Archiv für Februar 2015

Polar Bear Day und die Jagd auf Eisbären

Wieder einmal ist International Polar Bear Day, und viele Menschen machen sich Gedanken um die Zukunft der Eisbären.
Auch wir in unserem Buch Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis.
97% der in der Klimaforschung Tätigen sind sich einig, dass die gerade stattfindende Erwärmung der Arktis besonders in den letzten Jahrzehnten durch uns Menschen erheblich verstärkt wird. Immer wieder aber versuchen sogenannte Klimawandel-Skeptiker, diesen Zusammenhang zu negieren. Zu ihnen gehören auch die Verteidiger der weltweiten Trophäenjagd, unter anderem auch auf Eisbären.

Jagd auf Eisbaeren - Sammelbild
Jagd auf Eisbaeren – Sammelbild

Die Jagd auf Eisbären ist eigentlich nur noch Vertretern indigener Völker gestattet. Leider ist es denen in Kanada möglich, Jagdlizenzen auf andere Jäger zu übertragen. Sehr zur Freude finanziell potenter Trophäensammler, die sich auf die wenigen Lizenzen und Quoten stürzen, die von den kanadischen Offiziellen jedes Jahr freigegeben werden.

Subsistenzjagd: ein erfolgreicher Inuit-Jäger
Subsistenzjagd: ein erfolgreicher junger Inuit-Jäger – Foto: © Levi Noah Nochasak

Während die Jagd durch die Inuit selbst infolge der vollständigen Verwertung der geschossenen Eisbären als nachhaltig bewertet wird, interessiert die Großwildjäger nur eine besonders imposante Trophäe. Den Rest überlassen sie großzügig ihren indigenen Jagdhelfern. Die USA hat den Import von Eisbärentrophäen und -produkten inzwischen verboten, doch ist der Import in die EU, China, die arabischen und andere Ländern weiterhin gestattet. Unglücklicherweise stellt die Trophäenjagd auf Eisbären – mangels anderer ausreichend gut bezahlter Jobs – eine wichtige Einkommensquelle für die Inuit dar.

Eisbaerenfelle
Eisbärenfelle beim Trocknen – Foto: Wikipedia, Hannes Grohe

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte die schonungslose Jagd auf Eisbären weltweit zu einem erheblichen Bestandsrückgang geführt. So erlegte der bekannte norwegische Jäger Henry Rudi von 1908-1948 713 Eisbären – davon 252 in den Wintern 1946/47 und 1947/48. Er setzte dabei Selbstschussfallen und Giftköder ein.

Rudolf Kmunke_Eisbaerenjagd
Rudolf Kmunke: Eisbärenjagd

Rudi allein tötete damit ungefähr so viele Eisbären wie heutzutage in einer Jagdsaison in ganz Kanada zum Abschuss freigegeben werden. Als sogenannter Eisbärkönig hatte er sich damit einen aus heutiger Sicht zweifelhaften Ruhm erarbeitet.
Seit 1973 ist die Jagd auf Eisbären in Norwegen verboten und in den anderen Arktisstaaten streng reguliert, so dass sich die Bestände wieder erholen konnten.


Eisbaerfang
Eisbärfang, Svalbard (Spitzbergen)

Auch wenn sich Inuit und Wissenschaftler in Kanada einig sind, dass der derzeitige Bestand an Eisbären nicht durch die Jagd gefährdet ist, kann niemand prognostizieren, ob das angesichts der Folgen der fortwährenden Erwärmung so bleibt. Die Trophäenjagd auf Eisbären ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Auch wenn die Reiseanbieter von einer angeblich notwendigen Hege schwafeln, geht es letztendlich nur um attraktive Trophäen für die Sammlung nach dem zweifelhaftem Motto „Wer hat den größten …?“


Dekoration_Eisbaer
Eisbärfell als Dekoration – Robert Sedlacek: „Brumme nicht“

Fotos der im Internet verfügbaren Kataloge von Jagdanbietern zeigen, wie sich die „erfolgreichen“ Schützen manipulativ hinter den durch extreme Weitwinkelobjektive vergrößerte Eisbären präsentieren. Tierschützer und Wissenschaftler vermuten sicher zurecht, dass gerade solche Darstellungen wiederum Begehrlichkeiten wecken und damit indirekt Wilderei befördern, die besonders in der russischen Arktis stattfindet.

Historische Postkarte
Eisbärtrophäe in einer historischen Postkarte

Die kanadische Regierung sollte endlich diese Art von fragwürdigem Jagdtourismus beenden und den unterstützenden Inuit-Jägern einen entsprechenden finanziellen Ausgleich und andere Erwerbsmöglichkeiten anbieten – zum Beispiel im Umweltschutz, bei der Eisbärenforschung oder bei Eisbärenbeobachtungen für Touristen. Das wäre dann ein gelungener Beitrag zum Internationalen Eisbär-Tag!

Eisbaeren-Tourismus
Eisbären-Tourismus – Foto: © Annette Conrad

posted by Wolfgang Opel

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