Archiv für Februar 2014

Eisbären auf dünnem Eis

International Polar Bear Day 2014

Polar Bear On Thin Ice
Eisbären auf dünnem Eis – Foto: © Shoshanah Jacobs

Am 27. Februar wird weltweit der Internationale Eisbär-Tag begangen, um auf die Bedrohung der Eisbären durch die Erwärmung der Arktis aufmerksam zu machen. Eisbären stehen dabei als Symbol für die arktische Artenvielfalt. Oft wird mit dem Begriff „König der Arktis“ operiert; aber wir wollen die Eisbärin nicht vergessen, die als engagierte und sich nahezu aufopfernde Mutter unsere besondere Sympathie verdient.

Starker Eisbaer
Ein kräftiger, satter Eisbär

Die Menschen in der Arktis haben ein viel engeres Verhältnis zu den Eisbären, mit denen sie ja seit über 4000 Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft leben, als wir im Süden; das schließt spirituelle wie sachliche Aspekte ein. Sie sehen die Eisbären als Verwandte an – was aber die Jagd auf sie durchaus nicht ausschließt.


Eisbaerenfell -- groenlaendische Jaeger
Grönländische Jäger haben ein Eisbärenfell zum Trocknen aufgespannt

In Europa sind die Eisbären seit ungefähr 1000 Jahren bekannt. Ihre Felle waren begehrtes Handelsgut, und die Tiere wurden in den Menagerien der Herrschenden ausgestellt und sogar in Hetzgärten auf andere Tiere gehetzt.

Troll im Berliner Tierpark
Im Zoo haben die Eisbären eine hohe Lebenserwartung

Eisbaervorfuehrung im Zirkus
Doris Arndt-Schaaff mit ihrer Eisbärgruppe – © Archiv Schaaff

Unsere Vorfahren lernten die Eisbären in Tiergärten und im Zirkus kennen, denn außer für Walfänger und Forscher war das arktische Lebensumfeld der weißen Bären für den Normalbürger nicht erreichbar. Allerdings gibt es schon seit dem 17. Jahrhundert bildliche Darstellungen auf Gemälden und in Büchern.


John Webber_1784_Weisser_Baer
Eisbär-Darstellung von John Webber, 1784

Gemaelde Biard_Kampf mit Eisbaeren
François-Auguste Biards Gemälde „Kampf mit Eisbären“, 1842

Vive Ste-Cecile Schutzpatronin der Musik Eisbär-Trophäe auf einer Postkarte

Kinderbuchillustration 1924
Illustration aus Vilhjalmur Stefanssons Kinderbuch „Kak, der Eskimo“ 1924

Durch eine gedankenlose und profitorientierte Jagd waren die Eisbären Mitte des 20. Jahrhundert beinahe ausgerottet worden. Erst 1973 wurden weltweit Maßnahmen zur Erforschung der Lebensbedingungen und zum Schutz der Eisbären beschlossen.


Eisbaer schwimmt in der Hudson Strait
Schwimmender Eisbär, Hudson Strait

Die Erwärmung der Arktis besonders im letzten Jahrzehnt haben Tierschützer und Umweltaktivisten mobilisiert, den Schutz der Eisbären zu intensivieren.


Reste eines verendeten Eisbaeren
Verendeter Eisbär, Devon Island

Gelegentlich wird dabei der Erfahrungsschatz und das Wissen der Inuit außer Acht gelassen, obwohl es gerade auch im Interesse der Eisbären liegt, die Anstrengungen von Inuit, Wissenschaftlern und Umweltschützern zu bündeln, um die arktische Natur vor den Folgen menschlicher Gedankenlosigkeit und vor unüberlegter rein profitorientierter Ausbeutung von Rohstoffen zu schützen.

Eisbaer in der kanadischen Arktis
Eisbär in der kanadischen Arktis

Vor kurzem haben wir das Manuskript für unser Buch über Eisbären beendet, das im Sommer 2014 erscheinen soll.
Update: Das Buch „Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis“ erscheint im Oktober 2014.

posted by Wolfgang Opel

Siehe auch „Neues von den Eisbären“

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Die rote Lava quillt aus der dunklen Erde

Wie Gedärme quillt die rote Lava aus der dunklen Erde – Erlebnisse auf Kamtschatka, Juni bis August 2013

Am Tage bedeckt Schneegeriesel die frisch erkaltete schwarze Lava, während einige Meter darunter die glühende Lava fließt.

Ende Juni 2013 überrascht uns der Winter
Ende Juni 2013 überrascht uns der Winter – Foto: © Ullrich Wannhoff

Die Oberfläche, die von der heißen Lava aufgerissen wird, erinnert an einen Schwarzweißfilm. Wasserdämpfe steigen nach oben und verflüchtigen sich in den dunklen blaugrauen Wolken die darüber ziehen und am Horizont mit Helligkeit durch die Sonne aufgesogen werden.

frische Lava bricht die erkaltete Kruste auf
Frische Lava bricht die erkaltete Kruste auf – Foto: © Ullrich Wannhoff

Eine spannungsvolle Lichtdramaturgie von grauen Schattierungen, die ein malerisches Bild ergeben und uns an Gerhards Richters künstlerische Werke erinnern, mit den gemalten Effekt der verschwommenen diffusen Ansichten einer Fotografie. Das lässt uns erahnen, welche Naturgewalten sich unter unseren Füßen bewegen.

erkaltete Lava
Erkaltete Lava – Foto: © Ullrich Wannhoff

Die gerissene schwarzgraue Oberfläche blutet, und zähflüssige Lava leuchtet hindurch. Wie aufgerissene verletzte Körper, deren stillendes Blut Schorf bildet. Formen von schwarzen Gedärmen quellen nach außen und erinnern uns an Tierleiber in den gekachelten Schlachthöfen, wo die Bäuche der Tiere in der Länge aufgeschlitzt werden. In der vulkanologischen Fachsprache spricht man von Stricklava. Sie fließt um ihre eigene Achse und bildet strickähnliche Muster, je nach Fließgeschwindigkeit.

Stricklava
Stricklava: Die Lava dreht sich um die eigene Achse wie ein Strick – Foto: © Ullrich Wannhoff

Immer wieder bricht die verletzte, fast erkaltete Lava-Oberfläche auf, und Rotes stößt nach und wird mit nachfolgender Hitze von 1100°C gefüttert. Spannungen, die zerreißen, platzen – und das Ganze in Zeitlupentempo, ohne Eile. Geschwindigkeit ist fehl am Platze. Stetig und beharrlich drückt sich Rotes durch alle Ritzen, als gäbe es die informelle Kunst schon seit Millionen Jahren, bevor Jackson Pollock sie in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts in seiner Garage auf Long Island entwickelte. Unserem Denken haften immer wieder metaphysische Metaphern an, deren Vergleiche uns in Gefühle ausbrechen lassen, die kaum regulierbar sind – oder?

innere gluehende Walze
Innere glühende Walze – Foto: © Ullrich Wannhoff

Sich treppenartig übereinander stapelnd walzt die Lava ins Tal hinab. Baut sich auf bis 15 Meter hoch und wird begrenzt durch das Abkühlen an den Rändern. Schicht für Schicht quillt darüber, ohne wirklich sichtbar vorwärts zu kommen. Die Hitze unter den Fußsohlen zeigt uns die Gefahren auf. Jeder Schritt nach vorne kann das Ende unseres Lebens sein. Ein Leben, das wir in der Erdgeschichte wie eine Stecknadel im Heuhaufen suchen müssten und wahrscheinlich nicht finden. Ein aussichtsloses Unterfangen. Noch haben wir kein weiteres Leben im Kosmos gefunden…

Feuerschlund - Hoelle oder Paradies?
Feuerschlund – Hölle oder Paradies? – Foto: © Ullrich Wannhoff

Die Nacht bricht an und noch dunkler als die Wolken zieht sich der Himmel zu. Schon längst scheint die Sonne auf der anderen Seite der Erde. Ihr glühender Ball sichert uns das Leben auf der Erde und macht die Nacht zum Tag. Rhythmen des Schlafens und Wachens lösen sich ab.

Malerisches Foto. das Leuchten in der Nacht
Malerisches Foto: Das Leuchten in der Nacht – Foto: © Ullrich Wannhoff

Der Vulkan spuckt und spuckt das Blut der Erde in den Himmel. Staunend stehen wir davor. Brachiale Gewalt öffnet sich nach oben. Glühende und geschmolzene rote Steine erkalten in der Luft, fallen fast geräuschlos auf die schrägen Hänge des Vulkans, der aus schwarzen Schlacke- und Aschefeldern besteht. Wärme, die nicht lange anhält, und das lockere „Gestein“ und Geröll erschwert das Laufen des Neugierigen, der unbedingt den Kraterrand erreichen möchte.

heisser Atem aus dem Spaltenausbruch des Tolbatschiks
Heißer Atem aus dem Spaltenausbruch des Tolbatschiks – Foto: © Ullrich Wannhoff

Die rote Hitze wird in den Wolken reflektiert. In der Stadt spricht man von Lichtsmog. Rote glühende Lava funkelt punktuell auf der dunklen Aschenoberfläche, als würde eine Stadt im rot leuchtenden Lichtermeer untergehen.

rote Lavastroeme und weisse Vergletscherungen - Collage
rot: Lavaströme, weiß: die Vergletscherungen – © Ullrich Wannhoff

Je dunkler es wird, um so mehr leuchtende Punkte schälen sich in der Ferne als bewegte rote Walze stufenartig in das Tal, in südliche Richtung, in Richtung des toten Waldes, wo beim Seitenausbruch des Tolbatschik 1975/76 seine Asche den Bäumen die Luft wegnahm und sie vertrocknen ließ. Jedes zarte Ästlein zweigt sich sperrig und leblos vom Stamm. Mit den Jahren verbreiten sich junge Pionierpflanzen, die die schwarzen Aschefelder beleben. Wind und orkanartige Stürme verteilen den Samen, und die Insekten bestäuben unfreiwillig die kleinen Pflanzenpolster.

Bluehender arktischer Mohn
Blühender arktischer Mohn – Foto: © Ullrich Wannhoff

Zurück zu den Lavafeldern, deren Dampf nicht nur Wasser, sondern unter anderem Fluor und Chlor enthält. Daraus bildet sich eine gelbe Kruste die von der Lava nach unten abtropft, ähnlich wie Stalaktiten. Bizarre Formen, die uns zum Staunen bringen, einfach großartig.

Fluor- und Chlorgase bilden die herrlichen Tropfen
Fluor- und Chlorgase bilden die herrlichen Tropfen – Foto: © Ullrich Wannhoff

Hier ist die Erdoberfläche jünger als wir. Sie wurde in einem Spaltenausbruch in zweitausend Meter Höhe geboren. Später bildete sich in tieferer Region ein neuer Aschekegel heraus, in dessen Schlund mehrere rote Löcher kochen. Nur eine Lebensmüder könnte davon angesogen werden – Himmel und Hölle wird seine Seele aufnehmen.

Gluehendes Loch, darunter fliesst die Lava 40 Kubikmeter in der Sekunde
Glühendes Loch, darunter fließt die Lava 40 Kubikmeter in der Sekunde – Foto: © Ullrich Wannhoff

Seit 30. November 2012 bis Ende August 2013 kam es zu einem Spaltenausbruch des Vulkans Tolbatschik. Der Tolbatschik besteht aus dem 3.400 m hohen Ostryi (= spitzen) Vulkan und den Ploskii (= flachen) Vulkan von 3.000 m Höhe. Beide gehören zu der hohen Vulkangruppe im zentralen Teil Kamtschatka, die sich südlich um den höchsten Vulkan Klutschevskoi gruppieren.

Karte_Kamtschatka-Halbinsel mit Tolbaltschik
Karte Kamtschatka-Halbinsel mit Tolbaltschik – courtesy of NASA

Ein zwanzig Kilometer langer Lavastrom floss seither den Aschekegel hinunter und bildete drei Hauptströme. Anfang September 2013 wurde die Lavaproduktion eingestellt.

Am Horizont leuchtet die Erde
Am Horizont leuchtet die Erde – Foto: © Ullrich Wannhoff

Viktor Okrugin, Vulkanologe und mein bester russischer Freund auf Kamtschatka, sagte: „Ulli – jetzt müssen wir wieder etwa vierzig Jahre warten bis zum nächste Ausbruch.“ So war der Rhythmus der letzten Jahrzehnte. Die itelmenischen* Götter werden die Berichte in den Himmel schreien…
(* Itelmenen = Ureinwohner Kamtschatkas)
Der Vulkan ruht - Sept 2013 - Viktor Okrugin
Der Vulkan ruht – Sept 2013 – Foto: © Viktor Okrugin

posted by Ullrich Wannhoff




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