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Geburtstag in Eis und Schnee – Bernhard Hantzsch

Ein 140. Geburtstag ist eigentlich kein üblicher Jahrestag für öffentliches Gedenken und aufwändige Ehrungen. Dennoch soll heute an Bernhard Hantzsch – geboren am 12.1.1875 in Dresden – gedacht werden, einen nur noch wenig bekannten Ornithologen und Polarforscher, der vor etwas mehr als 100 Jahren auf der kanadischen Baffin-Insel auf tragische Weise ums Leben kam.

Der Dresdener Lehrer Bernhard Hantzsch
Der Dresdner Lehrer Bernhard Hantzsch – Foto: Sammlung Fam. Dr. Dietz

Er war von Beruf Lehrer, doch zog es ihn immer wieder als Ornithologe in die Natur, ob in der unmittelbaren Umgebung seiner Heimatstadt Dresden, auf den Balkan, nach Island oder sogar nach Labrador.
Seine Labrador-Reise von 1906 betrachtete Hantzsch auch als Test für eine sorgfältig geplante und viel anspruchsvollere Expedition – der erstmaligen Durchquerung von Baffin Island durch einen „weißen“ Forscher.

An der Kueste von Baffin Island
An der Küste von Baffin Island

Bei der Planung orientierte er sich an berühmten Vorbildern wie Charles Francis Hall, der sich als erster Forscher überhaupt lediglich in Begleitung von Inuit auf die Suche nach Überlebenden der Franklin-Expedition begeben hatte, oder auch an Franz Boas. Letzterer war ein deutscher Geograf und Ethnologe, der sich als einer der ersten wissenschaftlich mit Baffin Island beschäftigt hatte und über seine Reise von 1883/84 das viel beachtete Werk Baffin Land veröffentlichte.

Eisberge vor Baffin Island
Eisberge vor Baffin Island

Bernhard Hantzsch gelang es, durch die Unterstützung von Museen und Universitäten, aber auch durch „Privatpersonen“ wie dem sächsischen König Friedrich August III, ausreichende finanzielle und Sachmittel für seine auf drei Jahre geplante Expedition einzuwerben.

Gefahr fuer die Schiffahrt - Eisberg vor Baffin Island
Eisberge wie dieser können Schiffen ziemlich gefährlich werden

Leider ging trotz der gründlichen Vorbereitung einiges schief. Das Schiff, auf dem sich Hantzsch in die Arktis begab, stieß mit einem Eisberg zusammen und ging unter. Glücklicherweise konnten sich alle Personen an Bord auf eine kleine Insel vor Baffin Island retten. Hantzsch verlor dabei aber einen großen Teil seiner Expeditionsausrüstung.

Blacklead Island
Zuflucht auf Blacklead Island

Eigentlich würde man vermuten, dass damit die Reise zu Ende war, doch nicht bei Hantzsch. Er hatte zuviel Zeit und auch eigene Geldmittel in diese Expedition investiert, um sich von diesem Missgeschick unterkriegen zu lassen. Mit Engagement versuchte er, Verlorenes durch geeignetes Ersatzmaterial zu ersetzen.

Hantzsch in Expeditionskleidung
Hantzsch in Expeditionskleidung – Foto: Sammlung Fam. Dr. Dietz

Hantzsch besuchte eine Walfangstation am gegenüberliegenden Ufer des Cumberland Sounds, um einerseits erste Erfahrungen bei einer Schlittenreise im Winter zu sammeln und andererseits seine Bestände an Nahrung und Ausrüstung zu ergänzen. Auf der Rückreise verbrachte er seinen 35. Geburtstag in einem winzigen Iglu auf dem Eis – kein angenehmes Erlebnis, wie er in seinem Tagebuch berichtet.

Hier befand sich früher die Walfangstation Kekerten
Hier befand sich früher die Walfangstation Kekerten – Foto: Ansgar Walk

Trotz aller Widrigkeiten findet Hantzsch unter den Inuit erfahrene Begleiter für seine Expedition. Diese ist im ersten Abschnitt, der Durchquerung von Baffin Island zum Foxe Basin, erfolgreich. Die Reise geht dann weiter nach Norden, und man bezieht ein Winterlager, um günstigere Reisebedingungen abzuwarten.

Foxe Basin_Hantzsch River
Foxe Basin, Ausschnitt. Ein Fluss (ungefähr in der Mitte) trägt heute den Namen „Hantzsch River“ – Karte: NASA

Hier begeht Bernhard Hantzsch dann seinen 36. Geburtstag – bei miserablem Wetter, wie es im Tagebuch heißt: „-14°C im Haus“ (das natürlich aus Schnee gebaut ist). Trotz der Kälte schreibt er einen Brief an seine Eltern, der aber erst nach seinem Tod Dresden erreichen wird. In seinem Tagebucheintrag vom 12.1.1911 heisst es: „…Trübselig trete ich mein 37. Lebensjahr an. Wird es mir beschieden sein, dieses zu Ende zu führen?“ Es waren wohl Vorahnungen in Berücksichtigung der schwierigen Bedingungen für die Expeditionsteilnehmer: nagender Hunger und erbarmungslose Kälte.

Eisbaer auf Baffin Island
Eisbär, Baffin Island

Als es einem seiner Begleiter gelingt, einen Eisbären zu schießen, führt der Verzehr des Fleisches direkt in die letztendlich tödliche Erkrankung von Bernhard Hantzsch. Er stirbt Anfang Juni und seine Inuit-Begleiter bestatten ihn an dem Ufer des Flusses, der heute seinen Namen trägt: Hantzsch River.

Bernhard-Hantzsch-Schule Hartha
Auch die Schule in Hartha trägt heute den Namen „Bernhard Hantzsch“

Siehe auch Ein Dresdner in Labrador

posted by Wolfgang Opel

Bernhard Hantzsch – Ein Dresdner in Labrador

Für Biologen gilt es als besondere Auszeichnung, wenn ihr Name bei der Bezeichnung einer neu gefundenen Tier- oder Pflanzenart Verwendung findet. Gleiches gilt für Physiker und Astronomen, die mit der Benennung von Himmelskörpern, oder deren Krater, Mare etc. gewürdigt werden. Im Zeitalter der geografischen Erkundung der Erde hatten die Entdecker das Vorschlagsrecht für Ortsbezeichnungen und dankten auf diese Weise ihren Herrschern, Sponsoren oder deren Familienmitgliedern und hofften so, sich weitere Mittel für künftige Reisen zu sichern.

Karte Labrador Inseln
Inseln vor Labrador – © Atlas of Canada

Beim Studium der geografischen Namen auf Detailkarten kann man deshalb oft Rückschlüsse auf die Entdeckungs- und Besiedlungsgeschichte der jeweiligen Regionen ziehen. Ein schönes Beispiel dafür ist die Karte von Nord-Labrador, der Halbinsel im Osten Kanadas, die viele Ortsbezeichnungen mit Namen deutscher und auch sorbischer Herkunft enthält: Kohlmeister Island, Kmoch Island, Martin Bay, Lenz Strait oder auch Hettasch Island. Hier wurden bekannte Missionare der Herrnhuter Brüdergemeine verewigt, die in den Missionsstationen entlang der Küste Labradors langjährig tätig waren.

Insel Neu-Plauen
Insel Neu-Plauen – Foto: Bernhard Hantzsch, Sammlung Familie Dr. Dietz

Auf einer älteren deutschen Karte der Region wurde eine der Inseln in der Nähe von Kmoch Island und Kohlmeister Island mit Neu-Plauen bezeichnet. Das ist ungewöhnlich, denn ein Ort Neu-Plauen findet sich in Deutschland nicht. Heute heißt die Insel Home Island, sie verweist also auf Heimat und damit ist das „Rätsel“ schon gelöst, denn Plauen war ein Stadtbezirk in Dresden, in dem der bekannte Ornithologe und Forschungsreisende Bernhard Hantzsch als Lehrer tätig war.

Bernhard Hantzsch
Bernhard Hantzsch – Foto: Wilhelm Moeck, Sammlung Familie Dr. Dietz

Hantzsch hatte 1906 den Nordosten Labradors bereist und hielt sich während seiner Studien von August bis Oktober in der Region um die Missionsstation Killinek auf. Gemeinsam mit seinem Inuit-Guide Paksau bereiste er die umliegende Inselwelt. Er studierte Tiere und Pflanzen und beschäftigte sich mit der Kultur und Geschichte der Labrador-Inuit.

Bernhard Hantzsch mit Paksau
B. Hantzsch und Paksau – Foto: Bernhard Hantzsch, Sammlung Familie Dr. Dietz

Um sich besser mit den Inuit verständigen zu können, begann er ihre Sprache zu erlernen und legte sich dafür ein handschriftliches Wörterbuch Inuktitut-Deutsch an, das heute noch erhalten ist. Teile der Sammlung von Bernhard Hantzsch befinden sich in verschiedenen Museen und Archiven. Die umfangreichste Ausstellung ist in der Bernhard-Hantzsch-Schule in Hartha zu sehen, wo man sich anhand vieler Leihgaben, auch von Familienangehörigen, mit dem Leben des in Deutschland bisher noch nicht ausreichend gewürdigten Forschers beschäftigen kann.

Inuit von Killinek
Inuit von Killinek – Foto: Bernhard Hantzsch, Sammlung Familie Dr. Dietz

Hantzsch kam 1911 während einer Durchquerung von Baffin Island auf tragische Weise ums Leben. Seine Aufzeichnungen aber gelangten dank der ihn begleitenden Inuit letztendlich bis nach Dresden. Infolge der Auswirkungen des 1. Weltkrieges sind sein Reisewerk und seine Tagebücher bis heute in Deutschland nicht vollständig publiziert. Anders dagegen in Kanada, wo schon 1967 eine umfangreiche Darstellung der Reise durch Baffin Island erschienen ist und viele Artikel zu Teilaspekten der Tätigkeit von Hantzsch publiziert wurden.

Frauen von Killinek
Frauen von Killinek – Foto: Bernhard Hantzsch, Sammlung Familie Dr. Dietz

In Kanada gilt Bernhard Hantzsch als einer der bedeutenden Entdecker, der zu den wenigen gehörte, die unvoreingenommen und ganz in der Art der Inuit die Arktis bereisten. Heute gibt es in Nunavut drei Ortsbezeichnungen, die auf den Forscher aus Dresden verweisen: Hantzsch Bay, Hantzsch River und Hantzsch Island.

Frauen und Kinder
Frauen und Kinder einer Labrador-Gemeinde – Foto: Bernhard Hantzsch, Sammlung Familie Dr. Dietz

Siehe auch: Geburtstag in Eis und Schnee

posted by Wolfgang Opel

Der Flug des Kolibris oder „Ich tue was ich kann“

Jedes Jahr gegen Ende des Sommers beginnt die Diskussion neu: Ist es der Klimawandel, dessen Auswirkungen wir gerade beobachten, ist er von uns Menschen verursacht? Ist der Sommer kühl und wechselhaft, heißt es: Das ist doch alles Unsinn mit dem Klimawandel, wo blieb denn die angekündigte Hitze? Ist der Sommer zu heiß und zu trocken, heißt es: Das ist doch kein Klimawandel, heiße Sommer gab es früher auch schon. Klima und Wetter werden häufig mit einander verwechselt, oder man nimmt das lokale Wettergeschehen als Maß für das Klima der Erde. Was sagen nun aber die Fakten für den Sommer des Jahres 2012 auf der Nordhalbkugel?

Shrinking Ice Caps
Verkleinerte Eiskappe in der Arktis – credit: Giulio Frigieri

Seit April 2010 umkreist der Satellit CryoSat-2 die Erde, seine Hauptaufgabe ist die Messung der von Eis bedeckten Fläche der Arktis und der Stärke dieses Eises. Obwohl der Sommer noch nicht vorbei ist, sehen die Wissenschaftler einen neuen (negativen) Rekord. Der Verlust an Eis in diesem Jahr ist derzeit 50% höher als bisher vorausgesagt. Ein Blick auf die im Internet veröffentlichten Daten zeigt, dass Gebiete, die vor Jahren auch im Sommer nie ohne Eis waren, jetzt komplett eisfrei sind. In diesem Jahr hätte die HMS Investigator kein Problem gehabt, die Nordwestpassage vollständig zu befahren, ganz anders 1850, als sie nahe Banks Island zum ersten Mal im Eis stecken blieb und Kapitän McClure, sein Inuktitut-Übersetzer Johann August Miertsching und die gesamte Mannschaft in der Prince of Wales Strait überwintern mussten.

Abbruch Petermann Gletscher
Abbruch vom Petermann-Gletscher 21.7.2012 – credit: NASA Earth Observatory

Während vom Petermann-Gletscher in Grönland ein neuer Eisberg von ungefähr 120 km² abgebrochen ist – das entspricht der Fläche der Müritz, dem zweitgrößten deutschen See, oder der anderthalbfachen Größe von Manhattan, war die Frobisher Bay durch riesige Eisfelder verstopft, so dass selbst größere Schiffe Iqaluit, die Hauptstadt von Nunavut, nicht mit Versorgungsgütern erreichen konnten. Das ist allerdings nicht ungewöhnlich, denn bei vorwiegend südöstlichen Winden können sich hier große Eisfelder in den Buchten stauen, wie es der Dresdener Ornithologe Bernhard Hantzsch erfahren musste, als sein Schiff 1910 nach einem Zusammenstoß mit einem Eisberg unterging und sich die gesamte Mannschaft nur mit Mühe retten konnte.

Frobisher Bay
Eis in der Frobisher Bay im Juli 2010 – Foto: Wolfgang Opel

Ganz anders sieht es zur Zeit in Südeuropa aus. Große Waldbrände auf La Gomera und der griechischen Halbinsel Chalkidiki vernichten Wälder, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Ortschaften und menschliche Existenzen.
Wir Menschen zeigen uns jedoch kaum lernfähig. Nach wie vor fühlen sich nur wenige persönlich verantwortlich. Viele verweisen auf die Regierungen und auf die Konzerne – die anderen sollen es richten. Dabei scheint es so einfach zu sein. Die kenyatische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai hat es in einem Vorwort zu einem kleinen Büchlein auf den Punkt gebracht: Wir Menschen müssten nur die „Vier R“ berücksichtigen: Reduce, Reuse, Recycle und Repair, was im deutschen entspricht: Reduzieren, Wiederverwenden, Aufbereiten und Reparieren. Das letzte R stammt übrigens vom ehemaligen CDU-Umweltminister Klaus Töpfer.
Das grafisch wunderschön gestaltete Buch Flight of the Hummingbird (Greystone Books, Vancouver 2008) enthält die Parabel von dem kleinen Kolibri, der versucht einen Waldbrand zu löschen.

Hummingbird
Kolibri – Hummingbird – Foto: Mechtild Opel

Tropfen für Tropfen holt er aus einem Fluss und lässt sie über den Bränden fallen, während die anderen Tiere nur verstört und erschrocken zusehen. Als der Bär den kleinen Kolibri fragt, was er denn tue, antwortet der: “I am doing what I can – Ich tue was ich kann“. Das bedarf keiner weiteren Erklärung.

Diese wunderschöne Geschichte gibt es nicht nur als Buch, sondern auch als animiertes Video im Internet zu sehen.

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Buch und Film stammen von dem bekannten Haida-Künstler Michael Nicoll Yahgulanaas, das Nachwort zum Buch schrieb der Dalai Lama.

posted by Wolfgang Opel

Hebron (Labrador) im Juli

Ein sehr friedlicher Platz ist Hebron im Juli – das schöne breite grüne Tal, durchflossen von drei Bächlein, Hänge voller alpiner Blumen und Sträucher, auch die Polarbirken blühen gerade, ebenso die Bärentrauben, die in dichten Teppichen vorkommen. In den schattigen Dellen der Hänge kann man noch kleine Schneefelder erblicken, und kahle Flächen mit braunen, niedergedrückten Sträuchern zeigen, wo vor kurzen noch eine Schneewehe die Vegetation unterdrückt hat.

Baerentrauben
Blühende alpine Bärentrauben – Foto: Mechtild Opel

Man kann sich gut vorstellen, dass die 1959 umgesiedelten Bewohner diesem Platz, ihrer Heimat in der geschützten Bucht immer noch nachtrauern.

Hebron im Juli Blick vom Hügel auf die alte Missionsstation – Foto: Wolfgang Opel

Die 1830 gegründete Herrnhuter Missionsstation Hebron ist darum ein Ort von ganz besonderer Bedeutung für die Labrador-Inuit – aber auch für uns, für unsere Vorhaben:
Nach Hebron fuhr im Winter 1846 Johann August Miertsching von Okak aus auf seiner ersten selbständigen Hundeschlittentour mehr als 200 km über Land und Eis, um seinen Missionarskollegen Herzberg zur medizinischen Behandlung eines ernstlich erkrankten Missionars zu transportieren.

Hebron im 19. Jahrhundert
Hebron im 19. Jahrhundert – Zeichnung von L.T. Reichel ca. 1861

Aus Hebron stammten Abraham, Ulrike, Sara, Maria und Tobias, die auf der Hagenbeckschen Völkerschau 1880/81 allesamt an den Pocken starben – siehe Blogeintrag vom 26. Juni.

Hebron zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Hebron zu Beginn des 20. Jahrhunderts – Foto: Ernst Bohlmann

Und in Hebron hielt sich am 15.10.1906 auch der Dresdener Ornithologe Bernhard Hantzsch auf, als er auf der Reise aus Killinek, wo er die Vogelwelt Labradors erkundet hatte, Station machte.

Hebron fotografiert von Bernhard Hantzsch
Hebron 1906 – Foto: Bernhard Hantzsch/Sammlung Fam. Dr. Günther Dietz Dresden

Gestern hat Noah Nochasak Hebron erreicht. 10 Tage zuvor war er in Nain gemeinsam mit zwei Mitreisenden zu einer Kajaktour an der Küste Labradors nach Norden aufgebrochen. Auf dem rund 950 km langen Wasserweg um die Nordspitze Labradors herum will er nach Kangiqsualujjuaq (George River). Der 24jährige Inuk aus Nain ist auf der Suche nach einer Synthese von heutigem Wissen, modernster Technik und den besonderen Fertigkeiten, die den Inuit über Jahrhunderte das Leben in der Arktis ermöglichten. Er baute im vorigen Jahr bereits sein zweites qajaq nach der traditionellen Art der Inuit, wenngleich es nicht mit Seehundfell bespannt ist, sondern mit Segeltuch, das mit einem wasserfesten Anstrich versehen wurde. Zur Reiseausstattung gehören auch Satellitentelefon und GPS; denn Noah will die Kultur seine Vorväter wiederbeleben, ohne sie zu dabei zu „fossilisieren“. Siehe auch dieser Beitrag im Explorersweb.

posted by Mechtild Opel

Lady Franklin und der Kensal Green Cemetery


Friedhof mit dem Grab von John Ross
(summary in English below)

Wir verbrachten eine kalte und regnerische Woche in Londoner Archiven auf der Suche nach Hinweisen auf Johann August Miertsching und Bernhard Hantzsch. Beide waren an der Erforschung der kanadischen Arktis beteiligt, der eine von 1850-1854 auf der Suche nach Sir John Franklin und der Nordwestpassage, der andere verbrachte 1906 einen Sommer in Nordlabrador und versuchte 1910/1911 – als erster Nicht-Inuit – Baffin Island zu überqueren. Unglücklicherweise starb er nach erfolgreicher Durchquerung, vermutlich wegen dem Verzehr von durch Trichinen befallenen Eisbärfleisches.


Lady Franklins Gruft in den Katakomben

Da am ersten Tag die Archive wegen einem Feiertag geschlossen waren, suchten wir auf dem Kensal Green Cemetery die Gräber einiger Arktisforscher. Leider völlig erfolglos, denn es gab dort, ganz im Gegensatz zu Berliner Friedhöfen, keinerlei Hinweistafeln auf wichtige Grabstätten. Als wir einige Tage später besser vorbereitet wiederkamen, fanden wir glücklicherweise einen Friedhofsmitarbeiter, der uns in die Katakomben unterhalb der Anglican Chapel zum Grab von Jane Franklin führte. Nach dem Scheitern aller offiziellen Suchaktionen nach Franklins Schiffen hatte sie privat finanzierte Expeditionen veranlasst, die letztendlich die Kunde vom Tod Sir John Franklins und seiner ganzen Mannschaft nach England brachten. Lady Franklin gilt für viele Briten als die wichtigste weibliche Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts – natürlich nach Königin Victoria.


Der Grabstein für Robert McClure

Innerhalb der nächsten Stunden fanden wir auch die Gräber von Sir Robert McClure, dem Entdecker der Nordwestpassage, und von Sir John Ross und Sir Edward Inglefield, alle beteiligt an den Expeditionen zur Suche nach dieser Passage und nach der verschwundenen Franklin-Expedition. Nur das Grab von Admiral Bedford Pim konnten wir unter den vielen verwitterten und von Bewuchs überdeckten Gräbern nicht entdecken. 1853 war die HMS Investigator, das Schiff von McClure, auf dem Miertsching als Inuit-Übersetzer mitreiste, im Eis der Mercy Bay auf Banks Island steckengeblieben; Pim hatte das Schiff und die Mannschaft gefunden und damit entscheidenden Anteil an ihrer Rettung.


Captain Inglefields Grab

Die Identifizierung weiterer Gräber von wichtigen Arktisforschern des 19. Jahrhunderts, wie die von George Back und Sir Horatio Thomas Austin, bleibt anderen Enthusiasten der Geschichte um die Nordwest Passage vorbehalten.

Englische Zusammenfassung – English summary:

We spent a week in different London archives searching for Miertsching, Hantzsch and other Germans involved in Arctic research. And we tried to find some graves at Kensal Green Cemetery. Unfortunately we were not well prepared; we hoped to get some information about Arctic related graves at the office. But – it was Bank Day; and so, on that rainy day, our first try ended up without success. After some days we went there again, better prepared and with the help of the sun. We had the luck to find a guide who showed us Lady Franklin’s grave in the catacombes, and we got also some advice for other graves: Sir Robert McClure (24045/143/5), Sir John Ross (13388/112/4), Sir Edward Inglefield (22008/124/10) and Amiral Bedford Pim (20994/40/3) who found the HMS Investigator stuck in Mercy Bay in 1853. We could identify all, except the grave of Pim. Maybe someone else will be more successful.
posted by Wolfgang Opel




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