Port Joli Bay und Medway Bay – zwei völlig unterschiedliche Buchten

Ornithologische Beobachtungen im frühherbstlichen Nova Scotia an der Ostküste Kanadas

Obwohl sie nicht weit von einander liegen, unterscheiden sich die beide Buchten allein schon durch die unterschiedliche Wasserzusammensetzung.
In der Bucht des Port Joli dringt frisches Meereswasser bis ans innere Ende ein und legt beim Rückfluten bis zweihundert Meter breite Ebbefelder frei, im hinteren Teil sogar bis vierhundert Meter.

Grosser Gelbschenkel
Der große Gelbschenkel (Tringa melanoleuca) – Foto: © Ullrich Wannhoff

Diese Wattfelder werden gern von Limikolen, wie Großer Gelbschenkel, Flötenregenpfeifer, Sandstrandläufer, Kiebitzregenpfeifer und Sanderling aufgesucht.

Steinwaelzer
Ein Steinwälzer (Arenaria interpres) legt auf dem Weg in Richtung Süden eine kurze Pause ein – Foto: © Ullrich Wannhoff

Hinter den salzhaltigen Feuchtwiesen befinden sich meist torfhaltige Gewässer. Das feste Land ist fast ausschließlich mit Schwarzfichte besetzt, und im vorderen ungeschützten Bereich ziehen sich Windbrüche am Ufer entlang, deren großer Lichteinfall wieder das Wachstum von Hochstauden und Erlensträuchern zulässt.

Grasammer
Grasammer (Passerculus sandwichensis) – typisch für Strand- und Strauchvegetation – Foto: © Ullrich Wannhoff

Es entsteht ein undurchdringlicher Pflanzenfilz, der das Eindringen erschwert. In kleineren Truppen zieht hier der Kronenwaldsänger vorbei, der recht erfolgreich Insekten am Stamm findet und sich weniger an den vom Wind zerzausten Außenzweigen aufhält.

Piping Plover
Der hier in Nova Scotia vom Aussterben bedrohte Flötenregenpfeifer (Charadrius melodus) brütet in sandigen Buchten – Foto: © Ullrich Wannhoff

Bei Ebbe wird der breite Sandstrand, wie in der Sandy Bay oder der St. Catharine River Bay weiter im Osten, frei gelegt. Aus dem vom Meer angespülten Tang, meist Braunalgen, picken die Limikolen ihre Nahrung heraus. Leere Klaffmuscheln, Seeigel, Miesmuscheln, verschiedene Krebsarten, aber auch hier und da abgerissene Hummerkörbe finden sich als Strandgut.

Fluss-Seeschwalbe
Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) Ende August kurz vor dem Flug in den Süden – Foto: © Ullrich Wannhoff

In der Port Joli Bay beobachte ich Robben: hier ausschließlich Kegelrobben, die mit ihren heulenden Gesang sehr dominant sind. Bis zu vierzig Individuen bilden auf kleinen Steininseln eine Kolonie.
Immer wieder einmal, wenn ich in Richtung zum Ende der Bay paddle, treffe ich ein Weißkopfseeadlerpaar an. Auf den Wattfeldern finden sich größere Ansammlungen von Kanadagänsen ein, die hier um diese Zeit gejagt werden dürfen. Draußen auf dem Meer sehe ich einige wenige Eiderenten.

Bald Eagle
Den Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus) trifft man wieder häufig an – Foto: © Ullrich Wannhoff

In die Medway Bay fließen der Medway River und dazu noch kleinere Bäche, die viel torfhaltiges Wasser mit sich führen. Das klare Meereswasser trübt sich ein, und erst im vorderen Drittel Richtung Meer spürt man dem Atlantik mit seinem Schwell. Die Uferzonen sind steinig und im unteren Bereich mit Blasentang überzogen, der besonders bei Ebbe an den Steinen sichtbar wird.

Blue Heron
Oft findet sich in den Buchten der Blaureiher (Ardea herodias) ein – Foto: © Ullrich Wannhoff

Landeinwärts zieht sich ein dichter Wald mit Fichten, Kiefern, Birken, Pappeln, Eichen und Ahorn. Auf Grund der starken Abholzung im 18. bis zur Mitte 20. Jahrhunderts haben wir hier einen recht jungen Wald vor uns. Die einzige Limikole ist der Einsame Wasserläufer, der recht scheu ist und den man an den Uferzonen antrifft.

Semipalmated sandpiper
Der Sandstrandläufer (Calidris pusilla) ist um diese Zeit auch ein vorüberziehender Gast aus dem Norden – Foto: © Ullrich Wannhoff

In der Medway Bay konnte ich in dieser Jahreszeit bis zu fünfzehn Prachttaucher beobachten, die sich meisten in einer ruhigen Nebenbucht aufhalten. Am Waldessaum streichen Schwarzkopfmeisen vorbei, die im Verbund mit Zweigsängern (Warbler) auftreten, wie Weidengelbkehlsänger und Kletterwaldsänger. Natürlich dürfen die Haarspechte nicht fehlen, die recht häufig anzutreffen sind.

Yellowthroat
Weidengelbkehlchen (Geothlypis trichas), ein typischer Vertreter der Strauchvegetation – Foto: © Ullrich Wannhoff

In der Bucht befinden sich viele kleine Steininseln, die von Kegelrobben und Seehunden besetzt werden. Auf den hohen Fichten und Kiefern, die am steinigen Ufersaum wachsen, beobachte ich ein Fischadlerpaar mit einem Jungtier. Am Ende der Bucht sehe ich in kleiner Anzahl Stockenten und die für diese Gegend typische Amerikanische Dunkelente.

Black-backed Gull
Mantelmöwe (Larus marinus) ein ständiger Vertreter am Atlantik – Foto: © Ullrich Wannhoff

Trotz aller Unterschiede vereint beide Buchten eine Schönheit, die selbst durch gelegentliche Straßen und Waldwege, die die umgebende Landschaft zerschneiden, nicht gestört wird; hier siedeln nur wenige Menschen. Erstaunlich, dass trotz der Grundstücke am Wasser nur sehr wenige Wasserfahrzeuge unterwegs sind, die die Stille der Natur kaum stören.

Hermit thrush
Die Einsiedlerdrossel (Catharus guttatus) hält sich gerne in Sträuchern auf – Foto: © Ullrich Wannhoff

posted by Ullrich Wannhoff

Ganz andere Erlebnisse beim Paddeln in Nova Scotia hatte Ulli hier

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