Archiv für September 2016

HMS Terror: Wrack identifiziert

Unterwasserarchäologen bestätigen Identität des Wracks

Nach dem Fund eines Schiffswracks in der Terror Bay vor King William Island durch die Besatzung der „Martin Bergmann“ (Arctic Research Foundation) haben Archäologen von Parks Canada die Fundstelle aufgesucht.

HMS Terror -Gemaelde Chambers 1837
HMS Terror – Gemälde von George Chambers, 1837

Wie der Unterwasser-Archäologe Ryan Harris in der heutigen Pressekonferenz erklärte, haben schwierige Wetterverhältnisse den Beginn der archäologischen Untersuchungen am Wrack verzögert. Erst am 17.9. konnten lediglich drei Tauchgänge stattfinden, wobei die Sichtverhältnisse unter Wasser wegen der wetterbedingten Aufwirbelungen sehr schlecht waren. Das Deck des Wracks ist nicht nur mit einer Menge von Ablagerungen, sondern auch mit reichhaltigem Bewuchs von Meerespflanzen bedeckt, wie man sie in solch nördlichen Breitengraden kaum erwartet.


Immer noch an Ort und Stelle: ein Belegnagel
Immer noch an Ort und Stelle: ein Belegnagel – Foto: © Parks Canada

Dennoch konnten die Taucher typische Merkmale und Aufbauten britischer Forschungsschiffe des 19. Jahrhundert erkennen, die auch für HMS Erebus und Terror zutreffen. Der Rest der Untersuchungen stützt sich auf Scans mittels eines Seiten-Sonar und eines Fächer-Echolots. Schließlich verglich man die Scans mit dem historischen Archivmaterial, einschließlich der Schiffspläne. Das Ergebnis: Details wie die Anordnung des Bugspriets, der Ort und die Beschaffenheit des Steuers und die Größe der Speigatte belegen, dass es sich tatsächlich um HMS Terror handelt.


Oberlicht der Kapitaenskajuete und Steuerrad
Oberlicht der Kapitänskajüte, Steuerrad von HMS Terror – Foto: © Parks Canada

Nun geht es um den Schutz der Fundstätte von HMS Terror, die Kanadas Regierung mit der Regierung von Nunavut und den zuständigen Organisationen der Inuit erörtern wird – und um die weitere archäologische Erforschung, deren Fortsetzung wohl wieder auf ein winziges Zeitfenster im kurzen arktischen Sommer des kommenden Jahres warten muss.

Intaktes Fenster, aber schlechte Sicht-Blick in Croziers Kabine
Schlechte Lichtverhältnisse erschweren den Blick durch die intakte Fensterscheibe in Kapitän Croziers Kabine – Foto: © Parks Canada

posted by Mechtild Opel

Unglaublich – auch HMS Terror gefunden!

Updated:: Wrack wurde durch Unterwasserarchäologen von Parks Canada positiv identifiziert

Erfolg bei der diesjährigen Forschungsexpedition

Auch das zweite Wrack der Franklin-Expedition liegt weitgehend intakt auf dem Meeresgrund.
Das 1848 verlassene und aufgegebene Schiff wurde außerhalb der bisher bevorzugten Suchregionen von der Mannschaft der „Martin Bergmann“, dem Schiff der kanadischen Arctic Research Foundation, gefunden, nachdem sie einem Hinweis eines Inuk aus Gjoa Haven gefolgt war.

HMS Terror_Zeichung_George_Back
HMS Terror im Eis – von George Back

Von der in den unzugänglichen Regionen der kanadischen Arktis verschollenen und gescheiterten Franklin-Expedtion sind bisher nur wenige aufschlussreiche Relikte gefunden worden. Zunächst waren drei Gräber auf Beechey Island die einzigen Spuren der Expedition.

Grab John Torrington
Grabstein des 20jährigen Matrosen John Torrington, HMS Terror, auf Beechey Island

Aus weiteren Funden auf King Williams Island konnte man schließen, dass die Schiffe Erebus und Terror nordwestlich dieser Insel im Eis eingeschlossen wurden. Vermutlich dort starb auch Franklin. In der Hoffnung auf Rettung kämpften sich Teile der Mannschaft zu Fuß in Richtung Süden. Aber keiner der 129 Seeleute überlebte.
Mehr als 150 Jahre lang haben zahlreiche Forscher und Historiker versucht, aus den wenigen verfügbaren Informationen den Verlauf der Franklin-Expedition und die Gründe des Scheitern zu rekonstruieren, doch das meiste davon liegt noch immer im Bereich der Spekulation. 2014 wurde HMS Erebus viel weiter im Süden vor der Adelaide-Halbinsel gefunden. War das Schiff wieder bemannt und dorthin gesegelt worden?

Bildnis Kapitain Crozier
Kapitän Francis Rawdon Moira Crozier, Befehlhaber von HMS Terror

Die HMS Terror, die unter dem Kommando von Kapitän Francis Rawdon Moira Crozier gestanden hatte, wurde nun am 3. September – ganz passend zum Namen des Schiffes – in der Terror Bay gefunden, knapp 100 km südlich der Position, in der sie einst im Eis eingeschlossen war. Weitgehend intakt, mit allen drei Masten noch stehend, ruht sie in 24 Meter Tiefe. War auch dieses Schiff wieder bemannt worden?

Karte King Williams Island, Auschnitt mit der Terror-Bay
Karte von King Williams Island, Auschnitt mit der Terror-Bay

An der diesjährigen „Mission Erebus and Terror 2016“ in verschiedenen Gebieten des kanadischen arktischen Archipels, die aufgrund der Eisbedingungen immer nur am Ende des Sommers stattfinden kann, sind neben der privaten gemeinnützigen Arctic Research Foundation mit dem Schiff Martin Bergmann und der Regierungsbehörde Parks Canada mit dem Forschungsboot Investigator auch der Eisbrecher Sir Wilfrid Laurier der Canadian Coast Guard und HMCS Shawinigan der Royal Canadian Navy beteiligt. Wäre doch eigentlich nett, wenn den Findern die vor 170 Jahren ausgelobte Summe von 10.000 Britischen Pfund zustehen würde!

Ausgelobte Belohnung fuer die Auffindung Franklins oder seiner Schiffe
Ausgelobte Belohnung für die Auffindung Franklins oder seiner Schiffe

posted by Mechtild Opel




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