Vor 150 Jahren: Erste Deutsche Arktisexpedition

Am 24. Mai 1868, vor genau 150 Jahren, starte ein kleiner Segler von Bergen (Norwegen) aus in Richtung Norden. Das Schiff mit dem anspruchsvollen Namen „Grönland“ sollte sich gemäß den Vorstellungen von August Petermann so weit wie möglich dem Nordpol nähern – obgleich es für die großartigen Ambitionen des bekannten Kartografen im fernen Gotha etwas zu klein geraten war.

Die Groenland 1867
Die „Grönland“ – Illustration von E. Hochdanz, Stuttgart

August Petermann, 1822 in Bleicherode am Harz geboren, vertrat wie andere Gelehrte seiner Zeit die Idee vom eisfreien Nordpolarmeer, durch das man – nach Querung eines Treibeisgürtels – problemlos den Nordpol erreichen könnte. Diese Idee hatte Petermann u.a. auch auf einer ersten Tagung deutscher Geographen am 23. Juli 1865 im Saalbau in der Frankfurter Junghofstraße vertreten, auf der man übereinkam, eine solche Expedition baldmöglichst zu starten.

Geburtshaus von Petermann in Bleicherode
Geburtshaus von Petermann in Bleicherode

Saalbau Junghofstrasse
Der Saalbau in der Frankfurter Junghofstraße, erbaut 1861, zerstört 1944

Es sollte aber noch drei Jahre dauern, bis die Finanzierung geklärt, die Expeditionsleitung und ein Schiff ausgewählt und vor allem über die Aufgabenstellung Klarheit gefunden war. Das Schiff sollte der grönländischen Ostküste nach Norden folgen und bei Problemen mit dem Treibeis nach Osten in Richtung Spitzbergen ausweichen. Man hatte sogar überlegt, einen Übersetzer für Kontakte zu den Inuit mit an Bord zu nehmen. Eine Anfrage, ob Johann August Miertsching dafür zur Verfügung stünde, wurde von der Herrnhuter Brüdergemeine negativ beschieden.

Koldewey, Petermann,Hildebrandt
Die Gründer und Führer der Expedition, Abbildung in der Gartenlaube, 1868

Die Matrosen der Expedition
Die Matrosen der Arktisexpedition in Winterkleidung (1868).

Die Expeditionsleitung wurde Carl Koldewey übertragen, der zwar über seemännische, aber über keinerlei Arktiserfahrungen verfügte. Als erster Steuermann wurde Richard Hildebrandt berufen, auch er ohne Polarerfahrungen. Wissenschaftler waren nicht mit an Bord – keine guten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Unternehmung. Der Nordpol wurde nicht annähernd erreicht, und letztendlich wurde die Expedition von den undurchdringlichen Eismassen zwischen Grönland und Spitzbergen in die Grenzen gewiesen.

Mit dem Traditionssegler
Mit dem Traditionssegler „Noorderlicht“ im Nordwesten von Spitzbergen

Fairerweise muss man zugestehen, dass die Grönland nördlich von Spitzbergen eine Breite von 81° 4′ 30″ erreichte – was einen neuen Rekord für Segelschiffe bedeutete – umfangreiche Wetterdaten sammelte und die ganze Mannschaft gesund nach Bremerhaven zurückkehrte. Was zu dieser Zeit ja nicht selbstverständlich war!

Treibeis vor der Kueste in Nordwest-Spitzbergen
Treibeis vor der Küste in Nordwest-Spitzbergen

Route der ersten deutschen Arktisexpedition
Route der ersten deutschen Arktisexpedition – Karte: Tentotwo

Petermann und die Finanziers der Expedition waren mit den Ergebnissen zufrieden, und es wurde eine weitere Reise nach Nordostgrönland beschlossen. Diese 2. Deutsche Nordpolarexpedition von 1869/70 stand ebenfalls unter Koldeweys Leitung, und auch Hildebrandt war wieder mit dabei. Sie fand allerdings unter einem noch ungünstigerem Stern statt und endete fast in einer Katastrophe. Dazu später einmal mehr.

Germania und Hansa, 1870
Auslaufen der Schiffe „Germania“ und „Hansa“ zur Zweiten Deutschen Polarexpedition 1869 von Bremerhaven – Holzstich nach Carl Fedeler

Nach seinen Polarexpeditionen übernahm Carl Koldewey eine leitende Position in der Deutschen Seewarte in Hamburg. Das schöne Gebäude der Seewarte wurde im 2. Weltkrieg zerstört.

Deutsche Seewarte Hamburg 1900
Deutsche Seewarte Hamburg 1900

Richard Hildebrandt fuhr weiter zur See und brachte es bis zum Korvettenkapitän, ehe er sich in Charlottenburg niederließ. Die ehemalige Villa des kulturinteressierten Ehepaars wird heute als Berliner Literaturhaus genutzt.

Literaturhaus Berlin, Fasanenstraße
Literaturhaus Berlin, Fasanenstraße – Creative Commons, Andi oisn

Die Villa Petermanns in Gotha
Die Villa Petermanns in Gotha

August Petermann, der vielleicht bedeutendste Geograf seiner Zeit, nahm sich aus unbekannten Gründen am 25. August 1878 das Leben. Seine Villa in Gotha steht noch heute, wurde nach langem Leerstand glücklicherweise saniert und wird wieder als Wohnhaus genutzt.

Das Grab Petermanns in Gotha
Das Grab Petermanns in Gotha

Die Grönland, 2016
Die „Grönland“ in Bremerhaven, 2016

Die Grönland kam bei der zweiten Expedition Koldeweys nicht mehr zum Einsatz. Sie diente lange Jahre als Küstensegler, Fischerboot und Robbenfänger, bis sie vom Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven übernommen wurde, wo sie noch heute als fahrbereites Museumsschiff genutzt wird.

Die Grönland in Bremerhaven
Auf der fahrbereiten „Grönland“

Die Grönland heute
Blick auf die „Grönland“ in Bremerhaven

posted by Wolfgang Opel

Vulkane, Tang und Krebse

Evolutionsbeobachtungen im Gezeitengewässer auf der Beringinsel

Mein Fotoapparat mit Tele liegt verloren und unauffindbar in der Weite der Tundra. Grund genug, sich nicht nur mit Vögeln zu beschäftigen. Dazu kommt die wunderbare Lektüre von Raoul Schrott „Erste Erde Epos“, das ich vor meiner Reise zu lesen begann und dessen faszinierende Themen mich bis heute in Bann ziehen. Die Kommandeurinseln sind aus starken Vulkaneruptionen unter den Ozeanboden entstanden. Das Meer kochte und zischte, als vor Millionen Jahren diese glühende Inselgruppe als Landmasse sichtbar erschien. Noch viele hunderte Jahre vergingen, und die ersten Lebewesen besiedelten diese kargen Inseln, wie ich es heute noch beobachten kann. Ein Versuch, in dieser Kürze, und in Ansätzen, die Evolution wiederzugeben.

Blasentang-Feld
Blasentang-Feld – Foto © Ullrich Wannhoff

Graue, dunkle Wolkenbänke treibt der Wind über die aufbrausende See. Das wenige Licht wird nur durch die weißen Schaumkronen unterbrochen. Das grünlich, schwarze Meer verschluckt den schwarzen Basalt. Die starken Wellen zerren an den Algen. Ein großes helles, ockerfarbenes Blasentangfeld überzieht die Benthalzone. Im flachen Bereich der Gezeitenzonen bedecken Rotalgen und Grünalgen den erkalteten Lavaboden. Die letztere Algenart wanderte vor vielen Millionen Jahren an Land. Sie waren die ersten pflanzenartigen Gewächse, die unsere Erde begrünten, halb Tier, halb Pflanze. Die ersten richtigen Pflanzen waren die Leber- und Hornmoose, die sich von den Grünalgen abspalteten. Die Flechten an den Steinen bestehen aus Grünalgen und Pilzen.

Rotalgen
Rotalgen – Foto © Ullrich Wannhoff

Gruenalgen an einer Suesswassermuendung
Grünalge an einer Süßwassermündung – Foto © Ullrich Wannhoff

Krustenflechte
Krustenflechte – Foto © Ullrich Wannhoff

Die Ebbe beginnt, und die schwarzen Lavafelder werden frei gelegt. Im Niedrigwasser finden wir Lebewesen, die an die Kambrium-Zeit erinnern. Das zurückgelassene Wasser ist von Kleinstlebewesen besiedelt.

Plattwuermer
Plattwürmer – Foto © Ullrich Wannhoff

Fast alle Arten sind lichtscheu. Erst nach längerem Hinschauen bemerkt man, wie die Lebewesen von einem Schatten zum nächsten huschen. Andere lauern unter den Hohlräumen der Steine. Solange das Ebbefeld frei lag, drehte ich viele, viele Steine um – und fand eine Vielfalt an Lebewesen, die aus einer Zeit stammen, wo Gondwana sich als tektonische Platte aus dem Meer hob.

Seeanemone
Seeanemone – Foto © Ullrich Wannhoff

Ich beobachte eine Seeanemone. In der Evolutionsgeschichte ist diese Art älter als die Plattwürmer. Seeanemonen besitzen keine Blut- und Kreislaufsysteme und mussten daher flach bleiben. Der Verdauungstrakt bildete sich heraus. Eine Weiterentwicklung sind die Peniswürmer, die ihren rüsselförmigen Kopf in ihren Hautmuskelsack verstecken können.

Peniswuermer ausgezogen
Peniswürmer in ausgezogener Form – Foto © Ullrich Wannhoff

Peniswurm
Peniswurm zusammengezogen – Foto © Ullrich Wannhoff

Die ältesten Spuren davon finden wir in Neufundland, einem Eldorado für Paläontologen, die das Kambrium lieben. Einen evolutionären Vorteil besitzt der Ringelwurm (in der Form ähnlich wie an Land der Tausendfüßler). Seine schnelle Fortbewegung erzeugen– anstelle von Füßen – die viele Borsten, die an den Ringmuskeln ansetzen und eine schlängelnde Fortbewegung ermöglichen, um seinen Feinden zu entkommen. Auf dem Foto schwimmt ein Ringelwurm ohne Kopf zielgerichtet weiter. Möglich, dass es noch kein zentrales Nervensystem gibt.

Ringelwurm
Ringelwurm – Foto © Ullrich Wannhoff

Eine weitere Entwicklung sind die Schnecken, deren gesamter Körper sich in einer harten Schale, in einem Häuschen befindet. Ihre Langsamkeit ist kein Nachteil, sonst würden sie heute nicht mehr leben. Gerne sitzen sie an Klippensteinen oder an den langblättrigen Braunalgen.

Meeresschnecken bedecken das Lavagestein
Meeresschnecken bedecken das Lavagestein – Foto © Ullrich Wannhoff

Meeresschnecken an Braunalgen
Meeresschnecken an Braunalgen – Foto © Ullrich Wannhoff

Eine Meeresassel bildet auf dem Rücken eine harte Schale und kann somit ihre Weichteile schützen – damit besitzt sie einen existenziellen Vorsprung im „Wettrüsten“ mit anderen Arten.

Meerassel
Meeresassel – Foto © Ullrich Wannhoff

Millionen Strandflohkrebse leben in den Gezeitengewässern und am feuchten Ufer im nassen Sand oder vom Meer ausgeworfenen Tang.

Flohkrebs
Flohkrebs – Foto © Ullrich Wannhoff

Eine andere Form der Fortbewegung haben die Einsiedlerkrebse. Sie nutzen die leeren Schneckengehäuse und stecken ihr leicht verletzbaren weichen, hinteren Körperteil hinein, so dass nur die wehrhaften Schere herausschauen – und ihre Fühler.

Einsiedlerkrebs
Wehrhafte Schere eines Einsiedlerkrebses – Foto © Ullrich Wannhoff

Noch viele Millionen Jahre vergingen, und die ersten Fische entwickelten sich. Ich beobachte in dem zurück gelassenen Wasser auf den Ebbefeldern Grundel und Wolfsfische. Noch weitere hundert Millionen Jahren vergingen bis zum Anthropozän, wo der Mensch aktiv in die Evolution eingreift und sein Gehirn der Datenbank abgibt.

posted by Ullrich Wannhoff

Schuhmacher und Polarforscher

Heute jährt sich J. A. Miertschings Todestag – 30.3.1875

Wir haben schon oft an ihn erinnert: so an seinem 140. Todestag vor drei Jahren an seine Umrundung Amerikas – oder im Jahr davor mit einem Kurzabriss seines Lebens.

Miertschings Grab auf dem Gottesacker in Kleinwelka
Miertschings letzte Ruhestätte auf dem Gottesacker in Kleinwelka

Dieser Tage sprachen wir oft über Johann August Miertsching, den Sorben und Herrnhuter, den Schuhmacher und Polarforscher, den Pflanzenkundigen und Jäger – und vor allem den Mitmenschen seiner Gefährten, ob bei den Inuit in der kanadischen Arktis oder bei den Seeleuten an Bord von HMS Investigator.
Unser Vortrag im Völkerkundemuseum Herrnhut über den Sorben in der Arktis wurde mit große Interesse aufgenommen, und auch bei der Maćica Serbska in Bautzen fanden wir aufmerksame Zuhörer.

Miertschings letztes Wohnhaus in Kleinwelka
Miertschings letztes Wohnhaus in Kleinwelka

Bei unserem Vortrag „A New Take on Johann August Miertsching“, gehalten auf der Internationalen Polartagung in Rostock (27. International Polar Conference) stellten wir fest, dass – wie vermutet – Johann August Miertsching bei vielen der anwesenden Polarforscher nahezu unbekannt war. Im englischen Sprachraum ist Miertschings Reisetagebuch jedoch seit Jahrzehnten eine vielzitierte Quelle, besonders bei Polarhistorikern und Kulturanthropologen.

27. Internationale Polarkonferenz in Rostock

Das große Interesse an Miertsching lässt uns hoffen, dass er, wenn auch verspätet, endlich auch in heimischen Gefilden angemessen beachtet und gewürdigt wird.

posted by Mechtild Opel

Ohne Wodka kein Fischen

Nachdem die Pelztierjäger die Seekuh ausgerottet hatten – weil das Fleisch wie Rindfleisch schmeckte, wie dies der deutsche Naturforscher Steller in seinen Tagebuchaufzeichnungen 1740/41 beschrieb – war das Nächstliegende, auf den Kommandeur-Inseln Lachse zu fangen.
Die Fische dienten als Grundnahrung bei der Überwinterung auf der einsamen Insel und als Proviant für die Weiterfahrten im kommenden Frühjahr. Die Expansion verlief Richtung Osten, zu den unbekannten Aleuten-Inseln und zum Festland Amerika, von den russischen Seeleuten und Abenteurern unter der Führung reicher Kaufleute über die Jahrzehnte nach und nach erobert.


Detail einer frühen Karte von Chitrow, einem Teilnehmer der Bering-Expedition, mit Beringinsel, Stellerscher Seekuh, Pelzrobbe und Seelöwe

Geblieben über die Zeit ist der Fischfang, heute der einzige Erwerb auf der Bering-Insel. Die Fisch-Behörde in Kamtschatka teilt den Familien und Fischerbrigaden auf der Insel die Fluss-Reviere zu. Das kann von Jahr zu Jahr recht unterschiedlich sein.

Fischer mit Hund
Fischer mit Hund – Foto © Ullrich Wannhoff

Eine der Brigaden nimmt mich freundlicher Weise mit zum Fluss Podutjosnaya an der Westküste der Beringinsel. Am zeitigen Morgen ziehen dunkle Wolken auf, als würden sie schlechte Nachrichten ankündigen. Ich steige auf die offene Ladefläche des URAL’s. Das ist ein sowjetischer LKW, der die Wende vom Sozialismus zum Raubkapitalismus überlebte und sich in allen technischen Museen Westeuropas gut machen würde. Der über die Jahre deutlich sichtbare Verschleiß verrät nichts Gutes.

Zwei Fischer
Zwei Fischer – Foto © Ullrich Wannhoff

Auf der Ladefläche werde ich übermütig begrüßt, auch von zwei Fischern, die ich aus früheren Jahren kenne. Die Wodkafahne ummantelt mich herzlich. Wir fahren den steilen Dorfberg hoch, um auf der anderen Seite talwärts in Richtung Meeresufer zu gelangen.

Eisenhut wächst am Straßenrand und am Meeresufer
Eisenhut wächst am Straßenrand und am Meeresufer – Foto © Ullrich Wannhoff

Die Blüten des Eisenhuts
Blüten des Eisenhuts – Foto © Ullrich Wannhoff

Danach geht es auf einer aufgewühlten, schlammigen Straße parallel zum Ufer entlang. Umsäumt wird die Piste von Hochstauden wie Bärenklau, Greiskraut, Disteln und blau blühenden Eisenhut. Während der Hund über die Holzplanke bellt, flattern die auf den weißen Dolden sitzenden Petschora-Pieper davon.

Petschora-Pieper
Petschora-Pieper – Foto © Ullrich Wannhoff

Nicht lange, und der URAL steht. Die lange Motorhaube wird geöffnet und die Suche nach dem Fehler beginnt. Nach ein paar Handgriffen wird die Haube zugeknallt.
Doch einige hundert Meter weiter steht das Fahrzeug wieder. Ratlos öffnen Fahrer und Beifahrer die Motorhaube. Kein Benzin will in den Motor. Warum nicht, geht die Pumpe nicht? Ein Blick in den bauchigen Tank unter der Ladefläche verrät das Übel. Das Sieb ist voller Schlamm, der kein Benzin durchlässt.

Die Suche nach dem Fehler
Die Suche nach dem Fehler – Foto © Ullrich Wannhoff

Reparatur
Reparatur – Foto © Ullrich Wannhoff

Nach der Reinigung läuft es wie geschmiert, und wir fahren durch die Flüsse. Das schnell fließende Wasser kommt von den Bergen und füllt das Meer. Sobald die rotierenden Räder des Fahrzeuges das Kiesbett der Flüsse erreichen, spritzen hunderte von Buckellachsen auseinander. Wer will schon überfahren werden und das noch unter Wasser. Während der Fahrt wird eine Wodkaflasche herumgereicht. Jeder hat wohlbehütet ein Gläschen unter seiner Jacke. „Ulli, ein bisschen Kultur muss sein“, und ich nicke lächelnd.

Auf dem Beifahrersitz schläft der Hund
Auf dem Beifahrersitz schläft der Hund – Foto © Ullrich Wannhoff

Wir beziehen die Hütte in der Podutjonaya Bucht, die Iwan, eine Aleut, vorher schon beheizt hatte. Es wird in Ruhe ausgiebig gefrühstückt. Keine Eile, warum auch? Man begutachtet den Fluss mit runzelnder Stirn. Zu wenig Fische und zu viele abgelaichte Lachse, wird mir mitgeteilt.
Die Fischer spannen ein Netz über den Fluss. Mit diesem Netz laufen die Männer dem Meer entgegen und ziehen es kurz zuvor kreisartig zusammen. Hunderte Lachse zappeln im Netz. Die Abgelaichten werden sofort ins Wasser geworfen, die anderen kommen in Kisten.

Kleine Ausbeute an Buckellachs
Kleine Ausbeute an Buckellachs – Foto © Ullrich Wannhoff

Aussortieren der Lachse
Aussortieren der Lachse – Foto © Ullrich Wannhoff

Leerer Bottich
Leerer Bottich – Foto © Ullrich Wannhoff

Drei große Bottiche stehen auf der Ladefläche. Nur einer wird mit den Kisten gefüllt. Der zweite Versuch bringt noch weniger. Sie ziehen das Ölzeug aus und rauchen. Anschließend fahren sie lustlos zurück. Nicht ganz. Eine Wodkaflasche wird herum gereicht.

Transport- und Passagierschiff Sawoiko
Transport- und Passagierschiff Sawoiko – Foto © Ullrich Wannhoff

Lachse in der Schwebe
Lachse in der Schwebe – Foto © Ullrich Wannhoff

Der Kaviar geht in die Ladeluke
Der Kaviar geht in die Ladeluke – Foto © Ullrich Wannhoff

Im Dorf kommen die Lachse in verpackten Kisten in Kühlcontainer, und dort warten sie, bis das marode Schiff „Sawoika“ kommt. Es grenzt an Wunder, das dieses von Kamtschatka aus die Insel erreicht. Über dreißig Tonnen Lachs und Kaviar (in diesem Jahr viel zu wenig) verschwinden in den Ladeluken. Wohin danach? Keine Ahnung, vielleicht nach Moskau…

Der Kaviar geht in die Ladeluke
Der Kaviar geht in die Ladeluke – Foto © Ullrich Wannhoff

Passagiere
Passagiere – Foto © Ullrich Wannhoff

posted by Ullrich Wannhoff
Hier gibt es mehr über die Beringinsel und Ullis Erlebnisse dort

Berlinale-Impressionen: Asinnajaq’s „Three Thousand“

Ausführliches über den Film gibt es hier, nun noch ein paar visuelle Impressionen vom heutigen Abend im Zoopalast, wo „Three Thousand“ gemeinsam mit „Fata Morgana“, einem Film über Tschuktschen, ihre Kolonialisierung und die heutigen Überlebenskämpfe, gezeigt wurde.
Copyright für alle Fotos: Wolfgang Opel

Poster am Eingang
Vor dem Kinosaal im Zoopalast

Three_Thousand_Q&A
Nach dem Film: Fragen und Antworten

Die Filmemacherin Asinnajaq
Asinnajaq, aka Isabella-Rose Weetaluktuk – Foto © Wolfgang Opel

Asinnajaq über ihren Film: „The purpose for me in work is not so much to shame anyone. It’s more to show how strong we can be as people ….. it’s about me and where I‘m from and all of us and how strong we are. And that’s why it’s going into the future and saying that we can have a world that we wanna have…“

Fata_Morgana
Anastasia Lapsui und Markku Lehmuskallio schufen den Film „Fata Morgana“






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