Archiv der Kategorie 'Canada - Kanada'

Das Grab von Tom Thomson – oder?

Kanada liegt nicht nur an drei Meeren, sondern hat noch eine riesige vierte Küstenlinie im Inneren – auch wenn Lake Ontario, Lake Erie, Lake Huron und Lake Superior trotz ihrer gigantischen Größe keine Meere, sondern „nur“ Seen sind.

Gemälde The West Wind
The West Wind – Gemälde von Tom Thomson

An der Georgian Bay, einer Ausbuchtung des Lake Huron, liegt der kleine Ort Leith, in dem der wohl bedeutendste Maler Kanadas, Tom Thomson, aufgewachsen ist und nach seinem tragischen Tod – nach Angaben der Familie – auch bestattet wurde.

Bildnis Tom Thomson
Porträt Tom Thomson, unbekannter Fotograf

Als wir im August das Grab aufsuchten, fanden wir es mit vielen „Devotionalien“ geschmückt: Portraits von Tom Thomson, Pinsel, Farben, einer Flasche Rotwein, kleinen Steinen und auch einem Wanderstock. Wir legten eine Euro-Münze als Gruß aus dem fernen Europa dazu.

Grabstein für Tom Thomson
Grabstein für Tom Thomson in Leith

Wasser spielte für Tom Thomson eine besondere Rolle, denn er war nicht nur ein genialer Maler sondern auch ein begeisterter Angler und Paddler, der sich oft wochenlang allein in der Wildnis aufhielt, wo er natürlich auch malte. Besonders viel Zeit verbrachte er am Canoe Lake im Alonquin Park.

Canoe Lake - Foto Ryan Hodnet
Canoe Lake – Foto von Ryan Hodnet

Tom Thomson Cabin
Hütte/Studio von Tom Thomson – Replik in Kleinburg, Ontario

Cabin interior
Blick ins Innere der Hütte

Viele der Ölskizzen, die Tom Thomson später im Atelier als Grundlage für seine Gemälde nutzte, entstanden auf seinen Paddeltouren über abgelegene Seen in Ontario.

Ölskizze Artist's Camp, Canoe Lake Algonquin Park
Artist’s Camp, Canoe Lake, Algonquin Park – Ölskizze von Tom Thomson

Es sind mit kräftigem Strich und leuchtenden Farben gemalte Landschaften mit Flüssen, Seen, die umgebenden Ufer, Berge und Wälder und einem oft dramatischen Himmel.

Ölskizze Bateux
Bateux – Ölskizze von Tom Thomson

Ölskizze Autumn Foliage
Fall Foliage – Ölskizze von Tom Thomson

Die Arbeiten von Tom Thomsons und die seiner Malerfreunde aus der späteren „Group of Seven“ begründeten die eigenständige kanadische Landschaftsmalerei.

Gemälde Summer Shore
Summer Shore – Gemälde von Tom Thomson

Die zeitgenössische Fotografie kanadischer Landschaften, wie wir sie aus Bildbänden, von Kalendern oder aus dem Internet kennen, folgt oft – bewusst oder unbewusst – den Motiven und Impressionen der kanadischen Maler des frühen 20. Jahrhunderts wie Tom Thomson, den Mitgliedern der Group of Seven oder auch Emily Carr.

Gemälde The Jack Pine
Jack Pine – Gemälde von Tom Thomson

After Sunset
Nach Sonnenuntergang– à la Tom Thomson?

Glücklicherweise sind viele der Arbeiten dieser Maler in öffentlichen Museen zu sehen, wie in Toronto, Ottawa, Kleinburg, Vancouver.

Bilder in der Kunstsammlung McMichael in Kleinburg
Bilder in der McMichael Canadian Art Collection – Kleinburg, Ontario

In der Stadt Owen Sound – in der Nähe des kleinen Ortes Leith – besuchten wir die Tom Thomson Art Gallery, die sich hauptsächlich dem Leben und Werk des Künstlers widmet.

Tom Thomson Gallery
Tom Thomson Art Gallery in Owen Sound

Büste von Tom Thomson-Brend Wainman Goulet
Tom Thomson – Büste von Brend Wainman Goulet

Tom Thomson wurde leider nur 39 Jahre alt, da er vor 101 Jahren beim Paddeln über den Canoe Lake im Algonquin Park ums Leben kam.

Tom Thomson im Kanu
Tom Thomson im Kanu, unbekannter Fotograf

Thomsons Tod hat seither zahlreiche Wissenschaftler, Journalisten und Amateurdetektive beschäftigt. Manche Autoren vermuten, dass er ermordet wurde. Das konnte bisher aus vielerlei Gründen nicht aufgeklärt werden. Sowohl Nachfahren aus Thomsons Familie als auch die Behörden Ontarios weigern sich, DNA-Tests an einem Leichnam machen zu lassen. Dieser wurde vor 60 Jahren neben einem Friedhof am Canoe Lake gefunden, und es gibt schlüssige Indizien, dass dies Tom Thomsons Überreste sind.

Gedenktafel in Leith
Gedenktafel für Tom Thomson in Leith

Ein kürzlich publiziertes Buch von John Little über den Tod von Tom Thomson liefert neue Gründe, die zumindest zweifelhafte offizielle Todesursache des bedeutendsten Malers Kanadas neu zu untersuchen.

posted by Wolfgang Opel

What we found in The Pas …

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Überraschungen in The Pas …

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Schuhmacher und Polarforscher

[Achtung – da der bisherige Host/Provider seine Plattform demnächst schliesst, werden auch die hier noch angezeigten Beiträge in Kürze auf www.trimaris.de umziehen.]

Heute jährt sich J. A. Miertschings Todestag – 30.3.1875

Wir haben schon oft an ihn erinnert: so an seinem 140. Todestag vor drei Jahren an seine Umrundung Amerikas – oder im Jahr davor mit einem Kurzabriss seines Lebens.

Miertschings Grab auf dem Gottesacker in Kleinwelka
Miertschings letzte Ruhestätte auf dem Gottesacker in Kleinwelka

Dieser Tage sprachen wir oft über Johann August Miertsching, den Sorben und Herrnhuter, den Schuhmacher und Polarforscher, den Pflanzenkundigen und Jäger – und vor allem den Mitmenschen seiner Gefährten, ob bei den Inuit in der kanadischen Arktis oder bei den Seeleuten an Bord von HMS Investigator.
Unser Vortrag im Völkerkundemuseum Herrnhut über den Sorben in der Arktis wurde mit große Interesse aufgenommen, und auch bei der Maćica Serbska in Bautzen fanden wir aufmerksame Zuhörer.

Miertschings letztes Wohnhaus in Kleinwelka
Miertschings letztes Wohnhaus in Kleinwelka

Bei unserem Vortrag „A New Take on Johann August Miertsching“, gehalten auf der Internationalen Polartagung in Rostock (27. International Polar Conference) stellten wir fest, dass – wie vermutet – Johann August Miertsching bei vielen der anwesenden Polarforscher nahezu unbekannt war. Im englischen Sprachraum ist Miertschings Reisetagebuch jedoch seit Jahrzehnten eine vielzitierte Quelle, besonders bei Polarhistorikern und Kulturanthropologen.

27. Internationale Polarkonferenz in Rostock

Das große Interesse an Miertsching lässt uns hoffen, dass er, wenn auch verspätet, endlich auch in heimischen Gefilden angemessen beachtet und gewürdigt wird.

posted by Mechtild Opel

Berlinale-Impressionen: Asinnajaq’s „Three Thousand“

Ausführliches über den Film gibt es hier, nun noch ein paar visuelle Impressionen vom heutigen Abend im Zoopalast, wo „Three Thousand“ gemeinsam mit „Fata Morgana“, einem Film über Tschuktschen, ihre Kolonialisierung und die heutigen Überlebenskämpfe, gezeigt wurde.
Copyright für alle Fotos: Wolfgang Opel

Poster am Eingang
Vor dem Kinosaal im Zoopalast

Three_Thousand_Q&A
Nach dem Film: Fragen und Antworten

Die Filmemacherin Asinnajaq
Asinnajaq, aka Isabella-Rose Weetaluktuk – Foto © Wolfgang Opel

Asinnajaq über ihren Film: „The purpose for me in work is not so much to shame anyone. It’s more to show how strong we can be as people ….. it’s about me and where I‘m from and all of us and how strong we are. And that’s why it’s going into the future and saying that we can have a world that we wanna have…“

Fata_Morgana
Anastasia Lapsui und Markku Lehmuskallio schufen den Film „Fata Morgana“

Wo die Atemluft zu Nebel wird –
„Three Thousand“ von Asinnajaq

Update: Hier einige Impressionen vom Filmabend im Berlinale-Kino Zoopalast

Es sind nur 12 Minuten Film, doch welche Fülle und Intensität!
Zarte farbige, abstrakte Gebilde bewegen sich, fließen und setzen sich neu zusammen, während die ersten Sätze erklingen wie Musik, gesprochen in Inuktitut und gleich darauf in englischer Übersetzung, in denen Asinnajaq eigentlich Unfassbares umreißt: „…jetzt lebe ich, aber ich werde sterben, und es wird eine Welt geben, in der ich nicht existiere“. Wie Poesie klingen auch die nächsten Worte, doch sie sind auch konkret, einfache Realität: “Mein Vater wurde im Frühlings-Iglu geboren – halb aus Schnee, halb aus Tierhäuten. Ich wurde im Krankenhaus geboren, mit Gelbsucht und zwei Zähnen“. Zwei Sätze, die das Tempo der Zeit erfassen, einen Generationswechsel – einen kulturellen Umbruch.

Alltäglicher Anblick in Inuit-Gemeinden: Pitsik, luftgetrockneter Arctic Char
Alltäglicher Anblick in Inuit-Gemeinden: Pitsik, luftgetrockneter Arctic Char

Beim Klang von Inuit-Kehlgesang zerfließen die farbigen Gebilde, geben den Blick frei auf eine eisbedeckte Meeresbucht vor hohen Bergen, auf Pitsik, rohe rote Fische, die zum Trocknen aufgehängt sind, auf eine schneebedeckte Tundralandschaft, über die der Wind fegt. Ein Hundeschlittengespann, Iglus, Frauen bei der Arbeit, neugierige Kinder … – Szenen aus alten Dokumentarfilmen in Schwarzweiß: Impressionen aus dem Alltagsleben der Inuit vor Jahrzehnten.

Kapitän Bernier segelte mit CGS Arctic in Siedlungen der Inuit; hier: Killinek
Kapitän Bernier segelte mit CGS Arctic in Siedlungen der Inuit; hier: Killinek

Szenenwechsel: Das Schiff „Arctic“ kämpft sich durch raue See, Inuit bereiten den Landungssteg vor, Kapitän Bernier, ein bekannter Polarfahrer, defiliert in Uniform vor den am Rand versammelten Inuit, an die Süßigkeiten ausgeteilt werden: Bilder einer Zeit, in der koloniale Attitüden gegenüber indigenen Völkern offensichtlich waren – und in der einschneidende Umwälzungen eingeleitet wurden, wie in der Folge erkennbar wird.

Die Filmemacherin Asinnajaq
Die Filmemacherin Asinnajaq – Foto: Alex Tran

Die junge Inuit-Filmemacherin Asinnajaq ist Absolventin des NSCAD in Halifax, in Montreal geboren und aufgewachsen, aber der Welt ihrer Vorfahren fest verbunden. Sie verwendet Filmmaterial aus den Archiven des NFB (das National Film Board of Canada, das den Film auch produziert hat), darunter Dokumentationen, Propaganda- und Bildungsfilme wie auch Spielfilme von Inuit-Filmschaffenden; kombiniert mit Animationen schafft sie daraus eine faszinierende Collage.
Farbige Naturaufnahmen zeigen arktische Tiere, wie Karibus, die erstaunlicherweise in der schneebedeckten Tundra existieren können – genau wie die Inuit; trotz aller Unwirtlichkeit, der unerbittlichen Kraft der Natur in diesen hohen Breitengraden. Wir, weiter südlich lebend, gewöhnt an milderes Klima, könnten dort kaum überleben; die Inuit tun es seit Jahrtausenden, es ist ihre Heimat – die sich gerade radikal verändert.

Gängiges Transportmittel in heutigen Inuit-Gemeinden
Ein Fourwheeler, gängiges Transportmittel in heutigen Inuit-Gemeinden

Die „Videoschnipsel“ aus dem NFB-Archiv zeigen, wie die Inuit in erstaunlicher Weise, unter Nutzung der lokalen Ressourcen und mit einfachsten Mitteln ihr Leben meisterten und meistern. Viele der gezeigten Handlungen erscheinen uns nahezu archaisch. Das Abhäuten von Tieren, das Trocknen und Reinigen von Pelzen, das Schneiden von Lederriemen aber gehört noch immer zum Alltagsleben (wie auch der auf der Berlinale 2017 vorgestellte Film Angry Inuk zeigte) – dies auch in der großen arktischen Siedlung mit Supermarkt, Strom- und Wasserversorgung, farbenfrohen Häusern und modernen Küchen. Neugierige Kinder im Klassenzimmer, ein großes Fabrikgebäude in arktischer Landschaft und Inuit in der Essenspause in der Werkkantine stehen für den radikalen Umbruch. Der Fourwheeler hat das Hundeschlittengespann abgelöst, doch es ist noch immer Arktis; wo im Winter die Atemluft gefriert; wo auch die Kleinkinder wissen, dass ein totes Tier neben ihnen bedeutet, dass es etwas zu Essen gibt.

Zeichnung von Asinnajaq, im Film animiert
Zeichnung von Asinnajaq, im Film animiert in Zusammenarbeit mit Patrick Doan

Packend die Intensität der Szenen, die in schneller Folge wechseln – und doch immer wieder Ruhepole zeigen: eine behaarte Raupe im Tundragras; die Großmutter, die ein kunstvolles Behältnis aus trockenem Gras flicht. Das alles eingebettet in Schichten von traumartigen Animationen, die sich in Landschaftsbildern auflösen; Musik, anfangs weich und sanft, sphärische Klänge, konturiert durch den rauen, hektischen Kehlgesang (hier wirkt auch Tanya Tagaq mit) – bereichert durch Naturgeräusche. Es ist Poesie, und es ist Alltag. Und es wird zur Vision, wenn Asinnajaqs digitale Animationen in die Zukunft führen, in das Jahr Dreitausend: unter den Nordlichtern im Dunkel der Polarnacht – oder des Universums? – glüht eine futuristische Inuit-Siedlung auf; ein Elternpaar in traditioneller Kleidung, das Baby im Amauti, schaut von einem Berg auf die strahlende Lichtkuppel im Zentrum der Siedlung: Kontinuität und Hoffnung.

Filmposter, Ausschnitt
Three Thousand, Filmposter, Ausschnitt

Three Thousand, eine Produktion des National Film Board of Canada, ist auf der Berlinale zu sehen:
Dienstag, 20.3.2018, 22:00 Uhr im Zoopalast, Hardenbergstraße 29A,
Freitag, 23.2.2018, 21:30 Uhr im Cinestar IMAX, Sony-Center, Potsdamer Straße 4.

posted by Mechtild Opel

Der schwarze Mann mit dem Hundeschlitten


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„Let’s raise a toast to Miertsching!“

Because our current isp host „Blogsport“ will close the platform before long, this blog has moved to www.trimaris.de now — you find it here now.

Ein Toast zu Ehren von Johann August Miertsching

Da unser bisheriger Hoster „Blogsport“ seine Plattform in Kürze vom Netz nehmen wird, ist auch dieser Beitrag inzwischen auf unseren neuen Blog www.trimaris.de umgezogen – sie finden ihn hier.

Cresswells Passage

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