Die Seele des Flusses gebiert Landschaften – Selbstbetrachtung

Künstlerische Umsetzung: Malerische Collagen am Fluss Kamtschatka
Der größte Fluss schlängelt sich durch die Halbinsel und halbiert dieses wilde Land: in ein aktives Vulkangebirge im Osten, mit der höchsten Vulkangruppe um den Klutschewskaya, und ein inaktives westliches Vulkangebirge (nehmen wir den 3607 m hohen Ischinskaya Sopka einmal aus).

Wannhoff_Vulkan Schivelutsch - das andere Ufer
Vulkan Schivelutsch – das andere Ufer – © Ullrich Wannhoff

Wannhoff_Mondlicht ertrinkt im Fluss
Mondlicht ertrinkt im Fluss – © Ullrich Wannhoff

Wie alle großen Wasserstrassen erlangte der Kamtschatka-Fluss im 17. bis ins 20. Jahrhundert große Bedeutung. Seit tausenden von Jahren ziehen Millionen Lachse in den Hauptstrom und klettern dann die kleinen Flüsse hinauf zu ihren steinigen Geburtsorten. Sie bilden die Nahrungsgrundlage für die hier lebenden Völker, die Itelmenen und sesshaften Korjaken.

Wannhoff_Gelbe Sichel ueber den Bergen
Gelbe Sichel über den Bergen – © Ullrich Wannhoff

Mit dem Beginn der Kolonialisierung 1697 durch Kosaken nutzte man den Fluss für Transporte und legte strategisch neue Ortschaften an. Aus den schwerbegehbaren Pfaden wurden breite Wege und Strassen, die die Ortschaften verbinden. Weideflächen, Kartoffel- und Kohlfelder umrandeten die wenigen Dörfer.

Wannhoff_Feuerspeiender Berg
Feuerspeiender Berg – © Ullrich Wannhoff

Die aufkommende Holzwirtschaft und der immer stärkerer Druck auf der Suche nach Gold und Erdgas sorgte für die Verbesserung der einzigen und langen Strasse von Petropavlovsk nach Ust-Kamtschatsk, die nur wenige Abzweigungen hat. Heute erleben wir eine breit angelegte Schotterpiste die parallel zum Fluss verläuft, ebenso gewaltige Strommasten, deren Gestelle starke Stürme, aber auch Erdbeben aushalten müssen. Unter dem Straßenrand sind moderne Medien, wie Gas und Telefonkabel, verlegt worden.

Wannhoff_Weisse Vulkane wachsen aus dem Gruen
Weiße Vulkane wachsen aus dem Grün – © Ullrich Wannhoff

So zeichnet sich für mich das Umfeld dieses Flusses ab. In meinen Collagen und Tagebuchaufzeichnungen spiegeln sich meine Reflexionen auf den Fluss wider. So wie das süße Wasser täglich in den Ozean fließt, so gestalten die Menschen das Umfeld, und nichts bleibt so wie es ist! Auch wenn einzelne Ortschaften an Bedeutung verlieren und sogar verschwinden, besitzt der Fluss mit seinen reichen Rostoffen auf beiden Seiten Zukunft.

Wannhoff_Vulkankrater oeffnet sich
Vulkankrater öffnet sich – © Ullrich Wannhoff

Der Zyklus „Die Seele des Flusses gebiert Landschaften“ umfasst Arbeiten auf Papier (52 × 70 cm).

Wannhoff_Der Winter kommt
Der Winter kommt – © Ullrich Wannhoff

Der Malgrund besteht aus Asche und Zellleim. Die Asche verkörpert symbolisch das Verbrannte, das neue Kräfte für die Zukunft frei setzt, den fruchtbaren Boden, die wir an vielen Vulkanhängen kennen. Der brüchige Malgrund steht auch für die Verletzbarkeit der Landschaften – und unserer selbst.

Wannhoff_Schrott erhebt sich aus dem Fluss
Schrott erhebt sich aus dem Fluss – © Ullrich Wannhoff

Wannhoff_Verletzte Landschaft
Verletzte Landschaft – © Ullrich Wannhoff

Die Motive sind aus den Erlebnissen von Kljutschi und Ust-Kamtschatsk 2012, vom letzten Viertel des Flussverlaufes bis zur Mündung.

Wannhoff_Aus dem Gelb waechst der Winter
Aus dem Gelb wächst der Winter – © Ullrich Wannhoff

Die mit Leimfarbe angelegten Flächen wurden mit Pastell erhöht. Die Weite und Melancholie der Landschaft legt sich in den Schwingungen der Farbe nieder.

Wannhoff_Weisse Nebelbaenke legen Feuchtigkeit ab
Weiße Nebelbänke legen Feuchtigkeit ab – © Ullrich Wannhoff

Wannhoff_Hinterlassenschaft
Hinterlassenschaft – Ullrich Wannhoff

(Teil 1 dieses Artikels hier und Teil 2 hier).

posted by Ullrich Wannhoff

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