Shumagin Islands (Aleuten, Alaska)

Sehnsuchtsvoll segelte die Crew um Vitus Bering im August 1741 in Richtung Westen, denn dieser Kurs war in den Gehirnen der Seeleute mit den Gefühlen von Heimat und Geborgenheit verbunden. Die Heimreise war beschlossen und in einer „verfassten Schrift von dem ganzen Commando bis auf den Bootsmannsmaar (aber wie stets gewöhnlich, nicht von mir) unterschrieben“; so formulierte der ungeduldige Steller in seinem Reisejournal von Kamtschatka nach Amerika; denn er selbst möchte noch viel, viel mehr unbekanntes Land erkunden. Nachdem die Crew Kayak Island verlassen hatten, sichteten sie Anfang August häufig Inseln in nur wenigen Meilen Entfernung. Widrige kalte Westwinde behinderten ein schnelleres Vorwärtskommen. Oft versteckten sich die schroffen, felsigen grünen Inseln im Seenebel und tauchen plötzlich auf, um gleich wieder zu verschwinden. …

Insel Unga
Insel Unga – Foto: Ullrich Wannhoff

… Steller beschreibt: „Es besteht diese Insel, so wie die andern alle, aus lauter erhabn, grün überwachsenen festen Felsen. Das Gestein ist meistens ein roher, grauer und gelblicher Graufels, an einigen Orten grauer Sandstein; so fand sich auch schwarzer, dicker Schieferstein.“ Die Steinstrukturen entstanden aus verschiedenen gepressten Ascheschichten, durch die Vulkantätigkeit der jüngeren Erdzeit Schicht für Schicht aufgesetzt. Wind, Regen, Schnee und Frost bilden in dem weichen Gestein bizarre Formen und Rillen, die an der Küste steil abbrechen; das härtere Gestein bildet sich wie Zinnen spitz nach oben heraus. Ich sah viele beeindruckende Basaltsäulen, die sich mehr oder weniger kristallartig in die Höhe erhoben. Die unteren Felspartien wurden über Millionen Jahre beharrlich von den Meereswellen ausgespült. Die zu der jetzigen Jahreszeit saftig grünen und sanften Täler waren von Gletschern aus einer der letzten Eiszeiten weich ausgeformt worden. …

Klippenausternfischer
Klippenausternfischer mit zwei Jungen – Foto: Ullrich Wannhoff

„Allerley Wasservögel sah man hier im Überfluß; als Schwäne [Zwergschwan (Cygnus columbianus)], zwey Arten von Urilen (Pelicani) [Rotgesichtmeerscharbe (Phalacrocorax urile) und Beringmeerscharbe (Ph. pelagicus)], Alken (Torda) [Dickschnabellumme (Uria lomvia) und Trottellumme (Uria aalge)], Enten, Schnepfen, Strandläufer, verschiedene Mewen [unter andern Beringmöwe (Larus glaucescens) und Dreizehenmöwe (Rissa tridactyla)], Taucher, darunter eine ganz besonderbare und unbekannte Gattung war, Grönländische Tauben [Taubenteise (Cepphus columba)], Seepapageien (Alca artica) [Hornlund (Fratercula corniculata)], Mitschagatten (Alca cirrata) [Gelbschopflund (Fratercula cirrhata)]; aber Landvögel waren nur Raben, Fliegenstecher (Grisola), Schneevögel (Emberiza nivalis) [Schneeammer (Plectrophenes nivalis)], Morasthüner (Tetrao Lagopus) [Alpenschneehühner (Lagopus mutus) oder Moorschneehuhn (Lagopus lagopus)] und sonst nicht das geringste zu sehen.“ In eckigen Klammern stehen die heutigen Namen.

Die von mir beobachteten Vögel fallen dagegen recht bescheiden aus: Elster, Singammer, Klippenausternfischer, Beringmöwen, Dreizehenmöwen, Weißkopfseeadler, Lummen, Rotschnabelalke, Schopfalke, Hornlunde, Gelbschopflunde und Taubenteiste, die ich auf der gegenüberliegenden großen Insel Unga beobachten konnte.

Zerfallene Kirche - Sitka-Fichte
Zerfallene Kirche mit einer Sitka-Fichte – Foto: Ullrich Wannhoff

In der Bucht befand sich einst eine Siedlung. Frühere Pelztierjäger hatten sich 1767(?) mit den Ureinwohnern, den Unangan (Qagaan Tayagungin), Gefechte geliefert, wobei auch Russen tödlich verletzt wurden. Die Russen wurden ständig aufgerieben und fanden auf der Insel keine Ruhe. Zu dieser Zeit gab es zwölf kleine Ansiedlungen, die sich auf sechs Inseln verteilten. Ende des 18. Jahrhundert löschte eine Riesenwelle einige Ansiedlungen aus. In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhundert gab es nur noch eine Siedlung an der Südöstlichen Bucht von Unga, die bis 1959 bestand und danach aufgegeben wurde. Noch heute sind stille Zeugen da, die eingefallen ausgeblichenen grauen Holzhäuser, die in der Landschaft einen
besonderen Reiz ausüben. …

Den vollständigen Artikel können Sie hier lesen.

posted by Ullrich Wannhoff

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