Archiv für August 2015

Julius von Payer – Entdecker und Maler

Vor hundert Jahren, am 29. August 1915, verstarb der österreichische Kartograf, Alpen- und Polarforscher und Kunstmaler Julius von Payer in Bled im heutigen Slowenien.

Julius von Payer
Julius von Payer, Foto von Fritz Luckhardt

Payer, 1842 im böhmischen Schönau geboren, besuchte eine Kadettenanstalt und später eine Militärakademie. Wie vielen jungen Männern seiner Zeit sollte ihm eine Karriere beim Militär Anerkennung bringen und ein Auskommen sichern. Payer verfügte über bemerkenswerte zeichnerische und bergsteigerische Talente, die ihm – auf Vermittlung des deutschen Kartografen August Petermann – 1869/70 die Teilnahme an einer Arktisreise nach Ostgrönland ermöglichten.

Payers Geburtshaus
Payers Geburtshaus in Teplice

Als erfahrenem Alpinisten gelangen ihm mehrere Erstbesteigungen; er kartografierte und unternahm mit Hundeschlitten schwierige Expeditionen entlang der Küste. Eine weitere Expedition führte ihn 1871 nach Spitzbergen und Nowaja Semlja. Die auf den beiden Expeditionen gesammelten Erfahrungen machten Payer zum geeigneten „Kommandanten an Land“ – neben dem „Kommandanten zur See“ Carl Weyprecht – bei der Österreich-Ungarischen Nordpolexpedition von 1872-74.

Endless. Franz-Josef-Land
Endless. Franz-Josef-Land – Foto von Christopher Michel

Bei dieser erreichte man zwar nicht wie gehofft den Nordpol, entdeckte jedoch Franz-Joseph-Land – was allerdings von der österreichischen Militärbürokratie zunächst angezweifelt wurde. Payer verließ daraufhin frustriert das Militär und wandte sich, seinen zeichnerischen Talenten gemäß, der Malerei zu.

Klentzer in Gesellschaft eines Baeren
Julius von Payer: “Klentzer in Gesellschaft eines Bären“, Zeichnung. Mehr zum Thema: „Eisbären- Wanderer auf dünnem Eis“

Eine gerade erschienene Biografie von Frank Berger widmet sich dem komplizierten und widersprüchlichen Lebenslauf Julius Payers. Das lesenswerte Buch liefert viele bisher unbekannte Details und geht besonders auch auf Payers Zeit als Maler und im Zusammenhang damit auf seine besondere Beziehung zur Expedition von John Franklin zur Entdeckung der Nordwest-Passage ein.

Frank Bergers Buch ueber Payer
Frank Bergers Buch über Payer erschien im Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2015

Gerade jetzt, während sich der Todestag Julius von Payers jährt, haben die Archäologen von Parks Canada ihre Tauchgänge an HMS Erebus, dem Schiff Franklins, wieder aufgenommen. Das Wrack war im vergangenen Herbst südlich von King William Island entdeckt worden. Über das genaue Schicksal der Besatzung, die nie wieder in die Heimat zurückkehrte, ist fast nichts bekannt. Bis heute konnten nur einige wenige Gräber und Überreste der Seeleute gefunden werden. Das einzige bisher vorliegende Dokument über das Schicksal der Expedition enthielt die Mitteilung, dass John Franklin am 11. Juni 1847 verstorben war.

Payer - Im Packeis der Arktis
Julius von Payer – Im Packeis der Arktis, Gemälde

Julius Payer war von dem tragischen Schicksal der Franklin-Expedition tief beeindruckt und wollte Franklin und seinen Seeleuten ein malerisches Denkmal setzen. Er reiste nach London und traf sich dort mit der Witwe Franklins, Jane Franklin, wie auch mit dem Kapitän Sir Francis Leopold McClintock, der mit seiner Such-Expedition nach den verschwundenen Schiffen bedeutende Erkenntnisse über deren Scheitern beitragen konnte.

Payer_Monument Franklin
Julius von Payer – Der Tod von John Franklin, Foto eines verschollenen Gemäldes (Ausschnitt)

Nach seiner Rückkehr malte Payer einen Zyklus von vier Monumentalgemälden über die Franklin-Expedition, die aber seit Jahrzehnten nicht mehr auffindbar sind. Angeblich befanden sie sich in den 1950igern in belgischem Privatbesitz; seitdem ist ihr Aufenthaltsort unbekannt.
Vielleicht bringt ja das Gedenken anlässlich Payers 100. Todestages neue Hinweise auf den Verbleib der Gemälde, die einst nach ihrer Fertigstellung mit Preisen geehrt und mit großem Erfolg in verschiedenen bedeutenden Galerien gezeigt worden waren. Bekannt sind heute nur noch eine Kopie und eine Studie zu dem Gemälde mit dem Titel „Bay des Todes“, die das tragische Ende der letzten Überlebenden im Kampf mit Eisbären zeigen.

Payer_Starvation Cove
Julius von Payer – Die Bucht des Todes

Ansonsten gibt es von den Bildern nur noch Schwarz-Weiß-Reproduktionen, die einen ungefähren Eindruck von der Monumentalität und der Detailtreue der Gemälde vermitteln. Unter ihnen auch eine Darstellung des Todes Franklins an Bord der Erebus. Für die realistische Darstellung der Personen auf seinen Gemälden nutzte Payer Daguerreotypien von Franklin und seinen Offizieren, die 1845 kurz vor der Abreise der Schiffe angefertigt worden waren.
Die aktuelle Arbeiten am Wrack der HMS Erebus werden von vielen Interessierten in der ganzen Welt mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet – hofft man doch, Tage- und Logbücher im Wrack zu finden, die zur Aufklärung des Schicksals der gescheiterten Expedition beitragen könnten.

Payer - Grabmal
Grabmal von Julius von Payer – Foto von Unterillertaler

posted by Wolfgang Opel




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