Archiv der Kategorie 'Canada - Kanada'

Islands berühmte „Globetrotterin“

Guðríður Þorbjarnardóttir – Reisen vor tausend Jahren

Seit unserer ersten Island-Reise 1993 folgen wir den Geschichten um Guðríður (Gudridur), der vor 1000 Jahren am weitesten gereisten Frau Islands. In Laugarbrekka – zu Füßen des Snæfellsnes-Gletschers – wurde sie um das Jahr 980 auf einer Farm mit Blick auf den Atlantik geboren. Weit im Westen der heute verschwundenen Farm liegt Grönland, das eines Tages Ziel von Gudridurs Vater und seiner Tochter wurde, als sie dem Ruf Erik des Roten zur Besiedlung des „grünen“ Landes folgten.

Diese Tafel erinnert an den Hof Laugarbrekka
Diese Tafel erinnert an den Hof Laugarbrekka

Was man heute über Gudridur weiß, ist in den Sagas der Isländer niedergeschrieben, die allerdings erst lange nach den eigentlichen Geschehnissen notiert wurden. Demnach heiratete sie nach ihrer Ankunft in Grönland; doch ihr Mann starb bald. Später heiratete sie Þorsteinn, einen Sohn Erik des Roten. Dessen anderer Sohn, Leif Eriksson, gilt als europäischer „Entdecker“ Nordamerikas. Er reiste per Schiff über den Atlantik und siedelte auf dem fernen Land im Westen.

rekonstruierte Rudimente des Bauerngehöfs Laugarbrekka
Blick von Laugarbrekka in Richtung Grönland

Drei Jahre nach unserer ersten Islandreise besuchten wir L’Anse aux Meadows im Norden Neufundlands. Hier hatte das Ehepaar Anne Stine und Helge Ingstad in den 1960er eine Siedlung der Wikinger gefunden, ausgegraben und anhand von Artefakten eindeutig identifiziert. Somit war ein wichtiger Teil der Sagas, die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger, bestätigt worden.

Der Wunderstrand im heutigen Mealy Mountains Nationalpark, Labrador
Der „Wunderstrand“ aus den isländischen Sagas liegt im neuen Mealy Mountains Nationalpark Kanadas in Labrador

Fundstaette in L_Anse aux Meadows
Rekonstruierte Grassodenhütte auf der Fundstätte in L‘Anse aux Meadows

Nach der Rückkehr von einem vermutlich erfolglosen Versuch, das neue Land zu erreichen, verstarb Gudridurs Ehemann Thorsteinn. Sie heiratete den Händler Þorfinn Karlsefni und begab sich mit ihm und einer größeren Mannschaft nach dem von ihrem Ex-Schwager Leif so benannten Vinland.

Wikingerboot Islendingur erreicht L'Anse aux Meadows
Die Íslendingur, der Nachbau eines Wikingerschiffs, erreichte L‘Anse aux Meadows im Jahr 2000

Ob das Vinland der Sagas mit dem heutigen L’Anse aux Meadows oder anderen Orten in Neufundland, Nova Scotia oder sogar Neu-England übereinstimmt, konnte bisher nicht geklärt werden.

Auch diese Deichlandschaft bei Yarmouth halten manche Forscher für Vinland
Auch diese Deichlandschaft bei Yarmouth (Nova Scotia, Kanada) wird von manchen Forschern für Vinland gehalten

Übereinstimmung besteht bei den Historikern jedoch darin, dass Guðríður während ihres mehrjährigen Aufenthalts in Nordamerika einen Sohn, Snorri, geboren hatte. Snorri gilt damit als das erste auf dem amerikanischen Kontinent geborene Kind europäischer Abstammung.

Bronzestatue in Laugarbrekka
In Laugarbrekka: Guðríður auf einem stilisierten Wikingerschiff

Nach einigen Jahren kehrten die Reisenden aus nicht genau überlieferten Gründen nach Europa zurück und siedelten sich in Glaumbær im Norden Islands an. An die ungewöhnlichen Reisen Guðríðurs, von Island über Grönland nach Amerika und zurück, erinnert auch hier eine Skulptur des isländischen Bildhauers Ásmundur Sveinsson, die Gudrídur mit dem kleinen Snorri auf der Schulter zeigt.

Statue in Glaumbaer
Guðríður mit Snorri – hier auf dem Kirchhof in Glaumbaer

In Laugarbrekka hatten wir erstmals einen Abguss davon gesehen. Einem weiteren begegneten wir am Gehöft Glaumbær, das rekonstruiert wurde und heute ein Museum ist. Wir staunten nicht schlecht, als wir in Ottawa im Foyer der National Archives of Canadaeinen dritten Abguss der Statue entdeckten. Hier wird die vor über 1000 Jahren stattgefundene Entdeckung Amerikas durch die Wikinger gewürdigt.

Diese Karte zeigt die Reisen Gudridurs
Diese Karte zeigt die unglaublichen Reisen Guðríðurs

Gudridurs Reiselust war offensichtlich noch nicht gestillt. Nach dem Tode ihres Mannes Thorfinn Karlsefni und der Hochzeit ihres Sohnes Snorri unternahm sie noch eine weitere lange Reise: als Pilgerin nach Rom. Unglaublich und schwer vorzustellen, wie vor 1000 Jahren eine Frau diese Entfernungen überwunden hat. Ob sie dort auch vom Papst empfangen wurde, ist nicht bekannt. Anders dagegen der ehemalige isländische Staatspräsident Ólafur Ragnar Grímsson, der 2011 vom damaligen Papst Benedikt zur Audienz gebeten wurde, und bei der Gelegenheit einen weiteren Abguss der Skulptur von Ásmundur Sveinsson mit Gudridur und Snorri übergeben hatte.

Auf dem Friedhof von Glaumbaer ruhen wahrscheinlich Thorfinn, Gudridur und Snorri
Auf dem Friedhof von Glaumbaer sollen Thorfinn, Guðríður und Snorri ruhen

Gudridur kehrte nach dem Rom-Besuch nach Island zurück und lebte als Nonne in einem Kloster. Snorri gründete eine weitverzweigte Familie, zu der auch spätere Bischöfe gehörten. Ob womöglich einer seiner Nachfahren wieder nach Amerika zurückkehrte, wissen wir nicht.

posted by Wolfgang Opel

Eisbären: ihre Zukunft und das Meereis

Dieser April, so fühlten wir, war viel zu kalt für uns hier in Deutschland. Fischer in Neufundland ärgern sich gerade über dichtes Packeis vor der Küste, wohingegen sich Touristikunternehmer über ein reiches Aufkommen an Eisbergen freuen.

Touristen erfreuen sich an einem Eisberg
Touristen erfreuen sich an einem Eisberg

Eis und Kaltluft im Frühling sollten jedoch keine Zweifel an der Tatsache der von Menschen verursachten globalen Erwärmung hervorrufen. Man braucht bloß mal einen Blick in die Arktis werfen. Nicht viele haben die Möglichkeit, dahin zu reisen, aber es reicht, sich aktuelle Fotos ansehen und die einschlägigen Zahlen und Daten über die Eisbedeckung und über das Tauen der Permafrostbodens zur Kenntnis nehmen.

Die Abnahme des arktischen Meereises
Abnahme des arktischen Meeeises – Sommer-Minima und Winter-Maxima
Image Credit: NASA/Goddard Scientific Visualization Studio


Nicht nur die Fläche, auch die Dicke der Meereisbedeckung ist dramatisch zurückgegangen (siehe Fußnote). Die Erwärmung in der Arktis beeinflusst in sehr komplexer Weise Wettererscheinungen, Wind- und Meeresströmungen in anderen Regionen der Erde. Derzeit bewegen sich Eismassen von der Davis Strait (zwischen Grönland und Baffinland) nach Süden und belagern die Küste Neufundlands.

Meereis in der Arktis 2017_April30
Eiskarte vom 30. April 2017 – Image Credit: Canadian Ice Service

Die aktuelle Eiskarte zeigt eine hundertprozentige Eisbedeckung (weiss) nur noch im kanadischen Archipel; vor Neufundland aber gibt es nahe der Küste eine im Durchschnitt noch starke Eisbedeckung (hellgrau). Doch auch Eisbedingungen, die Fischerboote am Ausfahren hindern, sind nicht unbedingt immer gute Jagdgründe für Eisbären – siehe S. 185-194 in unserem Buch.
Bürgermeister, Polizisten und Einwohner der Küstendörfer machen sich Sorgen über eine neue Gefahr: Eisbären streunen um die Dörfer. Ein paar Unbedarftere hingegen zücken ihr Smartphone, hoffen auf ein Selfie mit Eisbär im Hintergrund und überlegen, ob sie das Tier nicht mit etwas Fleisch anlocken können.

Eisbär bei Catalina erschossen
Eisbär bei Catalina erschossen – Nachrichten vom 10. April 2017

Wo Eisbären und Menschen dicht aufeinandertreffen, ist ersterer in der Mehrzahl der Fälle schon so gut wie tot. Aus Sicherheitsgründen, wegen Gefahr für Leib und Leben oder in tatsächlicher Notwehr wird er erschossen. Nur in wenigen Fällen stehen die aufwendigen Möglichkeiten und Mittel zur Verfügung, den Eisbären mittels Betäubungsspritze ruhig zu stellen und mit einem Helikopter in unbewohnte Regionen auszufliegen.

Kosten eines Eisbaer-Transports
Kosten für einen per Helikopter abtransportierten lebenden Eisbären führen zu erregten Diskussionen – Nachrichten vom 11. April 2017

Manchmal kann man einen Eisbären, der sich außerhalb seines natürlichen Habitats in die Nähe menschlicher Siedlungen begeben hat, mit Schreckschussmunition verjagen. In vielen Fällen aber kommt er bald wieder – aus Hunger oder aus Neugier: es riecht so interessant, wo Menschen wohnen, und man könnte vielleicht etwas zwischen die Zähne bekommen.

Eisbaeren auf dem Land haben Probleme
Wissenschaftler wird wegen der Eisbär-Sichtungen befragt

Die eisfreie Periode vor der Küste Labradors ist mittlerweile 18 Tage länger als noch vor 10 Jahren – daher sieht man die Eisbären, die nicht mehr auf dem Packeis nach Robben jagen können, vermehrt auf dem Land, wo sie nach Essbarem suchen. Sie fressen kleinere Tiere, Vogeleier und sogar Pflanzen (Vgl. Buch S. 193) – vielleicht genug zum Überleben, aber nicht ausreichend, um satt zu werden und hunderte Kilometer lange Schwimmstrecken (Vgl. Buch S. 172) zurück zum Eis zu überleben. Auch wenn nun gelegentlich in Neufundland, Labrador und anderswo mehr Eisbären in der Nähe von Siedlungen gesichtet werden als früher, sind dies nur selten starke, gesunde Tiere, die viel Nachwuchs (Vgl. Buch S. 199-205) hervorbringen werden.

Hungriger Eisbär auf Futtersuche
Hungriger Eisbär auf Futtersuche

(Fußnote) Die Fläche des arktischen Eises – im Sommerminimum – hat seit in den letzten 30 Jahren dramatisch abgenommen (1982: 7,5 Mio. km²; 2012: 3,4 Mio. km²; 2016: 4,1 Mio. km²); zudem hat die durchschnittliche Eisdicke stark abgenommen, so dass es auch im Wintermaximum viel weniger dickes, mehrjähriges Eis gibt als früher. Diese Verluste traten viel rascher ein als bisher prognostiziert; bleibt der gegenwärtige Trend erhalten, könnte es sein, dass wir bereits 2040 einen eisfreien Sommer in der Arktis erleben. Was das für das Weltklima und für uns alle bedeuten kann, will ich hier gar nicht diskutieren, sondern vorerst nur daran erinnern, dass die Zukunft der Eisbären mit der des arktisches Meereises verbunden ist.

Alle Seitenangaben im Text beziehen sich auf unser Buch Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis.

posted by Mechtild Opel

Angry Inuk – Alethea Arnaquq-Barils neuer Dokumentarfilm

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Tanya Tagaq – aus der Arktis nach Berlin

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Unterwegs am Rand der Welt: Haida Gwaii

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Jack London – Abenteurer, Seemann, Schriftsteller

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HMS Terror: Wrack identifiziert

Die Informationen aus diesem Beitrag sind in den Blog „Erebus und Terror: Retrospektive – Teil 4“ auf www. trimaris.de eingeflossen.

Unglaublich – auch HMS Terror gefunden!

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Roderich R. Schneider, member of the Lady Franklin Bay Expedition

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Roderich Robert Schneider

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