Archiv der Kategorie 'Climate change'

Warten auf den Eisaufbruch in der Arktis – heute wie vor 160 Jahren

Kein Jahr ist wie das andere – trotz durchschnittlicher Erwärmung der Arktis wird die Schifffahrt auf der kanadischen Seite in diesem Jahr durch die Eissituation stark behindert. Im vergangenen Jahr hatte es im August einen sehr starken Arktischen Zyklon mit außergewöhnlichen Auswirkungen gegeben; in diesem Jahr sind bereits drei „stabile Zyklone“ aufgefallen; ob solche Wetterphänomene ursächlich dazu beigetragen haben können, dass sich feste Eisdecken und Treibeis dort konzentrieren, wo in den letzten Jahren die Durchfahrt im Sommer bereits ziemlich einfach war?

Ice conditions August 8-18 Canadian Arctic
Eisbedingungen in der kanadischen Arktis 8-18. August 2013 – Grafik: Courtesy of CIS, Environment Canada

Einige Segeljachten warten in der Gegend von Devon Island ungeduldig auf den Eisaufbruch, um ihr Ziel, das Passieren der Nordwestpassage, erreichen zu können; andere Unternehmungen, die eine Durchfahrt der Nordwestpassage von West nach Ost planten, sind bisher kaum vorangekommen. Eine ungewöhnlich starke Eisbedeckung ist für Segelschiffe und Ruderboote ein unüberwindbares Hindernis. Noch ist die übliche Saison der Eisschmelze nicht vorüber, doch deutet vieles darauf hin, dass dieser Sommer in der mittleren und nördlichen kanadischen Arktis deutlich kühler bleibt als in den Vorjahren.

Eisfelder
Treibeisfelder: Überall Eis

Vor 160 Jahren, 1853, warteten auch die Geretteten von der im Eis aufgegebenen HMS Investigator sehnlichst auf den Aufbruch des Eises. Sie befanden sich mittlerweise in Sicherheit, bei Dealy Island südlich von Melville Island in der westlichen Arktis, an Bord der festgefrorenen Rettungsschiffe HMS Resolute und HMS Intrepid. Sie wollten aber, nachdem sie drei Winter lang in der Arktis zugebracht und dabei Hunger, Kälte und Krankheit durchgestanden hatten, endlich zurück nach England.

Sportspiele der Mannschaften
Sportspiele der Schiffsmannschaften – zeitgenössische Grafik von G. McDougall

Die Schiffe waren längst segelfertig, alles war vorbereitet, aber das Eis regte sich nicht. Die Männer lenkten sich mit Sportspielen und Wettkämpfen an Land ab. Doch dann änderte sich das Wetter:

„18. August. Ein starker Wind wurde zu einem starken Sturm; … die unübersehbare Eisfläche wurde in wenigen Stunden in Stücke zerbrochen … das Steuerruder der Resolute und zwei kleine Boote von der Intrepid wurden … zertrümmert. Gegen Abend ließ der Sturm nach, und beide Schiffe saßen unbeweglich fest in den Eisschollen.“
„19. August. Mit dem Eis ostwärts getrieben. Beide Schiffe sind so mit Eisstücken umlagert, dass weder Segel noch Dampfmaschine zu brauchen sind.“
„21. August. Beide Schiffe liegen noch hülflos mit Eis umlagert und treiben mit demselben langsam nach Ost. Wir sind soweit entfernt vom Lande, dass wir dasselbe nicht sehen können. – Meinen vierten Geburtstag in diesem Eismeer verbrachte ich ganz in der Stille …“


Johann August Miertsching aus Gröditz in Sachsen, aus dessen Tagebuch diese Zitate stammen, hätte, als er im Januar 1850 seine Reise antrat, wohl kaum erwartet, dass er nach vier Jahren noch immer nicht zurückgekehrt sein würde. Die britischen Admiralität hatte ihn als Übersetzer für Inuktitut, die Sprache der Inuit (oder „Eskimo“, wie man damals sagte), angeheuert. Er nahm an Bord der HMS Investigator an der Suchexpedition teil, die das Schicksal der verschollenen Franklin-Expedition aufklären sollte.
Auch seinen nächsten Geburtstag konnte Miertsching noch nicht zuhause feiern – er musste noch ein weiteres Jahr warten, dafür sorgten die schwierigen Eisbedingungen.
Das Schicksal der verschollenen Franklin-Expedition aufklären soll auch die aktuelle Suchexpedition von Parks Canada, die in diesen Tagen begonnen hat.

Ryan Harris beim Herausholen des Seitensonars
Am Abend des ersten Tages der Suche wird das Seitensonar aus dem Wasser geholt – Foto Credit: T. Boyer, Parks Canada

Bei der Suche auf dem Meeresgrund nach den Schiffen „Erebus“ und Terror“ wird unter anderem ein Seitensonargerät eingesetzt. Bleibt zu hoffen, dass diese Expedition bei den Untersuchungen in den nördlicheren Sucharealen nicht auch noch durch die aktuellen Eisbedingungen behindert wird. Siehe auch Blog vom 11. August 2013, hier.

Datenerfassung vom Seitensonar
Der Unterwasserarchäologe Ryan Harris arbeitet noch spät in der Nacht, um die Daten des Seitensonars vom arktischen Meeresgrund zu erfassen – Foto Credit: Photo Canada

Update: Siehe auch „Johann August Miertsching zum Gedenken“

[Update 9.9.2014: Franklin-Schiff gefunden!]

posted by Mechtild Opel

Northwest Passage, 160 years ago

Deutsche Version hier

Totally exhausted were the men of HMS Investigator, when they arrived at Dealy Island (near Melville Island, today: Canadian Arctic, Nunavut), in the beginning of May, 1853. They had made a long and strenous walk from the Bay of Mercy on Banks Island over the frozen Arctic Ocean, which took them more than 2 weeks. Now they were rescued and got finally enough food and warm clothing on board of the ships HMS Resolute and HMS Intrepid which were frozen in the ice. The men had barely escaped death by starvation and disease. Most were heavily affected by scurvy and had to lay in sickbed; only a few, such as Johann August Miertsching and Samuel Gurney Cresswell, felt something better.

Expedition ships in winter quarters
Expedition ships in their winter quarters – sketch by Walter William May, 1855

But just three days later, two of them, accompanied by a group of idle sailors from HMS Resolute, started their next walk: 300 miles eastward through the Arctic to HMS North Star near Beechey Island. Lieutenant Cresswell, on behalf of Captain McClure, should as soon as possible bring the news of finding the Northwest Passage, as well as accompany his insane companion Wynniatt, home to England.

19th century chart of Northwest passage
19th century’s chart of the Northwest passage

Johann August Miertsching, who also had already felt strong enough for the walk, would have loved to to go with his two companions without hesitation – to return home after three gruelling winters in the Arctic; but the commanding Captain Kellett from HMS Resolute wanted to have him available: being the only Inuktitut interpreter, Miertsching would be needed in the upcoming journey of the ships to inquire the Inuit on the coasts of Baffinland and Greenland regarding the fate of the lost Franklin expedition.

Muskoxen in defense position
Musk oxen in defense position – Photo Credit: US Fish and Wildlife Service

So Miertsching instead earned some merits as a successful hunter: Since we had now so many persons weak and sick with scurvy in both ships, everything was done to provide them with fresh meat, which is the best cure for scurvy; I was asked … by Capt. Kellett to go on the hunt … In May and June we shot muskoxen, caribou, snow hares and ptarmigans… . Which also brought him some advantage: he didn‘t need to spend his time in the stale air of the overheated and wet ships; he camped in a hunting tent instead and could enjoy the clear weather which was still quite cool, but altogether pleasant with many sunny hours.

The Franklin Strait - Ice-free in Sept2012
Completely ice-free in September 2012: The Franklin Strait

It is well-known that HMS Resolute and Intrepid could not make it through the Arctic ice and were finally abandoned. But 160 years later, the situation has totally changed. In 2011 already 33 ships took their way through the Northwest Passage, and with the waterway nearly ice-free in the summer of 2012, there will be even a rowing expedition this summer to attempt the project: three Irishmen and a Canadian are planning to cross the 3,000-mile passage in one season, only with the help of their physical strength – the climate change could make it possible. The four men want to start already in early July from Inuvik in the Western Arctic to Pond Inlet (Baffin Iceland). They intend to row, working in shifts 24 hours a day and quoted 2-3 months for the tour. The expedition is sponsored by a alternative and sustainable power production company; it is intended to draw attention on the disastrous consequences of global warming.

More about the Northwest Passage, 160 years ago, will follow later. In the Kanada Lesebuch you can find a section dedicated to the discovery of the Northwest Passage.

posted by Mechtild Opel

Nordwestpassage vor 160 Jahren: Mai 1853

English version here

Total erschöpft waren die Männer von der HMS Investigator, die Anfang Mai 1853 einen über zweiwöchigen Marsch von der Mercy Bay auf Banks Island über das Eis des Nordpolarmeeres nach Dealy Island vor Melville Island (heute: kanadische Arktis, Nunavut) unternahmen. Hier lagen die rettenden Schiffe HMS Resolute und HMS Intrepid im Eis, hier gab es Lebensmittel und warme Kleidung. Die Männer waren dem Tod durch Hunger und Krankheit nur knapp entronnen. Die meisten waren stark vom Skorbut betroffen und gehörten aufs Krankenlager; nur wenigen, wie Johann August Miertsching und Samuel Gurney Cresswell, ging es etwas besser.


HMS Resolute im Winterquartier, Dealy Island
HMS Resolute im Winterquartier, Dealy Island – zeitgenössische Darstellung

Schon drei Tage später brachen zwei von ihnen, begleitet von einem Trupp unbeschäftigter Matrosen von HMS Resolute, zu einem nächsten Fußmarsch durch die Arktis auf – nach Beechey Island, 300 Meilen im Osten, wo die HMS North Star wartete. Lieutenant Cresswell sollte im Auftrag von Kapitän McClure die Nachricht vom Auffinden der Nordwestpassage sowie seinen erkrankten Kollegen Wynniatt so schnell wie möglich nach England bringen.

Karte von McClure
Kapitän McClures Karte zeigt neu entdeckte Inseln und Passagen

Johann August Miertsching, der sich ebenfalls bereits stark genug für den Marsch fühlte und nach drei strapaziösen Wintern in der Arktis gern nach Hause zurückgekehrt wäre, hätte seine beiden Gefährten ohne Zögern begleitet, aber der kommandierende Kapitän Kellet von der HMS Resolute wollte ihn – als den einzigen Inuit-Dolmetscher – zur Verfügung haben, um im kommenden Sommer die Inuit an den Küsten von Baffinland und Grönland nach dem Schicksal der verschollenen Franklin-Expedition zu befragen.

Moschusochse
Moschusochse – By Quartl (Own work) via Wikimedia Commons

So machte Miertsching sich stattdessen erst einmal als erfolgreicher Jäger verdient: „Da wir nun in beiden Schiffen so viele Schwache und Skorbutkranke hatten, so wurde alles aufgeboten, diese mit frischem Fleisch zu versehen, welches die beste Medizin gegen den Skorbut ist; ich wurde … von Kapt. Kellet ersucht, auf die Jagd zu gehen … Im Mai und Juni schossen wir Muskoxen, Rennthiere, weiße Hasen und Schneehühner …“. Das brachte ihm zudem den Vorteil, dass er seine Zeit nicht in den überheizten und feuchten Schiffen in verbrauchter Luft verbringen musste, sondern im Jagdzelt kampierte und zwar noch recht kühles, aber durch die zahlreichen sonnigen Stunden insgesamt angenehmes Wetter genießen konnte.

Eisfreie Bellot Strait
Der „Clipper Adventurer“ 2012 am Eingang der völlig eisfreien Bellot Strait

Dass HMS Resolute und HMS Intrepid es damals nicht durch das arktische Eis schaffen konnten und schließlich aufgegeben wurden, ist bekannt.
160 Jahre später aber hat sich die Situation total geändert. 2011 passierten bereits 33 Schiffe die Nordwestpassage, und nachdem sie sich im Spätsommer 2012 nahezu eisfrei zeigte, wird es in diesem Jahr sogar eine Ruder-Expedition geben, die die Durchquerung angeht: Drei Iren und ein Kanadier planen, die 3.000 km lange Passage in einer Saison nur mit ihrer Körperkraft zu durchqueren – der Klimawandel macht so einen Versuch möglich. Die vier Männer wollen bereits Anfang Juli von Inuvik in der Westarktis nach Pond Inlet (Baffin Island) starten. Sie haben vor, im Schichtbetrieb 24 Stunden täglich zu rudern, und veranschlagen 2-3 Monate für die Tour. Gesponsert wird diese Expedition von einer Firma für alternative, nachhaltige Energie-Erzeugung; damit soll die Aufmerksamkeit auf die katastrophalen Folgen der globalen Klimaerwärmung gelenkt werden.

Mehr zur Nordwestpassage vor 160 Jahren folgt später. Auch im Kanada-Lesebuch findet man einen Abschnitt zur Entdeckung der Nordwestpassage.

Update: Siehe auch „Johann August Miertsching zum Gedenken“

posted by Mechtild Opel

Mythos Norden I – Künstler in der Arktis

Genau vor 500 Jahren studierte ein junger Mann an der Rostocker Universität, dessen später in nur neun Exemplaren gedruckte Carta Marina (1539) mit der Darstellung Nordeuropas, einschließlich Islands und eines Teils von Südgrönland, und der Schrift Beschreibung der Völker des Nordens (1555) bis heute die Gemüter erregen. Erstaunliche korrekte Details in Karte und Schrift werden durch Fantasielandschaften, Fabelwesen und kaum nachprüfbare Geschichten ergänzt, so dass Olaus Magnus von manchen gestrengen Autoren auch als Lügner und Spinner diskreditiert wurde, nicht beachtend, dass Karte und Buch bereits vor fast 500 Jahren entstanden sind. Unter anderem findet man hier eine frühe Darstellung des mit Eis bedeckten Polarmeeres nebst zweier Eisbären, diese zwar nicht nordwestlich, sondern südöstlich von Island angeordnet. Allerdings wird Island bis heute immer mal wieder von Eisbären besucht; so ganz falsch lag Magnus also doch nicht.

Olaus Magnus - Carta Marina
Ausschnitt aus der Carta Marina von Olaus Magnus, 1539

Die ersten bildlichen Darstellungen der Arktis und seiner Bewohner stammten also nicht von Künstlern im heutigen Verständnis, sondern von Geografen, Seeleuten oder von Holzschneidern und Kupferstechern, die ihre Illustrationen der Erlebnisse der Reisenden nach dem Hörensagen geschaffen hatten.
Der Brite Martin Frobisher versuchte auf drei Arktisreisen zwischen 1560 und 1578, eine nordwestliche Durchfahrt zu den Schätzen Chinas und Indiens zu finden. In der Beschreibung seiner dritten Reise finden sich unter anderen Bildern auch eine frühe Darstellung von Inuit von Baffin Island, vermutlich nach einer Zeichnung von John White, dem ersten Künstler überhaupt, der Indianer und Inuit zeichnete.

Frobisher - Eskimo von Baffin Island
Inuit von Baffin Island, nach Frobishers Reise von 1578

In den folgenden Jahrzehnten gelangten mit den Schiffen von Walfängern und Forschungsreisenden immer auch einige Inuit, auch aus Labrador, mehr oder weniger freiwillig nach Europa. Als unbekannte Wesen aus dem Norden und als Kuriosa wurden sie in Herrscherhäusern, aber auch auf Jahrmärkten präsentiert. Manche von ihnen wurden zu temporären Berühmtheiten, gewöhnten sich schnell an die üblichen Regeln und Sitten, lernten Sprachen und kleideten sich gemäß der angesagten Mode. Adlige und Wissenschaftler bestellten bei bekannten Künstlern Portraits von ihnen, die noch heute in den Museen und Sammlungen zu sehen sind.

Mikak
Mikak – aus Labrador – mit ihrem Sohn – Gemälde von John Russell, 1769

Schadow - Eskimopaar
„Eskimopaar“ aus Labrador – Zeichnung von Johann Gottfried Schadow, 1821

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Suche nach einer Nordwestpassage nach China verstärkt. Die nur bedingt erfolgreichen Expeditionen von John Ross, William Edward Parry und John Franklin zwischen 1818 und 1827 und das erfahrene Leid der Teilnehmer regten die Fantasien der Künstler an. Die Expeditionsberichte wurde in für jene Zeit großen Auflagen verbreitet. Der deutsche Maler Caspar David Friedrich muss wohl solche Berichte gekannt haben. 1824 vollendete er sein Gemälde Das Eismeer, das heute in der Kunsthalle Hamburg zu sehen ist und ein im Packeis zerstörtes und untergehendes Segelschiff zeigt. Im Gegensatz zu anderen seiner Bilder fand das „Eismeer“ nicht das Interesse seiner Landsleute. Das Thema entsprach wohl nicht der Erwartungshaltung des Publikums. Friedrich äußerte sich zu seinem Schaffen: „Der Mahler soll nicht bloß mahlen was er vor sich sieht, sondern auch was er in sich sieht. Sieht er aber nichts in sich so unterlasse er auch zu mahlen was er vor sich sieht.“ In die Arktis musste Friedrich für sein Bild nicht reisen, denn Studien von Eis und den winterlichen Lichtstimmungen konnte man auch an Elbe und Ostsee machen.

Friedrich - Eismeer
Das Eismeer – Gemälde von Caspar David Friedrich, 1824

Anders als bei Friedrichs Zeitgenossen erregen arktische Szenen heute, wohl auch infolge des Klimawandels, das Interesse der Öffentlichkeit: In Oslo treibt seit 2010 eine 12 Meter hohe Skulptur von Monica Bonvicini in der Bucht gegenüber der neuen Oper, die ein direktes Zitat des Bildes von Caspar David Friedrich ist.

Bonvicini - sie liegt
„Sie liegt“ – Skulptur von Monica Bonvicini, 2010

Im Jahre 1845 begab sich Sir John Franklin mit den Schiffen HMS Erebus und HMS Terror auf die vermeintlich abschließende Expedition zur Entdeckung einer befahrbaren nordwestlichen Durchfahrt nach China. Beide Schiffe verschwanden jedoch im arktischen Archipel und Sir John Franklin und 129 Mann Besatzung wurden nie wieder lebendig gesehen. Die britische Admiralität vertraute zunächst auf die Erfahrungen des erprobten Arktisreisenden Franklin und machte sich zunächst keine Sorgen um den Verbleib der Expedition. Als man aber auch drei Jahre später noch nichts wieder von der Expedition gehört hatte, wurde man nervös und sandte die ersten Schiffe zur Suche nach Franklin aus: HMS Enterprise und HMS Investigator unter Sir James Clark Ross. Die Suche war ein Fehlschlag, man überwinterte in Port Leopold, einer geschützten Bucht von Somerset Island und kehrte erfolglos nach England zurück. Noch heute kündet ein rostiger zurückgelassener Boiler und ein kleiner Felsen mit der Inschrift „E. I. 1849“ von dieser Überwinterung.

Haycock - Boiler
Ross’s Old Boiler at Whalers Point, Port Leopold, Somerset Island – Gemälde von Maurice Haycock, 1972, 11″ x 14″, Öl auf Holz
Copyright K. Haycock/K. Pittman, www.haycock.ca


Carved rock - Port Leopold
Carved Rock, Port Leopold – Copyright Jarlath Cunnane

Maurice Haycock studierte Geologie und verbrachte nach dem Studium mehrere Monate in der Arktis. Dort traf er den Maler A. Y. Jackson, Mitglied der Group of Seven*, einer Vereinigung bedeutender kanadischer Maler des frühen 20. Jahrhunderts, den er in den nächsten Jahrzehnten auf dessen Reisen zum Malen begleitete. Von Jackson gibt es neben seinen Gemälden der arktischen Landschaften unter vielen anderen Skizzen auch eine Zeichnung des Felsens zur Erinnerung an den Aufenthalt von James Ross’s Schiffen in Port Leopold im Winter 1848/1849.
Haycock ist heute wohl der einzige kanadische Künstler, der alle bedeutenden und bekannten Orte in der kanadischen Arktis bereist und dort auch gemalt hat. 1968 errichtete er im Alexandra Fjord auf Ellesmere Island ein Steinmal mit einer Plakette zur Erinnerung an A. Y. Jackson, der 1927 hier in der Nähe auf der gegenüberliegenden Bache Halbinsel, nur wenige hundert Kilometer vom Nordpol entfernt, gemalt hatte.

YW Jackson monument
Steinmal zum Gedenken an A.Y.Jackson, Alexandra Fjord, Ellesmere Island

* Mehr über die Künstlergruppe Group of Seven kann man auch in dem gerade im Mana-Verlag erschienenen „Kanada-Lesebuch“ nachlesen.

Fortsetzung folgt.

posted by Wolfgang Opel

Nördlich des 49. Breitengrades

In Europa ist das eher die südliche Mitte; in der Sicht der Bewohner des amerikanischen Kontinents spricht man aber schon vom Norden: es geht um Kanada, ein Land, das uns seit 1996 viel beschäftigt hat und uns sehr am Herzen liegt. Das Ergebnis unserer Arbeit in den letzten beiden Jahren liegt nun in Buchform vor. Unser „Das Kanada-Lesebuch“, erschienen beim Mana-Verlag Berlin, informiert über „fast alles, was man über Kanada wissen sollte“.


Kanada-Lesebuch
Das Kanada-Lesebuch: Alles, was Sie über Kanada wissen müssen – MANA-Verlag


In den Kapiteln zu Geschichte, Politik und Gesellschaft geht es zunächst um die Spuren der ersten Bewohner des Landes, um die Paläo- und archaischen Kulturen und um die Vielfalt der Kulturen der indigenen Völker in den verschiedenen Regionen vor dem Kontakt mit den Europäern.

Die ersten Bewohner - Beringia Center
Ein Diorama im Yukon Beringia Center veranschaulicht erste Bewohner

Anschließend berichten wir von den Reisen der Wikinger über den Atlantik, den neuzeitlichen Entdeckungsreisen und der folgenden Besiedlung und Kolonisierung des Landes unter französischer bzw. britischer Herrschaft. In diesem Abschnitt ist auch ein Exkurs über die Suche nach der Nordwestpassage enthalten.

Mikmaq-Taenzerin
Kultur der First Nations: Mi‘kmaq-Tänzerin

Wir schreiben über die Gründung und Entwicklung des kanadischen Staates, die weitere Erschließung des großen Landes mit ihren Folgen für die Ureinwohner und den Weg Kanadas zu Unabhängigkeit und Demokratie, einschließlich wichtiger geschichtlicher Ereignissen im 20. Jahrhundert.

Residential School
Ruine der St. Michaels Residential School in Alert Bay

Neben Wissenswertem über Regierung und Verwaltung, Aspekte der Außenpolitik, Bildung, Wissenschaft und Forschung versuchen wir, das Gesicht des modernen Kanadas zu zeichnen – das Gesicht eines multikulturellen Landes – und einen Einblick in das heutige Leben der indigenen Völker zu geben.

Inukshuk
Inukshuk in Ivujivik, Nunavik, Provinz Quebec

Im Kapitel zur Wirtschaft behandeln wir sowohl die frühen wirtschaftlichen Beziehungen der indigenen Völker wie auch die Wirtschaft im heutigen Kanada sowie derzeitige Probleme und Herausforderungen.

Neue Hafenanlage in BC
Neue Hafenanlage an der Küste British Columbias

„Kanadische Lebensart“ ist ein Kapitel, in dem u.a. kanadisches Familienleben, Essen und Trinken, Straßenverkehr und Sport, Urteile und Vorurteile aus spezifisch „deutscher Sicht“ betrachtet werden.

Ian Tamblyn
Der Singer-Songwriter Ian Tamblyn

Sehr wichtig ist uns die Darstellung der gesamten Breite und Vielfalt der kanadischen Kultur. Wir liefern einen Einblick in die kanadische Musik, würdigen den Beitrag der kanadischen Schriftsteller zur Weltliteratur und werfen einen Blick auf die bildende Kunst und Künstler Kanadas – sowohl die frühe Kunst der indigenen Völker, als auch die wichtigsten Künstler im 19. und 20. Jahrhundert – und auf kanadische Architektur. Perlen der Filmkunst und die kanadische Medienlandschaft finden ihren Platz, Marshal McLuhan wird nicht vergessen. Und auch die Darstellende Kunst, einschließlich traditioneller Ausdrucksformen der indigenen Völker, wird behandelt.

Bill Reid - Der Rabe und der erste Mensch
Bill Reids Skulptur „Der Rabe und der erste Mensch“ im UBC Museum of Anthropology in Vancouver

Ein Kapitel über Natur und Umwelt enthält Geografisches, behandelt Aktivitäten in der Natur bis hin zur Wal- und Vogelbeobachtung und geht auf Umweltaspekte ein, von der umstrittenen Robbenjagd bis zu aktuellen Folgen des Klimawandels.

Eisbaer
Eisbär in der kanadischen Arktis

Wir stellen auch den in Deutschland so gut wie unbekannten David Suzuki, Träger des sogenannten „alternativen Nobelpreises“ vor. Daran schließt sich ein „kleiner Naturführer“ an.

Bison auf dem Alaska Highway
Bisons auf dem Alaska Highway

Und natürlich sind auch wichtige und eindrucksvolle Städte und Landschaften Kanadas im Blickpunkt; in einer virtuellen 2-Stunden-Reise durch Kanada gibt es einen Überblick über Orte, die uns wichtig sind.

Saglek Fjord
Wildes, unbekanntes Labrador: Der Saglek Fjord

„Das Kanada-Lesebuch: Alles, was Sie über Kanada wissen müssen“ ist im lokalen Buchhandel erhältlich, oder direkt beim MANA-Verlag.

posted by Mechtild Opel




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