Archiv für Dezember 2012

Happy New Year – Alles Gute zum Neuen Jahr

As a New Year’s greeting we herewith point to a 30 minute video which shows a treasure of film history: „Conquest of the Pole“ is a science fantasy film by Georges Méliès based on a book of Jules Verne. It is a parody dealing with a race to the north pole by rival parties. Some charming cinematographic highlights, given the iconography and simple technical features – note this is 100 years old! Delicious how the landscape and the North Pole is seen at this time, with ice spires, crystalline monoliths, a Snow Giant – just enjoy.

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We wish you a happy New Year 2013!

Amundsens Maud – bald wieder unterwegs

Seit dem 30. November ist die Sonne über Cambridge Bay, der abgelegenen Inuit-Siedlung im Westen des arktischen Archipel Kanadas, verschwunden, und erst am 26. Januar 2013 wird sie – zunächst für eine knappe halbe Stunde – wieder über der Bucht erscheinen, wenn dann der Himmel nicht gerade bewölkt ist. Hier, in der Bucht vor Cambridge Bay, liegt das Wrack der Maud, ein Dreimastschiff, das 1916-18 gemäß den Anforderungen von Roald Amundsen im norwegischen Asker gebaut worden war.

Maud ca. 1930
Die „Maud“ auf Grund gelaufen – ca. 1930

Amundsen war bereits 1903-1906 mit der Gjoa eine erstmals vollständige Befahrung der Nordwestpassage geglückt, und mit dem schon durch Nansens Expeditionen bekannten Schiff Fram war er dann in die Antarktis gefahren, wo er mit seinen Mitstreitern am 14. Dezember 1911 als erster den Südpol erreichte. Nun suchte Amundsen nach neuen Herausforderungen, nachdem sowohl Cook als auch Peary bereits 1909 die „Entdeckung“ des Nordpols für sich beansprucht hatten. Auch die Nordostpassage war schon 1878 erstmalig unter Führung von Adolf Erik Nordenskiöld bezwungen worden. Bei einem Versuch, den Nordpol von Sibirien aus zu erreichen, war George W. DeLong 1881 gescheitert; sein Schiff Jeannette wurde nördlich des Lena-Deltas vom Eis zerstört. Ziel für Amundsens Ehrgeiz wurde nun die erfolgreiche Vollendung der Expedition Fridtjof Nansens, der 1895 seinen Versuch aufgeben musste, den Nordpol mit der im Eis driftenden Fram zu erreichen.

Denkmal von Amundsen vor der Gjoa
Denkmal für Amundsen vor der „Gjoa“

Im Juni 1918 verließ Amundsen mit der Maud Tromsoe im Norden Norwegens. Das Packeis verhinderte den direkten Weg zum Nordpol, so dass er sich entschloss, an der russischen Polarküste zu überwintern. Aber auch im folgenden Jahr führte kein Weg in den Norden, und die Maud musste einen weiteren Winter im Eis verbringen. Diese zweite Überwinterung und das Zusammentreffen und -leben der Crew der Maud mit den Bewohnern eines kleinen sibirischen Dorfes sind Gegenstand des Romans Die Suche nach der letzten Zahl des nach 1990 auch im Westen bekanntgewordenen Schriftstellers Juri Sergejewitsch Rytchëu.

Der Schriftsteller Juri Rytcheu
Der Autor Juri Rytcheu – Foto: Unions Verlag

Der 1930 in Uelen auf Tschukotka am östlichsten Ende der Sowjetunion geborene Rytchëu ist der bekannteste Schriftsteller der indigenen Völker im Nordosten Russlands. In seinen Romanen und Erzählungen kann man viel über das Alltagsleben in der Arktis und über die Mythen der Tschuktschen erfahren. Thema ist auch der Zusammenprall von Lebensformen und Kultur dieses Volkes mit der Lebensweise der Fremden: der immer weiter in den Norden drängenden Russen wie auch der amerikanischen und kanadischen Händler, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch fast unbegrenzten Zugang in die russischen Polargebiete hatten.

An der Küste von Tschukotka
An der Küste von Tschukotka

Als auch ein letzter Versuch Amundsens fehlschlug, mit der Maud und sogar mit dem Flugzeug den Nordpol zu erreichen, verkaufte er das Schiff schließlich an die Hudson’s Bay Company. Umgetauft auf Baymaud diente es zuletzt dem Handel mit den Inuit in Cambridge Bay, bis es dort 1930 auf Grund lief. Weder die Gemeinde von Cambridge Bay noch die kanadische Regierung oder die Hudson’s Bay Company selbst waren willens, das Wrack zu heben und zu sanieren. Nur einige wenige Touristen interessierten sich hin und wieder für das Schiff.
Im September 2012 konnten wir uns von den in der arktischen See erstaunlich gut erhaltenen Überresten der Maud überzeugen, als wir das Wrack mehrfach mit dem Zodiac umkreisten. Das Holz der Decksplanken machte einen festen und stabilen Eindruck. Wie mögen die Reste von Franklins Schiffen Erebus und Terror aussehen, die nur 250 Kilometer von hier entfernt irgendwo im Meer ruhen? Sind sie genauso gut erhalten wie das Wrack der Investigator in der Mercy Bay von Banks Island?

Wrack der Maud in Cambridge Bay 2012
Das Wrack der Maud in Cambridge Bay 2012

2012 gelang es einigen norwegischen Enthusiasten endlich, die Einwohner von Cambridge Bay und die kanadischen Offiziellen zu überzeugen, das Wrack für einen Transport nach Norwegen im Jahr 2013 freizugeben, um die Maud dort nach einer Rekonstruktion in einem Museum ausstellen zu können. Die Norweger hatten besonders die unter Wasser liegenden Teile des Schiffes sorgfältig untersucht und sich von der Solidität überzeugt. Zuhause in Norwegen wird die Maud wohl endlich das Interesse erfahren, das sie mit ihrer Geschichte verdient hat. Sie wird dann einmal die Arktis vollständig umrundet haben, was man nicht von vielen Schiffen aus Holz sagen kann. Vielleicht bekommt sie auch einmal Besuch aus den Weiten Nordrusslands und von den Lesern Juri Rytchëus, für die Cambridge Bay zu abgelegen und nicht erreichbar war.

posted by Wolfgang Opel

Update Juni 2015 – Eistaucher auf Schatzsuche

„Off the beaten track“ – an der Côte-Nord

Die Nordküste des Fleuve Saint-Laurent (engl: Saint Lawrence River) hat besondere Reize aufzuweisen: 1200 Kilometer Küste von Tadoussac im Westen bis nach Blanc Sablon im Osten, mit langen Stränden, vielen Inseln, stillen Buchten, endlosen Wäldern mit Seen und Flüsse, die in weiten Buchten ins Meer münden. Dort tummeln sich Wale vieler Arten, selbst die seltenen Blauwale, die größten Lebewesen der Erde, soll man hier gelegentlich zu sehen bekommen.

An der Cote Nord
An der Côte-Nord

Seit tausenden Jahren leben hier Angehörige der First Nations: die Innu, auch als „Montagnais“, und „Naskapi“ bekannt. Im Osten, in Richtung Atlantik, siedelten bis vor 400 Jahren auch Inuit, die jedoch von einströmenden Europäern wieder nach Norden verdrängt wurden. Das Land war also nicht unbewohnt, als die ersten Europäer an dieser Küste auftauchten: Wikinger, vor mehr als tausend Jahren, später baskische Fischer und dann Kolonisatoren und Eroberer wie John Cabot, Jacques Cartier oder Samuel de Champlain.

Ile Niapiskau
Île Niapiskau

Die Route 138 führt entlang des Nordufers des Saint Lawrence River und der Saint Lawrence Bay in Richtung Labrador – allerdings nur bis nach Natashquan; von hier muss man die Fähre benutzen. Mehr über eine Reise nach Havre Saint Pierre – einst „Eskimo Point“ – und zu den Mingan-Inseln mit ihren eigenartigen, vielfältig geformten Sandsteinmonolithen in der neuen Ausgabe 1/2013 der Zeitschrift „360° Kanada“.

posted by Wolfgang Opel

Remnants of Northumberland House

Link zur Deutschen Version.
The wretched remnants of a hut on the remote Arctic Beechey Island bear a proud name: Northumberland House. Since the beginning of the 17th century, this name had stood for the London home of the Percy family, Earls of Northumberland, until it was demolished in 1874.
In Northumberland Avenue which was later created in this area, the Victoria Hotel was one of the largest buildings; today, it is called Northumberland House and serves as a student home for the prestigious London School of Economics. During the summer holidays, it is used as a tourist hotel. This Northumberland House has its own Facebook page with 85 fans. It is located in the heart of London: Trafalgar Square is only 3 minutes away, and Waterloo Place is also within walking distance – the place of the monument of Sir John Franklin, who got lost in the Arctic while searching for the Northwest passage.

Place of the Northumberland House in 18th's century London
Place of the Northumberland House in 18th’s century London

After John Franklin had departed from England to the Arctic with his ships Erebus and Terror in 1845, he spent the first winter in a protected bay near Beechey Island.
This rocky island is situated high in the North of the Arctic archipelago of present-day Canada – beyond the 74th latitude, west of Lancaster Sound, at the Wellington channel in front of Devon Island. From here, Franklin started his last journey in the summer of 1846 – a journey with no return.

On Beechey Island
On the beach of Beechey Island

During the search expedition six years later, in 1851, the graves of John Torrington, William Braine and John Hartnell were found on Beechey Island: three dead men of Franklin’s unfortunate expedition. Three years later, in 1854, the men of the „HMS Investigator” which had to be abandoned frozen in the ice in the Western Arctic, arrived on Beechey Island after a long walk across the Arctic ice. Here, they spent the summer before they could return to Europe by ship in the Fall. Among them was Johann August Miertsching, who had accompanied the expedition as an interpreter for Inuktitut. On May 4, 1854, Miertsching wrote in his diary:

… There are also three graves, each of them with a black-coated board made of oak timber, with the following inscriptions:
I. „Sacred to the memory of W. Braine, R.M., H.M.S. ‚Erebus‘. Died April 3rd 1846, aged 32 years.“ „Choose ye this day whom you will serve“
II. „Sacred to the memory of Jno. Hartwell, A.B. H.M.S ‚Erebus‘ aged 23 years. – Thus saith the lord of hosts, consider your ways.“
III. „Sacred to the memory of Jno. Torrington, who departed this life Jan 1st, A.D.1846, on board Her Majesty’s Ship ‚Terror‘ aged 20“.


Graves on Beechey Island
Graves on Beechey Island

And right here, on this remote, secluded Island, another „Northumberland House“ was now erected – this time not a magnificent stone building, but rather a simple wooden cottage – if even.
In June 1854, Johann August Miertsching wrote in his diary:
… the carpenters are eagerly busy this time, constructing a wooden house at Beechey Island, which should serve as a comfortable home for 60 men and will be filled with food and other necessary things, in the case of Franklin himself or Collinson should stray here by chance. –
But only a short time after that, on July 20, the House got another temporary dweller. As Miertsching wrote, the Commander of the rescue expedition, Captain Sir Edward Belcher, took possession of the house: „At the opening, the house was christened „Northumberland House“ by Sir E.. But he sent the accompanying crew back to his lost ships, only keeping 6 men with him who are his bodyguards or sentinels and live with him in the house“.

Northumberland House
Remnants of Northumberland House

One can ponder about whether this naming of the wooden house testifies Sir Edward Belcher’s strange sense of humor or if he rather wanted to recall his high position and to demand respect and submission with that. Or maybe just to label a rather uncomfortable place with a familiar name to make it a bit more „homey“?
Not much is left today of the Northumberland House on Beechey Island. Only a few of the boards and beams are still at their original position and a half-height dry stone wall of unknown purpose is standing in front of the remnants of a coal pile.
More about Miertschings experiences and observations on Beechey Island will follow.

posted by Mechtild Opel




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