Archiv für November 2015

Johannes Trojan in Kanada

Gedanken zum 100. Todestag des Schriftstellers

Johannes Trojan und Heinrich Seidel
Johannes Trojan (links) und Dichterfreund Heinrich Seidel

Wenn man wie ich in Warnemünde aufgewachsen ist, wird man gelegentlich mit der deutschen Literaurgeschichte konfrontiert. Mein Weg zur Fritz-Reuter-Schule führte mich durch die Trojanstrasse und die Fritz-Reuter-Straße. Den Rückweg ging ich oft gemeinsam mit Schulfreunden durch die John-Brinkmann-Straße und folgte dann der Dänischen Straße in die Wossidlostraße. Weiter zur Ostsee hin gibt es dann noch die Schillerstraße und die Heinrich-Heine-Straße. John Brinkmann, dessen Vorname sich „Joon“ spricht, war genauso wie Richard Wossidlo und Fritz Reuter waschechter Mecklenburger, während Schiller und Heine weniger mit der Küste zu tun hatten. Auch zwei Dichter aus Sachsen, Joachim Ringelnatz und Kurt Barthel (KuBa), deren Werk kaum gegensätzlicher hätte sein können, fühlten sich zu Warnemünde hingezogen.

Strassenschilder in Warnemuende
Straßenschilder in Warnemünde

Ein weiterer Dichter im Kreis der Warnemünde besonders verbundenen Literaten war Johannes Trojan, der am 14.8.1837 in Danzig geboren wurde und genau vor 100 Jahren, am 21.11.1915 in Rostock gestorben ist. Trojan hat eine Weile in dem Warnemünder Haus in der Parkstrasse 9 gewohnt, in dem ich meine Jugend verbracht habe. Ich muss allerdings gestehen, dass von Trojans Geist im Haus nichts mehr zu spüren war. Vielleicht liegt das auch daran, dass er nach Aussage seines Biografen Friedrich Mülder nur wenige Wochen in der damaligen Diedrichshäger Chaussee Nr. 9 gewohnt hatte und dann wegen nicht akzeptabler Forderungen seines Vermieters noch einmal einige Häuser weiter gezogen war.

Parkstrasse 9 Warnemuende
Parkstraße 9 in Warnemünde

Trojan, zu seiner Zeit ein bekannter Mann, ist heute zu Unrecht vergessen. Deshalb soll hier an eines seiner weniger bekannten Bücher erinnert werden, das eine ungemein interessante und unterhaltsame Lektüre ist: Auf der anderen Seite: Streifzüge am Ontario-See. Das Buch ist 1902 erschienen und erzählt von einer Reise nach Kanada. Trojan reiste mit seiner Frau, um seine Tochter und deren junge Familie in Toronto zu besuchen, was vor über 100 Jahren noch immer ein echtes Abenteuer war. Das Ganze muss man natürlich selber lesen, leider ist das Buch aber nur noch in guten Bibliotheken oder antiquarisch zu finden. Deshalb hier für alle Trojan- und Kanada-Freunde einige kurze Auszüge zum Appetit machen!

Transatlantikschiff
Mit dem Schiff „Großer Kurfürst“ reiste Trojan nach Amerika

“Gleich hinter Buffalo, das am Erie-See liegt, kommt man nach Canada hinein und verläßt in gewissem Sinne Amerika. Denn die Bewohner Canadas dulden es nicht, daß sie Amerikaner genannt werden; Amerikaner sind für sie die Bewohner der Vereinigten Staaten, die Yankees, die sie hochschätzen, ohne daß sie den Wunsch hegen, mit ihnen verwechselt zu werden. Sie wollen nichts anderes sein und nicht anders genannt werden als Canadier.“

Das Alte Rathaus in Toronto
Das Alte Rathaus in Toronto stand auch damals schon

„Von dem Seeufer, das ihre Basis bildet, breitet sich die Stadt, durch deren Gebiet ein kleiner in den See mündender Fluß, der Don River, strömt, weit nach Osten, Westen und Norden hin aus. Es ist schade, daß Toronto keine Straße am See besitzt; die ganze Wasserseite nehmen, wie auch in Montreal, Hafenanlagen und Fabriken ein.“

Toronto heute (am Ufer des Ontariosees)
Toronto heute – Am Ufer des Ontariosees

„Im Hafen von Toronto lag der kleine Fracht- und Personendampfer »Persia«, gerüstet zur Fahrt über den Ontariosee und dann weiter den Lorenzstrom hinunter nach Montreal. ….Noch am Vormittag legten wir bei Kingston an, das da liegt, wo der Lorenzstrom als Ausfluß der fünf großen Seen beginnt. Am 10. Mai 1841 kam Dickens auf seiner ersten amerikanischen Reise … auch von Toronto her nach Kingston, das er ein sehr armes Städtchen nennt, noch ärmer, als es schon war, durch eine Feuersbrunst geworden, die darin gewütet hatte.“

Die St. Georges Cathedral in Kingston, Ontario
Die St. George’s Cathedral in Kingston, Ontario

„Auf der Straße [in Montreal] hatte sich ein Mann mit einem photographischen Projektionsapparat postiert und warf auf die Mauer eines Gebäudes unablässig Bilder, deren jedes auf eine Reklame für eines der Geschäfte der Stadt hinauslief. Eine derartige Reklame war mir noch nicht vorgekommen.“

Blick auf Montreal
Blick auf Montreal

„Als ich dann drüben war, stand mein ganzes Verlangen nach dem nördlichen Waldgebiet. Ich beredete meinen Schwiegersohn dazu, mich auf einer Fußwanderung dorthin zu begleiten. Weshalb er anfangs für die Sache nicht sehr eingenommen war, ist mir später klar geworden. Wir wurden nämlich beide dieser Unternehmung wegen für verrückt gehalten.“

Muskoka im Herbst
Muskoka im Herbst

„Nun, daraus darf man sich nichts machen, wenn man etwas lernen und seinen Anschauungskreis erweitern will. …Wir nahmen so wenig Gepäck wie möglich mit, ich mußte aber doch auf meine Umhängetasche eine Pflanzenpresse mit einigem Vorrat an Preßpapier aufschnallen, denn ohne das hatte ich keine Aussicht, etwas an botanischer Ausbeute heimzubringen.“

See bei Peterborough, Ontario
See bei Peterborough, Ontario

„Ich war noch ziemlich klein, als ich schon aus dem »Pfennigmagazin für Kinder« wußte, daß Niagara »donnerndes Wasser« bedeutet, daß ich aber selbst einmal zu diesem donnernden Wasser kommen würde, habe ich bis vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten. So habe ich eines der größten Weltwunder zu sehen bekommen und kann nun in einer Berliner Gesellschaft … sehr wohl … fragen: »Waren Sie auch schon einmal am Niagara?« Nein doch, das thue ich nicht. Denn erstens ist alles Renommieren mir verhaßt, und dann … erscheint man in einem solchen Fall viel glaubwürdiger … wenn man fragt: »Waren Sie auch schon einmal am Schwielowsee oder am Werbelinsee?“

Ansichtskarte Niagara Fall
Historische Ansichtskarte mit den Niagara Fall

Seit kurzem gibt es übrigens von dem Rostocker Willi Passig eine neue Biografie über Johannes Trojan: „Von Danzig über Berlin nach Rostock“.

posted by Wolfgang Opel

Port Joli Bay und Medway Bay – zwei völlig unterschiedliche Buchten

Ornithologische Beobachtungen im frühherbstlichen Nova Scotia an der Ostküste Kanadas

Obwohl sie nicht weit von einander liegen, unterscheiden sich die beide Buchten allein schon durch die unterschiedliche Wasserzusammensetzung.
In der Bucht des Port Joli dringt frisches Meereswasser bis ans innere Ende ein und legt beim Rückfluten bis zweihundert Meter breite Ebbefelder frei, im hinteren Teil sogar bis vierhundert Meter.

Grosser Gelbschenkel
Der große Gelbschenkel (Tringa melanoleuca) – Foto: © Ullrich Wannhoff

Diese Wattfelder werden gern von Limikolen, wie Großer Gelbschenkel, Flötenregenpfeifer, Sandstrandläufer, Kiebitzregenpfeifer und Sanderling aufgesucht.

Steinwaelzer
Ein Steinwälzer (Arenaria interpres) legt auf dem Weg in Richtung Süden eine kurze Pause ein – Foto: © Ullrich Wannhoff

Hinter den salzhaltigen Feuchtwiesen befinden sich meist torfhaltige Gewässer. Das feste Land ist fast ausschließlich mit Schwarzfichte besetzt, und im vorderen ungeschützten Bereich ziehen sich Windbrüche am Ufer entlang, deren großer Lichteinfall wieder das Wachstum von Hochstauden und Erlensträuchern zulässt.

Grasammer
Grasammer (Passerculus sandwichensis) – typisch für Strand- und Strauchvegetation – Foto: © Ullrich Wannhoff

Es entsteht ein undurchdringlicher Pflanzenfilz, der das Eindringen erschwert. In kleineren Truppen zieht hier der Kronenwaldsänger vorbei, der recht erfolgreich Insekten am Stamm findet und sich weniger an den vom Wind zerzausten Außenzweigen aufhält.

Piping Plover
Der hier in Nova Scotia vom Aussterben bedrohte Flötenregenpfeifer (Charadrius melodus) brütet in sandigen Buchten – Foto: © Ullrich Wannhoff

Bei Ebbe wird der breite Sandstrand, wie in der Sandy Bay oder der St. Catharine River Bay weiter im Osten, frei gelegt. Aus dem vom Meer angespülten Tang, meist Braunalgen, picken die Limikolen ihre Nahrung heraus. Leere Klaffmuscheln, Seeigel, Miesmuscheln, verschiedene Krebsarten, aber auch hier und da abgerissene Hummerkörbe finden sich als Strandgut.

Fluss-Seeschwalbe
Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) Ende August kurz vor dem Flug in den Süden – Foto: © Ullrich Wannhoff

In der Port Joli Bay beobachte ich Robben: hier ausschließlich Kegelrobben, die mit ihren heulenden Gesang sehr dominant sind. Bis zu vierzig Individuen bilden auf kleinen Steininseln eine Kolonie.
Immer wieder einmal, wenn ich in Richtung zum Ende der Bay paddle, treffe ich ein Weißkopfseeadlerpaar an. Auf den Wattfeldern finden sich größere Ansammlungen von Kanadagänsen ein, die hier um diese Zeit gejagt werden dürfen. Draußen auf dem Meer sehe ich einige wenige Eiderenten.

Bald Eagle
Den Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus) trifft man wieder häufig an – Foto: © Ullrich Wannhoff

In die Medway Bay fließen der Medway River und dazu noch kleinere Bäche, die viel torfhaltiges Wasser mit sich führen. Das klare Meereswasser trübt sich ein, und erst im vorderen Drittel Richtung Meer spürt man dem Atlantik mit seinem Schwell. Die Uferzonen sind steinig und im unteren Bereich mit Blasentang überzogen, der besonders bei Ebbe an den Steinen sichtbar wird.

Blue Heron
Oft findet sich in den Buchten der Blaureiher (Ardea herodias) ein – Foto: © Ullrich Wannhoff

Landeinwärts zieht sich ein dichter Wald mit Fichten, Kiefern, Birken, Pappeln, Eichen und Ahorn. Auf Grund der starken Abholzung im 18. bis zur Mitte 20. Jahrhunderts haben wir hier einen recht jungen Wald vor uns. Die einzige Limikole ist der Einsame Wasserläufer, der recht scheu ist und den man an den Uferzonen antrifft.

Semipalmated sandpiper
Der Sandstrandläufer (Calidris pusilla) ist um diese Zeit auch ein vorüberziehender Gast aus dem Norden – Foto: © Ullrich Wannhoff

In der Medway Bay konnte ich in dieser Jahreszeit bis zu fünfzehn Prachttaucher beobachten, die sich meisten in einer ruhigen Nebenbucht aufhalten. Am Waldessaum streichen Schwarzkopfmeisen vorbei, die im Verbund mit Zweigsängern (Warbler) auftreten, wie Weidengelbkehlsänger und Kletterwaldsänger. Natürlich dürfen die Haarspechte nicht fehlen, die recht häufig anzutreffen sind.

Yellowthroat
Weidengelbkehlchen (Geothlypis trichas), ein typischer Vertreter der Strauchvegetation – Foto: © Ullrich Wannhoff

In der Bucht befinden sich viele kleine Steininseln, die von Kegelrobben und Seehunden besetzt werden. Auf den hohen Fichten und Kiefern, die am steinigen Ufersaum wachsen, beobachte ich ein Fischadlerpaar mit einem Jungtier. Am Ende der Bucht sehe ich in kleiner Anzahl Stockenten und die für diese Gegend typische Amerikanische Dunkelente.

Black-backed Gull
Mantelmöwe (Larus marinus) ein ständiger Vertreter am Atlantik – Foto: © Ullrich Wannhoff

Trotz aller Unterschiede vereint beide Buchten eine Schönheit, die selbst durch gelegentliche Straßen und Waldwege, die die umgebende Landschaft zerschneiden, nicht gestört wird; hier siedeln nur wenige Menschen. Erstaunlich, dass trotz der Grundstücke am Wasser nur sehr wenige Wasserfahrzeuge unterwegs sind, die die Stille der Natur kaum stören.

Hermit thrush
Die Einsiedlerdrossel (Catharus guttatus) hält sich gerne in Sträuchern auf – Foto: © Ullrich Wannhoff

posted by Ullrich Wannhoff

Ganz andere Erlebnisse beim Paddeln in Nova Scotia hatte Ulli hier




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