Archiv der Kategorie 'Climate change'

Eistaucher auf Schatzsuche

Wracks im Polarmeer

Ein Schiffswrack kann eine wahre Schatzkammer sein. Zahlreiche wahre Berichte und noch viel mehr Gerüchte und Legenden existieren – etwa über Funde von unermesslich wertvollen Schätzen, Gold, Juwelen und dergleichen, im Bauch von gesunkenen Schiffen. Neben professionellen Archäologen ist daher weltweit auch die Gilde die Schatztaucher am Werk, immer in der Hoffnung auf wundersamen Reichtum.
Hier wollen wir jedoch über Schiffswracks reden, die zwar vermutlich weder Gold noch Juwelen verbergen, hingegen unschätzbar wertvolle Einblicke in die Geschichte geben und offene Fragen über ungeklärte Rätsel der Vergangenheit beantworten können – sogar wenn die betreffenden Gegenstände die Archäologen zunächst einmal vor neue Herausforderungen und Fragen stellen.


Live-Video: der leitende Archäologe Ryan Harris bei eine Weltpremiere –
direkt unter dem arktischen Eis gibt er eine erste Präsentation des Wracks der Erebus – Courtesy of Parks Canada

Das erst im Herbst 2014 geortete Wrack des Flaggschiffs der verschollenen Franklin-Expedition von 1845, HMS Erebus (siehe Blog Endlich gefunden – ist es Erebus oder Terror?), hat zweifellos das Potential einer Schatzkammer – zuallererst für die kanadischen Archäologen, die an seiner Erforschung beteiligt sind. Aber auch die Herzen von vielen Enthusiasten mit Interesse an der Geschichte der Polarforschung, auch aus anderen Ländern und Kontinenten, schlagen höher, sobald sie etwas über Fundstücke von Bord des Schiffes erfahren.

Taucher beim Bergen_des_Kanonenrohrs_Parks_Canada
Bergung eines Kanonenrohrs von HMS Erebus – Courtesy of Parks Canada

Im April startete Parks Canada eine noch nie zuvor dagewesene Aktion. Die Unterwasser-Archäologen, die dem Wrack von HMS Erebus im letzten Herbst wegen Stürmen, hohem Wellengang und zunehmender Eisbildung nur wenige Tauchstunden widmen konnten, gingen wieder ins eisige Nass. Diesmal allerdings unter einer meterdicken Eisdecke! Das Hindernis Eis wurde diesmal als Vorteil genutzt: es bot ein stabile Plattform für die Tauchgänge und machte es möglich, auch schwere Technik einzusetzen. Auf dem Eis direkt über dem Schiff konnte ein Arbeitszelt errichtet werden. Durch ein breites Loch, das ins Eis gesägt wurde, war es den Archäologen für eine knappe Woche möglich, weitere Untersuchungen am Wrack anzustellen.

Taucher am Rohrstutzen einer Pumpe_Parks _Canada
Taucher am Rohrstutzen einer Pumpe von HMS Erebus – Courtesy of Parks Canada

Eismeer-Wasser ist im April auch kaum kälter als im September, Tauchen bei ca. -1°C Wassertemperatur ist jedoch immer eine Herausforderung. Marc André Bernier, Chef der Unterwasserarchäologen, sagt, dass man es nicht länger als eine Stunde unten aushalten kann. Das reichte – neben weiteren nötigen Vermessungen und Bestandsaufnahmen – zumindest dafür, dass die April-Expedition sogar einige bemerkenswerte Artefakte bergen konnte.

Ryan_Harris_Seilzughaken_Parks_Canada
Ryan Harris mit einem von HMS Erebus geborgenen Seilzughaken – Courtesy of Parks Canada

Dazu gehören nicht nur das Rohr eine Kanone und Bestandteile des Schiffes wie das Prismenglas eines Oberlichts und ein Seilzughaken aus Messing, sondern auch Gegenstände, die von den Menschen an Bord erzählen, wie Uniformknöpfe, ein Medizinfläschchen und sogar Porzellanteller.

Fundstueck_von_HMS_Erebus_Porzellanteller
Porzellanteller von HMS Erebus – Courtesy of Parks Canada

Die interessierte Öffentlichkeit konnte bereits einen vorläufigen Blick in die Geschichte der Franklin-Expedition werfen, als die Artefakte im Mai kurzzeitig in der Ausstellung „Breaking the Ice“ im Canadian Museum of History in Gatineau (vormals bekannt als „Museum of Civilization) gezeigt wurden. Sie bedürfen aber vorerst weiterer konservatorischer Behandlung, damit sie wegen der nun veränderten Umgebungsbedingungen keinen Schaden nehmen.

Taucher am Wrack von HMS Investigator_Parks Canada
Taucher am Wrack von HMS Investigator – Courtesy of Parks Canada

HMS Erebus ist nicht das einzige Wrack von geschichtlicher Bedeutung.
Als die Archäologen von Parks Canada im Jahre 2010 in der Mercy Bay das Wrack von HMS Investigator – eines der zur Suche nach Franklin ausgesandten Schiffe – entdeckten und im Sommer 2011 eine Folgeuntersuchung unternahmen (siehe Blog Lost Beneath the Ice – Bildband über HMS Investigator ), sah es äußerlich ganz ähnlich aus wie bei HMS Erebus: umherliegende Planken und Holzteile auf dem Deck und neben dem Schiff, Sedimentablagerungen, Bewuchs durch Algen und Kelp. Vielleicht ist der pflanzliche Bewuchs bei der Erebus stärker, denn dort sind viel mehr lange Kelp-Bänder zu sehen – sie liegt ja auch in etwas südlicheren Gewässern.


Taucher am Wrack von HMS Investigator – Courtesy of Parks Canada

Auch bei der Untersuchung der Investigator konnten bereits einige aufschlussreiche Gegenstände geborgen werden, und ihr zu erschließendes archäologisches Potential wird als gewaltig eingeschätzt.

Fundstuecke vom Wrack_HMS Investigator
Artefakte, gefunden auf HMS Investigator – Courtesy of Parks Canada

Die weiteren Untersuchungen dieser Schiffe werden nicht einfach sein. Früher wie heute sind die äußeren Bedingungen in der hohen Arktis eine große Herausforderung – hier nur einige Stichworte dazu: extremste und unberechenbare Witterungsverhältnisse, ungewöhnlich aufwändige Logistik wegen der Abgelegenheit der Fundorte und dem Fehlen jeglicher Infrastruktur, hochspezialisierte Technik, hoher Aufwand an Kosten, Einsatzbereitschaft, Mut zum Risiko und Ausdauer der beteiligten Personen.

Am Wrack der Maud in Cambridge Bay
Am Wrack der Maud in Cambridge Bay www.facebook.com/maudreturnshome

Derzeit zeigen die Unternehmungen an einem dritten arktischen Schiffswrack, wie unberechenbar die arktischen Bedingungen sind. Die „Maud“, die unweit von Cambridge Bay auf Grund liegt, (siehe Blog Amundsens Maud – bald wieder unterwegs) sollte bereits 2014 geborgen und nach Norwegen transportiert werden. Zeit- und Kostenplanung erwiesen sich als hinfällig, als die arktischen Eisverhältnisse einfach nicht mitspielten – der Sommer 2014 war etwas anders als „vorgesehen“. Noch immer liegt die Maud an Ort und Stelle. Vielleicht klappt es ja in diesem Sommer, die Eisverhältnisse geben vorerst Grund zu Optimismus. In den letzten Tagen schauten Taucher das Wrack schon mal von unten an.

Eisverhaeltnisse Ende Juni 2015_Canadian Ice Service
Eisverhältnisse Ende Juni 2015 – Courtesy of CIS, Environment Canada

Wir sind gespannt, wie es mit den arktischen Schiffswracks weitergeht. Es braucht nicht nur Zeit, Technik, risikobereite Wissenschaftler. Entscheidend wird wohl sein, ob die finanziellen Mittel bereitgestellt werden und wie wichtig die Schätze unter dem Eis den Geldgebern sind. Bei der Maud scheint alles klar zu sein – außer den Wetter- und Eisbedingungen, doch ist hier die Prognose nicht schlecht. HMS Erebus hat nicht nur weltweit historisch Interessierte auf den Plan gerufen, sonder auch die derzeitige kanadische Regierung scheint dem Schiff eine Symbolkraft für die Untermauerung kanadischer Hoheitsrechte in der Arktis zuzumessen.

Muskete - gefunden an Bord von HMS Investigator 2011
Muskete, gefunden an Bord von HMS Investigator – Courtesy of Parks Canada

Die letztere Rolle könnte aber auch HMS Investigator zustehen – hat doch die Mannschaft dieses Schiff erstmals die Existenz einer Nordwestpassage durch die Arktis bewiesen. Auch das archäologische Potential von HMS Investigator ist unbestritten. An Bord des Schiffes war J. A. Miertsching – (siehe auch Blog Ein Sorbe in der Arktis, Amerika ist eine Insel und ältere Artikel der Kategorie Miertsching), der die Reise der Investigator als Dolmetscher für Inuktitut begleitete und über dessen Leben wir zur Zeit ein Buch schreiben. Vielleicht findet sich im Bauch des Wracks eines Tages sogar die verschollene erste Fassung seines Reisetagebuchs?

Update: – Soeben erschien mein Artikel „In die Geschichte tauchen. Der Fund von HMS EREBUS“ im Magazin Marineforum, Heft 07-08 2015, S. 59-61.

posted by Mechtild Opel

Neues von den Eisbären

In Churchill, der selbsternannten Eisbären-Hauptstadt der Welt, lief in den letzten Wochen der Tourismus auf Hochtouren. Inzwischen ermöglicht sogar Google Street View Einblicke in die kleine Arktisgemeinde an der westlichen Hudson Bay. Nirgendwo anders auf der Welt ist die Beobachtung von Eisbären in ihrer arktischen Umgebung so einfach, so gut organisiert und zudem auch noch vergleichsweise bequem und komfortabel, wenngleich auch kostspielig. Der sogenannte “Tundrabuggy” oder „Polar Rover“ ermöglicht die Begegnung mit den Königen der Arktis auch auf sehr kurzer Distanz.

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Polar Rover in Churchill

Die Touristensaison in Churchill ist nun zu Ende, denn auf dem Wasser der Hudson Bay bildet sich seit Mitte November wieder Eis, inzwischen schon fest genug für die Tatzen der Eisbären. Die hungrigen Tiere sind begierig, aufs Eis zu kommen, um endlich wieder den Ringelrobben und den Bartrobben nachstellen zu können. Sie hatten monatelang nichts Gutes zwischen die Zähne bekommen, seitdem im Juli das Eis verschwunden war.

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Gesunder Eisbär, Coningham Bay

Nun kommt eine gute Zeit für die Eisbären, die, obwohl ausdauernde Schwimmer, im Wasser keine Chance haben, eine schwimmende Robbe zu erwischen. Die Jagd vom Eis aus haben sie dagegen perfektioniert, und fette Robben liefern ihnen im Winter und Frühjahr ausreichend Nahrung, um sich selbst Fettvorräte aufzubauen, mit denen sie die „Fastenzeit“ im Spätsommer und im Herbst überstehen können.

Eisbaeren auf duennem Eis_Annette Conrad
Eisbären – auf dünnem Eis

Die globale Erwärmung, die sich in der Arktis viel stärker auswirkt als in unseren gemäßigten Breiten, hat die Eisbären in Schwierigkeiten gebracht. Die Hudson Bay taut nun früher auf und die Eisdecke bildet sich später. Die Jagdsaison der hiesigen Bären auf dem Eis verkürzt sich dadurch, und sie verbringen viel mehr Zeit auf dem Land, wo sie nicht ausreichend oder gar nicht fressen.
Die Inuit in den Gemeinden an der Bay beklagen daher, dass sie von hungrigen Eisbären geradezu belagert werden – viel mehr als früher. Auf der Suche nach etwas Essbarem besuchen sie Mülldeponien und durchwandern sogar die Siedlungen, besonders nachts.

Eisbaer_Skulptur aus einer Inuit-Gemeinde - Kunst
Inuit-Kunst: Kleine Eisbären-Skulptur

Den Schlussfolgerungen mancher Inuit – es gäbe jetzt viel mehr Eisbären als früher, also müssten die Jagdquoten erhöht werden – folgen die führenden Eisbär-Forscher allerdings nicht, denn sie stützen sich wissenschaftliche Daten anstelle von anekdotischen Beobachtungen.
Die Ergebnisse dieser Studien zeigen, dass die Zahl der Eisbären in der westlichen Hudson-Bay-Region rückläufig ist; die Bären sind zudem im Durchschnitt etwas kleiner und dünner als in den Jahrzehnten zuvor, und sie ziehen auch nicht mehr so viele Junge auf.

Reste eines verendeten Eisbären
Reste eines verendeten Eisbären, September 2012

Auch in anderen Regionen gibt es Probleme. Letzte Woche wurde eine Studie veröffentlicht, die 2001 begann und zeigt, dass die Anzahl der Eisbären in der südlichen Beaufortsee innerhalb von 10 Jahren um 40 Prozent gesunken ist. Unter anderem beobachtete man dabei zwischen 2004 und 2007 80 Eisbärenbabys, von denen ganze zwei Tiere überlebten! Als Ursache des drastischen Rückgangs vermuten die Wissenschaftler, dass sich, anders als früher, das Packeis im Sommer jetzt viele hunderte Kilometer weit von der Küste zurückzieht; die Eisbären müssen entweder mit nach Norden ziehen, wo es viel weniger Robben gibt, oder sie schwimmen ans Land. Die hiesige Populationsgröße – 2004 waren es noch 1600 Eisbären – scheint sich seit 2007 bei etwa 900 zu stabilisieren.

Eisbäer im Berliner Zoo_Brotfuetterung
Zoo Berlin, Schau-Fütterung von Eisbären mit Brot

Werden diese Eisbären um die Mitte des Jahrhunderts ausgestorben sein, wenn es uns nicht gelingt, die Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren? Dieses Szenario halten Wissenschaftler für durchaus realistisch. Ob eines Tages die Eisbären in den Zoos sogar die letzten Vertreter ihrer Spezies sein könnten?
Die Fragen um die Zukunft des Eisbären und die unterschiedlichen Vorstellungen zu ihrer Beantwortung spielen auch in unserem Buch „Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis“ eine wichtige Rolle.

Buch_eisbaeren_Wanderer auf duennem Eis

Mit ihren schwarzen Augen im weißen Pelz und den niedlichen Ohren sind Eisbärenbabys ein reizvoller Anblick, nahezu unwiderstehlich. Wer sich noch an „Knut“ im Berliner Zoo und den Rummel um ihn erinnert, den wird auch die fast kultische Verehrung nicht verwundern, die noch immer seltsame Blüten treibt, wie hier an einer Pinnwand im Berliner Naturkundemuseum.

Kult um Knut_Briefe
Kult um Knut

Seit Jahrhunderten sind die Menschen fasziniert von Eisbären, sie verkörpern Kraft, Gefahr, aber auch Schönheit. Für die Inuit, mit denen die Eisbären das Leben in einer Extremregion gemeinsam haben, waren sie seit mehreren tausend Jahren sowohl Jagdwild, das für Ernährung und Bekleidung genutzt wurde, als auch spiritueller Partner. Seefahrer aus Europa und Amerika jagten sie wegen der Pelze, um des Ruhmes willen oder um die Jungtiere an Zoos und Zirkusse zu verkaufen. In welcher Art heutzutage Eisbärenjagd praktiziert wird, kann man ebenfalls hier nachlesen.

historische Darstellung der Eisbaeren-Jagd
Eisbären-Jagd, historische Darstellung

Auf die Frage, was man tun kann, um die Eisbären zu retten, sagte der kanadische Eisbärenforscher Andrew Derocher neulich in einem Interview mit der Winnipeg Free Press, dass man sich zuerst über den Klimawandel informieren solle, und wenn man dieses Problem verstanden habe, solle man Einfluss auf die Politiker nehmen, damit die verstehen, dass man dieses Problem aus der Sicht von Fairness zwischen den Generationen lösen muss.
„Wir haben ein Zeitfenster, in dem wir zur Rettung der Eisbären aktiv sein können, aber worüber wir wirklich reden, ist, die Zivilisation, wie wir sie kennen, aufrechtzuerhalten und nicht zu versuchen, den im globalen Kontext bereits Benachteiligten zu schaden. Jetzt geht es um Eisbären, aber in 10 oder 20 Jahren geht es um Menschen, die eine massenhafte Migration durchzumachen haben. Und dann müssen wir uns Sorgen um Menschen machen, nicht mehr nur um Eisbären.“

posted by Mechtild Opel

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Die Welt der Eisbären

Bevor wir in den Zodiac steigen, ziehen wir dicke Pullover und mehrere Schichten Jacken über. Der kalte Wind scheint von allen Seiten gleichzeitig zu kommen. Wir fahren tief in die Coningham Bay hinein; bald sind wir nahe genug am nebligen Ufer, um mit dem Fernglas dort Knochen zu erkennen: Wirbelsäulenteile von Walen. Und dazwischen ein Eisbär. Anfangs halte ich ihn für einen glänzenden Felsen, denn er bewegt sich nicht. Als wir nahe genug heran sind, schwinden alle Zweifel. Da steht ein Eisbär direkt über einem Stück abgenagten Walkadaver, man erkennt deutlich die Wirbelknochen des Meeressäugers.

Touristen und Eisbaeren
Alle Touristen wollen den Eisbären fotografieren

Nun sieht der Eisbär uns – er blickt her, aber zeigt sich nicht beeindruckt. Was mag in seinem Kopf vorgehen? Er behält die Ruhe, wartet ab, dann macht er etwas Verblüffendes: er setzt sich auf seine Beute. Eine Geste der Besitzverteidigung? Er bewegt den Kopf, schaut immer wieder her. Und dann verlässt er seinen Platz. Dass er absolut keine Angst hat, erkennen wir daran, dass er sich auf uns zu bewegt, ohne Hast. Langsam und gemessenen Schrittes kommt er näher.

Der Eisbaer naehert sich
Der Eisbär nähert sich

Dann kommt er ohne Hast noch näher an die Uferlinie, mit einwärts gesetzten Vorderfüßen und schwingenden Hüfte, und wir können die kraftvolle Pose des Eisbären bewundern. Er tritt mit seinen riesigen Tatzen ins flache Wasser, so als wollte er sagen: „Ich weiß zwar nicht, wer ihr seid und was ihr hier wollt, aber eins ist klar: Das hier ist mein Platz und meine Beute; bleibt lieber weg!“ …

Ruhender Eisbaer
Ruhender Eisbär

… Da die Eisbären, selbst wenn sie sich temporär an Land aufhalten, vom Meereis abhängig sind – für ihre Jagd und Ernährung wie für ihre Vermehrung – liegt die Zukunft der Eisbären da, wo die Zukunft des Polareises liegt. … Ob auch unsere Ur-Ur-Enkel noch Eisbären sehen können?

Hungriger Eisbaer
Hungriger Eisbär

Den vollständigen Artikel kann man im Sonderheft Norden des Magazins „360° Kanada“ nachlesen.

Mehr über die Welt der Eisbären erfährt man in „Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis“, das in Kürze im MANA-Verlag erscheint.

Siehe auch unser Blog „Eisbären auf dünnem Eis“

posted by Mechtild Opel

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Die Faszination der Nordwestpassage

[Siehe auch Update 9.9.2014: Franklin-Schiff gefunden!]

Wieder einmal ist ein Team von Parks Canada aufgebrochen, um die seit ca. 160 Jahren im arktischen Ozean verschollenen Schiffe Erebus und Terror – siehe auch unser Beitrag von 2013 – zu suchen. In diesem Jahr arbeitet die kanadische Behörde mit „vereinten Kräften“ – mit Partnern von der Royal Canadian Geographic Society, der W. Garfield Weston Foundation sowie privaten Unternehmen wie One Ocean Expeditions und Shell Canada.

Taucher am Wrack der Investigator
Taucher am Wrack der Investigator – Photo: Courtesy of Parks Canada

Seit dem Fund der HMS Investigator im Juli 2010 verbringt das Team mit dem Unterwasserarchäologen Ryan Harris nun zum 6. Mal in Folge mehrere Wochen in der Nähe von King Williams Island, um mit Hilfe eines Seitensonargerätes und anderer moderner Technik den Meeresboden zu scannen und nach Spuren der Schiffe zu suchen. Und wie in den Jahren zuvor nutzte der kanadische Premierminister diese spektakuläre Suche, die sich nationaler wie internationaler Aufmerksamkeit erfreut, als Gelegenheit für medienwirksame Fotostrecken.

Ryan Harris ueberwacht die Ergebnisse des Seitensonars
Ryan Harris ueberwacht die Ergebnisse des Seitensonars – Photo: Courtesy of Parks Canada

Ob die diesjährige, besonders aufwändige Suche von Erfolg gekrönt sein wird, steht nicht in den Sternen, sondern, wie schon im letzten Jahr, in den Eiskarten. Im Moment sind die Aussichten nicht sehr gut. Die aktuelle Verteilung des einjährigen Eises, durch ungünstige Winde befördert, verhindert derzeit die Suche der Unterwasserarchäologen in den Gebieten der Victoria Strait, die den Schwerpunkt der diesjährigen Suche nach Erebus und Terror bilden sollten.

Eis kanadische Arktis 19.-28. August 2014
Eisverhältnisse in der kanadischen Arktis 19.-28. August 2014 – Grafik: Courtesy of CIS, Environment Canada

Diese Eisverteilung ärgert auch alle, die in der eisarmen Zeit Ende August/ Anfang September die legendäre Passage zwischen Atlantik und Pazifik bezwingen wollten. Einige der Neugierigen und Ehrgeizigen, die mit ihren Segeljachten in Richtung dieses neuen und exotischen “Abenteuerspielplatzes“ Nordwestpassage unterwegs waren, haben bereits aufgegeben, und kommerzielle Kreuzfahrtschiffe waren gezwungen, kostenaufwändige Eisbrecher anzufordern.

Eissturmvogel im Schneesturm
Eissturmvogel im Schneesturm

Trotz aller moderner Ausrüstungen und trotz der globalen Erwärmung stellt die Nordwestpassage noch immer eine Herausforderung dar. Nicht immer sind die Bedingungen so ungünstig wie zur Zeit der Franklin’schen Unternehmung und der zahlreichen Suchexpeditionen im 19. Jahrhundert, über die unser Artikel Die Suche nach der Nordwest-Passage im Sonderheft „Kanadas Norden“ des Magazins 360° Kanada informiert, aber sie sind auch nicht immer so günstig wie auf unserer Reise 2012, über die man im gleichen Artikel nachlesen kann.


Lancaster Sound
Lancaster Sound

Updated: Schiff gefunden – und schließlich auch positiv identifiziert

posted by Mechtild Opel

Eisbären auf dünnem Eis

International Polar Bear Day 2014

Polar Bear On Thin Ice
Eisbären auf dünnem Eis – Foto: © Shoshanah Jacobs

Am 27. Februar wird weltweit der Internationale Eisbär-Tag begangen, um auf die Bedrohung der Eisbären durch die Erwärmung der Arktis aufmerksam zu machen. Eisbären stehen dabei als Symbol für die arktische Artenvielfalt. Oft wird mit dem Begriff „König der Arktis“ operiert; aber wir wollen die Eisbärin nicht vergessen, die als engagierte und sich nahezu aufopfernde Mutter unsere besondere Sympathie verdient.

Starker Eisbaer
Ein kräftiger, satter Eisbär

Die Menschen in der Arktis haben ein viel engeres Verhältnis zu den Eisbären, mit denen sie ja seit über 4000 Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft leben, als wir im Süden; das schließt spirituelle wie sachliche Aspekte ein. Sie sehen die Eisbären als Verwandte an – was aber die Jagd auf sie durchaus nicht ausschließt.


Eisbaerenfell -- groenlaendische Jaeger
Grönländische Jäger haben ein Eisbärenfell zum Trocknen aufgespannt

In Europa sind die Eisbären seit ungefähr 1000 Jahren bekannt. Ihre Felle waren begehrtes Handelsgut, und die Tiere wurden in den Menagerien der Herrschenden ausgestellt und sogar in Hetzgärten auf andere Tiere gehetzt.

Troll im Berliner Tierpark
Im Zoo haben die Eisbären eine hohe Lebenserwartung

Eisbaervorfuehrung im Zirkus
Doris Arndt-Schaaff mit ihrer Eisbärgruppe – © Archiv Schaaff

Unsere Vorfahren lernten die Eisbären in Tiergärten und im Zirkus kennen, denn außer für Walfänger und Forscher war das arktische Lebensumfeld der weißen Bären für den Normalbürger nicht erreichbar. Allerdings gibt es schon seit dem 17. Jahrhundert bildliche Darstellungen auf Gemälden und in Büchern.


John Webber_1784_Weisser_Baer
Eisbär-Darstellung von John Webber, 1784

Gemaelde Biard_Kampf mit Eisbaeren
François-Auguste Biards Gemälde „Kampf mit Eisbären“, 1842

Vive Ste-Cecile Schutzpatronin der Musik Eisbär-Trophäe auf einer Postkarte

Kinderbuchillustration 1924
Illustration aus Vilhjalmur Stefanssons Kinderbuch „Kak, der Eskimo“ 1924

Durch eine gedankenlose und profitorientierte Jagd waren die Eisbären Mitte des 20. Jahrhundert beinahe ausgerottet worden. Erst 1973 wurden weltweit Maßnahmen zur Erforschung der Lebensbedingungen und zum Schutz der Eisbären beschlossen.


Eisbaer schwimmt in der Hudson Strait
Schwimmender Eisbär, Hudson Strait

Die Erwärmung der Arktis besonders im letzten Jahrzehnt haben Tierschützer und Umweltaktivisten mobilisiert, den Schutz der Eisbären zu intensivieren.


Reste eines verendeten Eisbaeren
Verendeter Eisbär, Devon Island

Gelegentlich wird dabei der Erfahrungsschatz und das Wissen der Inuit außer Acht gelassen, obwohl es gerade auch im Interesse der Eisbären liegt, die Anstrengungen von Inuit, Wissenschaftlern und Umweltschützern zu bündeln, um die arktische Natur vor den Folgen menschlicher Gedankenlosigkeit und vor unüberlegter rein profitorientierter Ausbeutung von Rohstoffen zu schützen.

Eisbaer in der kanadischen Arktis
Eisbär in der kanadischen Arktis

Vor kurzem haben wir das Manuskript für unser Buch über Eisbären beendet, das im Sommer 2014 erscheinen soll.
Update: Das Buch „Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis“ erscheint im Oktober 2014.

posted by Wolfgang Opel

Siehe auch „Neues von den Eisbären“

Aktuelles zu Eisbären immer auf unserer Facebook-Site




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