibt es neben seinen Gemälden der arktischen Landschaften unter vielen anderen Skizzen auch eine Zeichnung des Felsens zur Erinnerung an den Aufenthalt von James Ross’s Schiffen in Port Leopold im Winter 1848/1849.
Haycock ist heute wohl der einzige kanadische Künstler, der alle bedeutenden und bekannten Orte in der kanadischen Arktis bereist und dort auch gemalt hat. 1968 errichtete er im Alexandra Fjord auf Ellesmere Island ein Steinmal mit einer Plakette zur Erinnerung an A. Y. Jackson, der 1927 hier in der Nähe auf der gegenüberliegenden Bache Halbinsel, nur wenige hundert Kilometer vom Nordpol entfernt, gemalt hatte.

YW Jackson monument
Steinmal zum Gedenken an A.Y.Jackson, Alexandra Fjord, Ellesmere Island

* Mehr über die Künstlergruppe Group of Seven kann man auch in dem gerade im Mana-Verlag erschienenen „Kanada-Lesebuch“ nachlesen.

Fortsetzung folgt.

posted by Wolfgang Opel

M/V Lyubov Orlova – an Arctic Ghost Ship?

Für deutsche Leser ist hier ein weiterer Text zum Thema.
She had seen much better days. When the cruise ship M/V Lyubov Orlova sailed through the Canadian Arctic and up to Greenland, operated by the Inuit-owned Cruise North Expeditions between 2006 and 2010, it was always an adventure – and also kind of expedition – for the passengers.

Lyubov Orlova vor Labradors Kueste
M/V Lyubov Orlova off the coast of Labrador

And it was an adventure, too, for young Inuit. They got the opportunity to work as trainees aboard the ship, making their work experiences with cruising and with hospitality management and meeting tourists from many parts of the world, all the while telling them about Inuit culture and ways of life and showing them the landscape and wildlife of the Arctic.

Ein Inuit Trainee bereitet den Zodiac der Lyubov Orlova fuer die Landung vor
An Inuit trainee from the M/V Lyubov Orlova, preparing a Zodiac for landing

The M/V Lyubov Orlova was not really luxurious. The interior greeted the passengers with the „charme“ of the 1970s. But this was not important for most of the passengers, like us, who just came aboard to see uniqueness and to visit special locations that could not be reached any other way.

Stern der Völkerfreundschaft, Aussenbordmotoren
The „Star of friendship between nations“ – a remnant from Soviet Union times

With the help of M/V Lyubov Orlova, we were able to see Makkovik for the first time, a community which was founded around 1900 by Hermann Theodor Jannasch and his wife, who were sent by the Moravian Mission from Herrnhut/Germany, with the help of the settler Torsten Andersen from Norway.

Lyubov Orlova in Makkovik
M/V Lyubov Orlova in front of Makkovik

Passing the impressive Kaumajet Mountains north of Nain, capital of Nunatsiavut, was a special adventure. Unfortunately, there was no stop and no opportunity to see Okak, the place where Miertsching – later Inuktitut interpreter on the search for Franklin aboard of HMS Investigator – was working from 1844-49.

M/V Lyubov Orlova vor den Kaumajet Mountains
M/V Lyubov Orlova off the Kaumajet Mountains

Going farther north along the Labradoar coast, we entered the area where polar bears are at home. We also passed White Bear Island, a common birthplace for polar bears.

Lyubov Orlova Eisberg vor Labrador
M/V Lyubov Orlova off the Labrador coast

With this ship, we had the opportunity to get to such remote places as the former Moravian mission station Hebron. An extraordinary place of spirits and memory for the Inuit, who were resettled to more southernly communities of Labrador 1959, now the cruise tourists can experience kayaking the coastal area.

Kayaking near Hebron
Kayaking near Hebron

This is also a place where we got a breath of history thinking of the Moravian missionaries who founded Hebron in 1830, with the old mission building still existing, provisionally restored as a National Historic Site.

Die alte Missionsstation in Hebron
Hebron, old Moravian mission station

The Lyubov Orlova brought us to the awesome landscape of the Torngat Mountains on the coast of Labrador, with the magnificient Saglek Fjord.

Lyubov Orlova Saglek Fjord
M/V Lyubov Orlova in Saglek Fjord

The scenery of the Torngat Mountains National Park offers more than one stunning view. Some Inuit are calling the place „paradise on earth“ – very understandably.

Lyubov Orlova Nachvak Fjord
Lyubov Orlova in Nachvak Fjord, Torngat Mountains

During the years, the ship did many cruises into the Arctic. On our trip, we got from Kuujjuaq to Hudson Bay via the Hudson Strait.

Lyubov Orlova in der Ungava Bay
M/V Lyubov Orlova in the Ungava Bay

With the help of Lyubov Orlova, we reached the realm of icebergs. Some of them, on their way south from Greenland, are deviated into the Hudson Strait by the currents.

Lyubov Orlova mit Eisberg
M/V Lyubov Orlova near Nannuk Harbour

We stopped at Cape Dorset to view the archeological sites, as well as the famous Kinngait Studios of Inuit fine art.

Lyubov Orlova Cape Dorset
M/V Lyubov Orlova near Cape Dorset

The portholes of the Lyubov Orlova offered a spectacular view into Frobisher Bay with the snow- and ice-covered mountains in the background.

Lyubov Orlova Frobisher Bay
Through the porthole of M/V Lyubov Orlova: Frobisher Bay

We have lots of good memories with M/V Lyubov Orlova, as she brought us to extraordinary places and to stunning landscapes with amazing wildlife; and, last but not least, we met wonderful people there, who are now our good friends.

An Bord der Lyubov Orlova
A wedding ceremony on board of M/V Lyubov Orlova

The ship originally had a Russian owner who did not fulfill his obligations and due to some legal issues she was seized by the Canadian Government in 2010. When it came to an auction, an Iranian businessman bought the hull to the end of it being scrapped in the Caribbean. Therefore, after two years of sitting derelict in the harbour of St. John’s/Newfoundland, M/V Lyubov Orlova recently departed on her last cruise.
On her way, however, the tow-line snapped, and she escaped. Now, as the ship is drifting on her own across international waters in the Atlantic Ocean, we wonder where she might end up – maybe she will make her way, instead of being scrapped, into Arctic waters again?

Lyubov Orlova in der Hudson Bay
M/V Lyubov Orlova in the Hudson Bay

posted by Mechtild Opel




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