Archiv der Kategorie 'Canada - Kanada'

HMS Terror: Wrack identifiziert

Unterwasserarchäologen bestätigen Identität des Wracks

Nach dem Fund eines Schiffswracks in der Terror Bay vor King William Island durch die Besatzung der „Martin Bergmann“ (Arctic Research Foundation) haben Archäologen von Parks Canada die Fundstelle aufgesucht.

HMS Terror -Gemaelde Chambers 1837
HMS Terror – Gemälde von George Chambers, 1837

Wie der Unterwasser-Archäologe Ryan Harris in der heutigen Pressekonferenz erklärte, haben schwierige Wetterverhältnisse den Beginn der archäologischen Untersuchungen am Wrack verzögert. Erst am 17.9. konnten lediglich drei Tauchgänge stattfinden, wobei die Sichtverhältnisse unter Wasser wegen der wetterbedingten Aufwirbelungen sehr schlecht waren. Das Deck des Wracks ist nicht nur mit einer Menge von Ablagerungen, sondern auch mit reichhaltigem Bewuchs von Meerespflanzen bedeckt, wie man sie in solch nördlichen Breitengraden kaum erwartet.


Immer noch an Ort und Stelle: ein Belegnagel
Immer noch an Ort und Stelle: ein Belegnagel – Foto: © Parks Canada

Dennoch konnten die Taucher typische Merkmale und Aufbauten britischer Forschungsschiffe des 19. Jahrhundert erkennen, die auch für HMS Erebus und Terror zutreffen. Der Rest der Untersuchungen stützt sich auf Scans mittels eines Seiten-Sonar und eines Fächer-Echolots. Schließlich verglich man die Scans mit dem historischen Archivmaterial, einschließlich der Schiffspläne. Das Ergebnis: Details wie die Anordnung des Bugspriets, der Ort und die Beschaffenheit des Steuers und die Größe der Speigatte belegen, dass es sich tatsächlich um HMS Terror handelt.


Oberlicht der Kapitaenskajuete und Steuerrad
Oberlicht der Kapitänskajüte, Steuerrad von HMS Terror – Foto: © Parks Canada

Nun geht es um den Schutz der Fundstätte von HMS Terror, die Kanadas Regierung mit der Regierung von Nunavut und den zuständigen Organisationen der Inuit erörtern wird – und um die weitere archäologische Erforschung, deren Fortsetzung wohl wieder auf ein winziges Zeitfenster im kurzen arktischen Sommer des kommenden Jahres warten muss.

Intaktes Fenster, aber schlechte Sicht-Blick in Croziers Kabine
Schlechte Lichtverhältnisse erschweren den Blick durch die intakte Fensterscheibe in Kapitän Croziers Kabine – Foto: © Parks Canada

posted by Mechtild Opel

Unglaublich – auch HMS Terror gefunden!

Updated:: Wrack wurde durch Unterwasserarchäologen von Parks Canada positiv identifiziert

Erfolg bei der diesjährigen Forschungsexpedition

Auch das zweite Wrack der Franklin-Expedition liegt weitgehend intakt auf dem Meeresgrund.
Das 1848 verlassene und aufgegebene Schiff wurde außerhalb der bisher bevorzugten Suchregionen von der Mannschaft der „Martin Bergmann“, dem Schiff der kanadischen Arctic Research Foundation, gefunden, nachdem sie einem Hinweis eines Inuk aus Gjoa Haven gefolgt war.

HMS Terror_Zeichung_George_Back
HMS Terror im Eis – von George Back

Von der in den unzugänglichen Regionen der kanadischen Arktis verschollenen und gescheiterten Franklin-Expedtion sind bisher nur wenige aufschlussreiche Relikte gefunden worden. Zunächst waren drei Gräber auf Beechey Island die einzigen Spuren der Expedition.

Grab John Torrington
Grabstein des 20jährigen Matrosen John Torrington, HMS Terror, auf Beechey Island

Aus weiteren Funden auf King Williams Island konnte man schließen, dass die Schiffe Erebus und Terror nordwestlich dieser Insel im Eis eingeschlossen wurden. Vermutlich dort starb auch Franklin. In der Hoffnung auf Rettung kämpften sich Teile der Mannschaft zu Fuß in Richtung Süden. Aber keiner der 129 Seeleute überlebte.
Mehr als 150 Jahre lang haben zahlreiche Forscher und Historiker versucht, aus den wenigen verfügbaren Informationen den Verlauf der Franklin-Expedition und die Gründe des Scheitern zu rekonstruieren, doch das meiste davon liegt noch immer im Bereich der Spekulation. 2014 wurde HMS Erebus viel weiter im Süden vor der Adelaide-Halbinsel gefunden. War das Schiff wieder bemannt und dorthin gesegelt worden?

Bildnis Kapitain Crozier
Kapitän Francis Rawdon Moira Crozier, Befehlhaber von HMS Terror

Die HMS Terror, die unter dem Kommando von Kapitän Francis Rawdon Moira Crozier gestanden hatte, wurde nun am 3. September – ganz passend zum Namen des Schiffes – in der Terror Bay gefunden, knapp 100 km südlich der Position, in der sie einst im Eis eingeschlossen war. Weitgehend intakt, mit allen drei Masten noch stehend, ruht sie in 24 Meter Tiefe. War auch dieses Schiff wieder bemannt worden?

Karte King Williams Island, Auschnitt mit der Terror-Bay
Karte von King Williams Island, Auschnitt mit der Terror-Bay

An der diesjährigen „Mission Erebus and Terror 2016“ in verschiedenen Gebieten des kanadischen arktischen Archipels, die aufgrund der Eisbedingungen immer nur am Ende des Sommers stattfinden kann, sind neben der privaten gemeinnützigen Arctic Research Foundation mit dem Schiff Martin Bergmann und der Regierungsbehörde Parks Canada mit dem Forschungsboot Investigator auch der Eisbrecher Sir Wilfrid Laurier der Canadian Coast Guard und HMCS Shawinigan der Royal Canadian Navy beteiligt. Wäre doch eigentlich nett, wenn den Findern die vor 170 Jahren ausgelobte Summe von 10.000 Britischen Pfund zustehen würde!

Ausgelobte Belohnung fuer die Auffindung Franklins oder seiner Schiffe
Ausgelobte Belohnung für die Auffindung Franklins oder seiner Schiffe

posted by Mechtild Opel

Vom Wasser des Atlantik umspült – Aus dem Buchregal

Kanada – der maritime Osten in dritter Auflage

10 Nationalparks liegen in Kanadas Atlantikprovinzen; und es sind 12, wenn man Québec maritime einbezieht. Genau das bietet die dritte, stark überarbeitete und um 36 Seiten erweiterte Auflage meines kürzlich im Reise Know-how Verlag Grundmann erschienenen Buches Kanada – der maritime Osten (zuvor bekannt unter dem Titel „Kanada Maritimes“).
In der an Reisezielen so reichen maritimen Region des Ostens liegen auch acht (zählt man Quebec City am St. Lorenz zur maritimen Region, sind es sogar neun, und damit die Hälfte) der 18 kanadischen UNESCO-Welterbestätten.

Sandy Bay Beach
Am Sandy Beach im Thomas Raddall Provincial Park, Nova Scotia

Was die vom Atlantik umspülten Küstenregionen Kanadas außer den bekannten Nationalparks, Provinzparks und den UNESCO-Stätten zu bieten haben? Vieles mehr, und nicht alles davon ist allgemein bekannt.
Unsere Routen führen auch abseits ausgetretener Wege zu reizvoll eingeschnittenen Buchten, langen Sandstränden, spektakulären Felsformationen.

Cape Split
Felsformation am Cape Split, Nova Scotia

Sie führen zu vielgestaltigen Leuchttürmen, in romantisch anmutende Fischerdörfer, durch charaktervolle Städte.

Leuchtturm La Martre_Gaspe
Leuchtturm La Martre, Gasé-Halbinsel, Québec

Wo wird Geschichte liebevoll „zum Anfassen“ (living history) dargeboten? Welches Fest sollte man nicht verpassen?

Scarecrow Festival
Dekoration beim Scarecrow-Festival, Mahone Bay

Auf welche Insel sollte man unbedingt übersetzen? Wo kann man man am besten Wale beobachten?

Brier Island
Walbeobachtung bei Brier Island, Bay of Fundy

Was ist akadischer Forst, und welche Tiere und Pflanzen sind dort zuhause?

Stachelschwein_Porcupine
Stachelschwein – Porcupine

Wie lebten die Mi‘kmaq früher, und vor welchen Herausforderungen stehen sie heute?

Ashley_Julian_MiKmaq Dancer
Die Mi‘kmaq-Tänzerin Ashley Julian am National Aboriginal Day

Und was bedeutet die blau-weiß-rote Flagge mit dem Stern?

Grande Anse Lighthouse Acadian
In den Farben der Akadier: Leuchtturm bei Grande Anse, New Brunswick

Neu in der dritten Auflage – jetzt auf 458 Seiten:
Die Nordküste des St. Lorenz-Stromes in Richtung Labrador wird bereits ab Tadoussac und damit umfangreicher behandelt; völlig neu hinzugekommen sind eine mögliche Anreise von Montreal via Quebec City sowie die reizvollen Îles de la Madeleine. Zu den klassischen maritimen Provinzen Nova Scotia, New Brunswick und Prince Edward Island, der Gaspé-Halbinsel sowie Newfoundland und Labrador in vorherigen Auflagen hat die Neuauflage damit eine deutliche Bereicherung erfahren.
Reiseziele und -routen wie auch die „allgemeinen“ Reiseinformationen sind gründlich überarbeitet, aktualisiert und mit zahlreichen neuen Fotos versehen.

posted by Mechtild Opel

Roderich R. Schneider, member of the Lady Franklin Bay Expedition

An Arctic Traveler from Saxony

(German Version – Deutsche Version hier!)
Dorfschellenberg, Roderich Schneider’s birthplace, was once an independent village but is suburban today. On old pictures, you can clearly recognize the church; not far away was the cotton mill Trübenach & Schneider. Roderich (Roderick) R. Schneider, a son of the co-owner, was born on June 29, 1853. He emigrated to America in 1870 for unknown reasons. Presumably, there were no job prospects in his father’s company for him, not being the first-born son.

Dorfschellenberg_Geburtsort_Schneiders
Dorfschellenberg, birthplace of Roderich Schneider

Unlike many emigrants from Germany, he did not lose contact with family and home. He even visited them in 1873 and 1878. During the second trip, he almost lost his life when the passenger ship Pommerania was rammed by a sailing ship and sank near England. Young Schneider was lucky and survived. Perhaps his sailing experience on merchant ships had helped him to survive.

Members of the expedition, here without Schneider
Members of the expedition, here without Schneider

In the spring of 1879, he returned to the United States and enlisted in military service. It was probably there that he learned about the planned North Pole expedition led by Lieutenant Adolphus W. Greely. Initially, he was not scheduled to take part in the expedition, but due to the desertion of a participant he was finally admitted into the team.

Das Expeditionsschiff Proteus
Proteus – the Greely Expedition’s ship

Schneider was not the only German – six more of the expedition members were born in Germany. This was not unusual at that time. Other American Arctic expeditions, such as those of Charles Francis Hall or George W. De Long, had German-born participants as well. However, it was not their fault that these three specific expeditions ended more or less in disaster.

Roderich Schneider in Fort Conger
The only known photograph of Schneider, here in Fort Conger

The Lady Franklin Bay Expedition under the command of Greely got it particularly bad. Only six of the 25 participants survived. The announced supply ship did not arrive, thus the men in Fort Conger on Northern Ellesmere Island started to travel southward. After a long and hard odyssey of more than 500 km they ended up on inhospitable Pim Island just before the onset of winter.

die Winterhuette in Camp Clay
In the winter hut, Camp Clay on Pim Island

Tragically, they had to find out that the supplies which were deposited here were actually not available in sufficient quantities to survive the winter. Therefore. the food was rationed immediately. They built a makeshift hut and started hunting wildlife to supplement the extremely scarce provisions. Details of their struggle to survive can be read in Leonard F. Guttridge’s book „Ghosts of Cape Sabine“.

Remnants of the  winter hut
Pim Island, remnants of the winter hut

In January 1884, the first crew member passed away. One by one died from hunger and disease during the following weeks. Initially, the bodies were still buried, but later the starving men were not able to do this anymore. The hungry people stole each others‘ food; soon enough they had not much more than leather clothing to eat. Cannibalism occured. One of the participants, Carl Heinrich Buck (Charles B. Henry) from Hannover/Germany, was put to death by execution, pronounced guilty of food theft. A lot of these incidents are not completely clear – neither the US military, as promoter of the expedition, nor the survivors had any interest in shedding light on the whole truth. Until today, many details are till remain in the dark.

Gedenktafel_Pim_Island
Memorial plaque on Pim Island

Rescue crews arrived on Pim Island just days before the otherwise rather certain death of the last expedition members. They found seven survivors still, but one of them died a few days later. Roderich Schneider did not make it. Unfortunately, he died on 18/06/1884, just four days before the arrival of the rescue vessels. His body, placed close to that of Carl Buck, was found only by chance.

Site of the find of the bodies of Buck and Schneider
Place where the bodies of Buck and Schneider were found

Schneider had to leave his violin behind in Fort Conger. It was later brought back to the United States, but its whereabouts remain unknown. His diary was found only by chance, months later, on the banks of the Mississippi, but it was dissected and incomplete. Why had this journal not been properly placed within in the official expedition documents? This was never clarified. At the time, it was said: „Obviously not only bodies but also diaries were stripped.“

Zeitungsmeldung _Fund der Aufzeichnungen
Newspaper report – New York Times, 3/12/1891

On July 19, 1884 – 132 years ago – the rescue ships with the bodily remains enclosed in tanks reached St. John’s in Newfoundland. The dead were brought to the United States. There they were buried according to the wishes of the bereaved. At the request of Roderich Schneider’s parents, his body was transferred to Chemnitz in Germany, where it was buried. Today, there is a memorial stone close to the headstone with the inscription:

Grab Schneiders
Tomb of Roderich Schneider in Chemnitz

„A brave sailor rests in native earth
Here from sever struggle, hardship and discomfort.
The South he saw, where palm trees waft.
He saw the ever ice-covered sea in the North;
Once saved already from going down;
he now became victim to invoked duty.“

posted by Wolfgang Opel

Roderich Robert Schneider

Ein Arktisreisender aus Dorfschellenberg in Sachsen

(English version here!)
Der Geburtsort von Roderich Schneider, Dorfschellenberg, ist heute längst eingemeindet. Unweit der auf alten Stadtansichten erkennbaren Kirche lag die Baumwollspinnerei Trübenach & Schneider. Ein Sohn des Miteigentümers, der am 29. Juni 1853 geborene Roderich Robert Schneider, wanderte 1870 aus unbekannten Gründen nach Amerika aus. Vermutlich gab es für ihn – als nicht Erstgeborenen – keine berufliche Perspektive im väterlichen Unternehmen.

Dorfschellenberg_Geburtsort_Schneiders
Dorfschellenberg, der Geburtsort Roderich Schneiders

Anders als viele Emigranten aus Deutschland verlor er nicht den Kontakt zur Familie und zur Heimat. Er besuchte sie sogar 1873 und 1878. Bei der zweiten Reise hätte er beinahe das Leben verloren, als das Passagierschiff Pommerania vor England von einem Segler gerammt wurde und sank. Der junge Schneider hatte Glück und überlebte. Vielleicht hatten ihm dabei auch seine als Seemann auf Handelsschiffen gesammelten Erfahrungen geholfen.

Expeditionsteilnehmer ohne Schneider
Expeditionsteilnehmer der Greely-Expedition, hier ohne Schneider

Im Frühjahr 1879 kehrte er in die USA zurück und meldete sich zum Militärdienst. Vermutlich erfuhr er dort von der geplanten Nordpolexpedition unter der Leitung von Leutnant Adolphus W. Greely. Obwohl er für den Einsatz zunächst nicht vorgesehen war, gelangte er infolge der Desertion eines Teilnehmers doch noch in die Mannschaft.

Das Expeditionsschiff Proteus
Proteus – das Expeditionsschiff der Greely-Expedition

Schneider war nicht der einzige deutsche Expeditionsteilnehmer – sechs weitere waren in Deutschland geboren. Das war in dieser Zeit nicht ungewöhnlich; auch andere amerikanische Arktis-Expeditionen, wie die von Charles Francis Hall oder die von George W. De Long, hatten deutschstämmige Teilnehmer. Es lag allerdings nicht an ihnen, dass gerade diese drei Expeditionen mehr oder weniger im Desaster endeten.

Roderich Schneider in Fort Conger
Das einzige bekannte Foto Schneiders, hier in Fort Conger

Die Lady Franklin Bay Expedition unter Greely erwischte es besonders schlimm. Nur sechs der 25 Teilnehmer überlebten. Nachdem das angekündigte Versorgungsschiff ausgeblieben war, hatten die Männer sich von Fort Conger im Norden von Ellesmere Island aus nach Süden begeben. Nach einer mehr als 500 km langen Odyssee konnten sie sich auf der unwirtlichen Insel Pim Island vor dem Wintereinbruch retten.

die Winterhuette in Camp Clay
In der Winterhütte, Camp Clay auf Pim Island

Tragischerweise mussten sie feststellen, dass die hier erhofften Versorgungsgüter nicht in ausreichender Menge vorhanden waren, um den Winter zu überstehen. Die Nahrung wurde sofort rationiert, eine provisorische Hütte gebaut und die Jagd zur Ergänzung der äußerst knappen Reserven aufgenommen. Die Details des Überlebenskampfes kann man in Leonard F. Guttridges Buch „Die Geister von Cape Sabine“ nachlesen.

Ueberreste der Winterhuette
Pim Island, Überreste der Winterhütte

Im Januar 1884 starb der erste Teilnehmer. Hunger und Krankheiten rafften einen nach dem anderen dahin. Zunächst waren die Leichen noch bestattet worden, später fehlte auch dazu die Kraft. Die Hungernden stahlen sich gegenseitig die Nahrung, die teilweise bald nur noch aus ledernen Kleidungsresten bestand. Es kam zu Kannibalismus. Einer der Teilnehmer, der Hannoveraner Carl Heinrich Buck, wurde sogar wegen Nahrungsdiebstahl erschossen. Die Geschehnisse sind nicht vollständig aufgeklärt – weder das amerikanische Militär als Träger der Expedition noch die Überlebenden hatten ein Interesse daran, dass die ganze Wahrheit ans Licht kam. Bis heute blieben viele Details im Dunklen.

Gedenktafel_Pim_Island
Gedenktafel für die Expedition auf Pim Island

Nur wenige Tage vor dem ansonsten wohl sicheren Tod der Expeditionsteilnehmer erreichten Suchschiffe Pim Island und fanden noch sieben Überlebende; doch einer von ihnen starb wenige Tage danach. Roderich Schneider hatte es nicht geschafft. Er starb leider vier Tage vor dem Eintreffen der Rettungsschiffe am 18.6.1884. Sein Leichnam wurde nahe dem von Carl Buck abgelegt und nur durch Zufall gefunden.

Fundort der Leichen Buck und Schneider
Pim Island, Fundort der Leichname von Buck und Schneider

Schneiders Geige, die er im Fort Conger zurücklassen musste, wurde später wieder in die USA gebracht, doch ihr Verbleib ist heute unbekannt. Sein Tagebuch fand man Monate später zufällig in Einzelteilen am Ufer des Missisippi. Warum sich dieses Tagebuch nicht in den offiziellen Expeditionsunterlagen befand, wurden nie geklärt. Man hörte damals: „Offensichtlich wurden nicht nur die Leichname, sondern auch Tagebücher gefleddert.“

Zeitungsmeldung _Fund der Aufzeichnungen
Zeitungsmeldung über den Fund – New York Times, 3.12.1891

Am 19. Juli 1884, genau heute vor 132 Jahren, erreichten die Rettungsschiffe mit den in Tanks eingeschlossenen Leichenresten St. John’s in Neufundland. Die Toten wurden in die USA gebracht und gemäß dem Wunsch der Hinterbliebenen bestattet. Auf Verlangen der Eltern von Roderich Schneider wurde sein Leichnam nach Chemnitz überführt und dort bestattet. Neben dem Grabmal befindet sich noch heute ein Gedenkstein mit der Inschrift:

Grab Schneiders
Das Grabmal Roderich Schneiders in Chemnitz

„Ein wackrer Seemann ruht in heimathlicher Erde
Hier aus von hartem Kampf, von Mühsal und Beschwerde.
Den Süden sah er, wo die Palmen wehn.
Er sah das ewig eisbedeckte Meer im Norden;
Einmal gerettet schon vom Untergehn,
ist nun beschworner Pflicht zum Opfer er geworden.”

posted by Wolfgang Opel




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