Viel viel Glück – und mündliche Überlieferung
Franklins Wrack bei Hat Island

Unendlich glücklich waren die Archäologen von Parks Canada, als sie am Sonntag, den 7.9.2014, im Queen Maud Golf im Kanadischen Archipel ein Wrack ausmachen konnten – eines der Schiffe der vor 169 Jahren letztmalig gesehenen Franklin-Expedition zur Auffindung einer Nordwest-Passage.

Ryan Harris zeigt den Kollegen die Visualisierung des Wracks_Theresa Nichols_ Fisheries and Oceans Canada
Ryan Harris zeigt den Kollegen die Visualisierung des Wracks – Foto: Theresa Nichols © Fisheries and Oceans Canada

Aufgrund der schwierigen Eisbedingungen in diesem Jahr war das eigentliche geplante Suchgebiet in der Victoria Strait über Wochen noch nicht erreichbar, so dass sich die Suche auf ein zweites Gebiet südwestlich von King William Island konzentrierte. Ob man hier wirklich auf den großen Fund hoffte oder die Messungen eher als „Zeitvertreib“ der Kartierung der schwierigen Seewege in dieser Region dienten, wird nun, nach dem glücklichen Fund des Wracks, wohl nicht mehr verraten.

Ryan Harris am Navigationscomputer des Forschungsbootes
Ryan Harris am Navigationscomputer des Forschungsbootes– Foto: Jonathan Moore © Parks Canada

In den mündlichen Überlieferungen der Inuit wurde schon seit 150 Jahren von einem großen Schiff gesprochen, das südwestlich von King William Island im Eis feststeckte und später verschwand. Immer wieder hatten Forschungsreisende wie Charles Francis Hall, Frederick Schwatka, William H. Gilder oder auch später Knud Rasmussen darüber berichtet. Doch die Finanziers der Suchexpeditionen trauten den Erzählungen der Inuit nicht.

Oral History
„Oral History“ – Weitergabe mündlicher Überlieferungen: Mabel Angulalik untersucht einen Artefakt – Foto: © David F. Pelly

So blieb es denn – neben den „Offiziellen“ John Rae und Francis Leopold McClintock – Enthusiasten wie dem Händler William Gibson, Autoren wie Richard J. Cyriax und David C. Woodman, dem Inuit-Historiker Louie Kamookak aus Gjoa Haven oder Barry Ranford, einem fast fanatischen Hobby-Forscher, vorbehalten, das Wissen um das Schicksal der Franklin Expedition Stück für Stück zu erweitern. Sie alle setzten auf das Wissen der älteren Inuit, die noch aus eigenem Erleben oder Hörensagen über die Geschehnisse um das Schicksal der Franklin-Expedition berichten konnten.

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Porträt Mabel Ekvanna Angulalik, die über Schiffsteile auf Hat Island berichtete – Foto: © David F. Pelly


Obwohl es durch Mabel Ekvanna Angulalik (1925-2002), einer Inuit Elder aus Cambridge Bay, wichtige Hinweise auf den möglichen Ort eines Wracks in der Nähe von Hat Island gab, war es letztendlich reiner Zufall, dass Archäologen auf der Insel auf Artefakte stießen, die sich zweifelsfrei einem Schiff aus dem 19. Jahrhunderts zuordnen ließen. Eines der Objekte wog 5kg und konnte also kaum über größere Strecken angeschwemmt worden sein. Das überzeugte Ryan Harris, leitender Unterwasserarchäologe der Suchexpedition, dass eine Suche im Meer in unmittelbarer Nähe der Fundstätte vielversprechend sein würde. Der Rest war reine Routine: nicht lange, nach dem man das Seitenscan-Sonar ins Wasser gelassen hatte, erschienen die Umrisse eines Wracks auf dem Bildschirm. Mit einer Unterwasserkamera wurden zur Bestätigung der Scans erste Videoaufnahmen gemacht – und die Sensation war perfekt.

Blick auf das Deck des Wracks
Unterwasserkamera: Blick auf das Deck des Wracks – Courtesy of Parks Canada

Inzwischen sind die Archäologen und Taucher wieder am Wrack, in der Hoffnung, noch vor dem Einsetzen des Winters weitere Aufnahmen und Vermessungen vorzunehmen, und wichtige Artefakte und Beweisstücke zu sichern und neue Erkenntnisse – HMS Erebus oder HMS Terror ? – zu gewinnen.

Updated: Schiff positiv identifiziert
2016 Update: inzwischen auch Wrack von HMS Terror gefunden!

posted by Wolfgang Opel

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