Die Welt der Eisbären

Bevor wir in den Zodiac steigen, ziehen wir dicke Pullover und mehrere Schichten Jacken über. Der kalte Wind scheint von allen Seiten gleichzeitig zu kommen. Wir fahren tief in die Coningham Bay hinein; bald sind wir nahe genug am nebligen Ufer, um mit dem Fernglas dort Knochen zu erkennen: Wirbelsäulenteile von Walen. Und dazwischen ein Eisbär. Anfangs halte ich ihn für einen glänzenden Felsen, denn er bewegt sich nicht. Als wir nahe genug heran sind, schwinden alle Zweifel. Da steht ein Eisbär direkt über einem Stück abgenagten Walkadaver, man erkennt deutlich die Wirbelknochen des Meeressäugers.

Touristen und Eisbaeren
Alle Touristen wollen den Eisbären fotografieren

Nun sieht der Eisbär uns – er blickt her, aber zeigt sich nicht beeindruckt. Was mag in seinem Kopf vorgehen? Er behält die Ruhe, wartet ab, dann macht er etwas Verblüffendes: er setzt sich auf seine Beute. Eine Geste der Besitzverteidigung? Er bewegt den Kopf, schaut immer wieder her. Und dann verlässt er seinen Platz. Dass er absolut keine Angst hat, erkennen wir daran, dass er sich auf uns zu bewegt, ohne Hast. Langsam und gemessenen Schrittes kommt er näher.

Der Eisbaer naehert sich
Der Eisbär nähert sich

Dann kommt er ohne Hast noch näher an die Uferlinie, mit einwärts gesetzten Vorderfüßen und schwingenden Hüfte, und wir können die kraftvolle Pose des Eisbären bewundern. Er tritt mit seinen riesigen Tatzen ins flache Wasser, so als wollte er sagen: „Ich weiß zwar nicht, wer ihr seid und was ihr hier wollt, aber eins ist klar: Das hier ist mein Platz und meine Beute; bleibt lieber weg!“ …

Ruhender Eisbaer
Ruhender Eisbär

… Da die Eisbären, selbst wenn sie sich temporär an Land aufhalten, vom Meereis abhängig sind – für ihre Jagd und Ernährung wie für ihre Vermehrung – liegt die Zukunft der Eisbären da, wo die Zukunft des Polareises liegt. … Ob auch unsere Ur-Ur-Enkel noch Eisbären sehen können?

Hungriger Eisbaer
Hungriger Eisbär

Den vollständigen Artikel kann man im Sonderheft Norden des Magazins „360° Kanada“ nachlesen.

Mehr über die Welt der Eisbären erfährt man in „Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis“, das in Kürze im MANA-Verlag erscheint.

Siehe auch unser Blog „Eisbären auf dünnem Eis“

posted by Mechtild Opel

Viel viel Glück – und mündliche Überlieferung
Franklins Wrack bei Hat Island

Unendlich glücklich waren die Archäologen von Parks Canada, als sie am Sonntag, den 7.9.2014, im Queen Maud Golf im Kanadischen Archipel ein Wrack ausmachen konnten – eines der Schiffe der vor 169 Jahren letztmalig gesehenen Franklin-Expedition zur Auffindung einer Nordwest-Passage.

Ryan Harris zeigt den Kollegen die Visualisierung des Wracks_Theresa Nichols_ Fisheries and Oceans Canada
Ryan Harris zeigt den Kollegen die Visualisierung des Wracks – Foto: Theresa Nichols © Fisheries and Oceans Canada

Aufgrund der schwierigen Eisbedingungen in diesem Jahr war das eigentliche geplante Suchgebiet in der Victoria Strait über Wochen noch nicht erreichbar, so dass sich die Suche auf ein zweites Gebiet südwestlich von King William Island konzentrierte. Ob man hier wirklich auf den großen Fund hoffte oder die Messungen eher als „Zeitvertreib“ der Kartierung der schwierigen Seewege in dieser Region dienten, wird nun, nach dem glücklichen Fund des Wracks, wohl nicht mehr verraten.

Ryan Harris am Navigationscomputer des Forschungsbootes
Ryan Harris am Navigationscomputer des Forschungsbootes– Foto: Jonathan Moore © Parks Canada

In den mündlichen Überlieferungen der Inuit wurde schon seit 150 Jahren von einem großen Schiff gesprochen, das südwestlich von King William Island im Eis feststeckte und später verschwand. Immer wieder hatten Forschungsreisende wie Charles Francis Hall, Frederick Schwatka, William H. Gilder oder auch später Knud Rasmussen darüber berichtet. Doch die Finanziers der Suchexpeditionen trauten den Erzählungen der Inuit nicht.

Oral History
„Oral History“ – Weitergabe mündlicher Überlieferungen: Mabel Angulalik untersucht einen Artefakt – Foto: © David F. Pelly

So blieb es denn – neben den „Offiziellen“ John Rae und Francis Leopold McClintock – Enthusiasten wie dem Händler William Gibson, Autoren wie Richard J. Cyriax und David C. Woodman, dem Inuit-Historiker Louie Kamookak aus Gjoa Haven oder Barry Ranford, einem fast fanatischen Hobby-Forscher, vorbehalten, das Wissen um das Schicksal der Franklin Expedition Stück für Stück zu erweitern. Sie alle setzten auf das Wissen der älteren Inuit, die noch aus eigenem Erleben oder Hörensagen über die Geschehnisse um das Schicksal der Franklin-Expedition berichten konnten.

Mabel Angulalik_David_F_Pelly
Porträt Mabel Ekvanna Angulalik, die über Schiffsteile auf Hat Island berichtete – Foto: © David F. Pelly


Obwohl es durch Mabel Ekvanna Angulalik (1925-2002), einer Inuit Elder aus Cambridge Bay, wichtige Hinweise auf den möglichen Ort eines Wracks in der Nähe von Hat Island gab, war es letztendlich reiner Zufall, dass Archäologen auf der Insel auf Artefakte stießen, die sich zweifelsfrei einem Schiff aus dem 19. Jahrhunderts zuordnen ließen. Eines der Objekte wog 5kg und konnte also kaum über größere Strecken angeschwemmt worden sein. Das überzeugte Ryan Harris, leitender Unterwasserarchäologe der Suchexpedition, dass eine Suche im Meer in unmittelbarer Nähe der Fundstätte vielversprechend sein würde. Der Rest war reine Routine: nicht lange, nach dem man das Seitenscan-Sonar ins Wasser gelassen hatte, erschienen die Umrisse eines Wracks auf dem Bildschirm. Mit einer Unterwasserkamera wurden zur Bestätigung der Scans erste Videoaufnahmen gemacht – und die Sensation war perfekt.

Blick auf das Deck des Wracks
Unterwasserkamera: Blick auf das Deck des Wracks – Courtesy of Parks Canada

Inzwischen sind die Archäologen und Taucher wieder am Wrack, in der Hoffnung, noch vor dem Einsetzen des Winters weitere Aufnahmen und Vermessungen vorzunehmen, und wichtige Artefakte und Beweisstücke zu sichern und neue Erkenntnisse – HMS Erebus oder HMS Terror ? – zu gewinnen.

posted by Wolfgang Opel

Endlich gefunden: ist es Erebus oder Terror?

[Updated: mit Unterwasser-Videoaufnahmen von Parks Canada!]
Obwohl aufgrund der schwierigen Eisverhältnisse des Sommers viele gar nicht mehr damit gerechnet hatten, gab es heute am Vormittag (kanadischer Zeit) eine spektakuläre offizielle Verlautbarung vor der Presse: Die wochenlange Suche des Unterwasser-Archäologenteams von Parks Canada in den Gewässern vor King Williams Island hat mithilfe hochentwickelter Technologie ein Ergebnis gebracht: ein Schiff auf dem Grund des Queen-Maud-Golfs.

Erster_Blick_Seitensonar_Courtesy_of_Parks_Canada
Erster Blick mittels Seitensonar – Foto: Courtesy of Parks Canada

Trotz deutlich erkennbarer Beschädigungen insbesondere am Heck des Schiffes meint Ryan Harris, leitender Mitarbeiter des Team der Unterwasserarchäologen, dass dieses Schiff recht gut erhalten sein muss – vielleicht sogar besser als die 2010 gefundene HMS Investigator.
Nach wochenlangen Arbeiten, zu denen auch ermüdendes stundenlanges Starren auf die Ultraschallbilder gehörte, die langsam über den Computerbildschirm liefen, hat das Team nun einen historischen Durchbruch erreicht.
Vielleicht war es sogar gut, dass die lokale Eisbedeckung in der Victoria Strait die Crew vom nördlichen Suchgebiet in der Erebus Bay fern- und im Queen-Maud-Golf festhielt?

Eiskarte vom Tag des Fundes - 7.9.2014
Eiskarte vom Tag des Fundes – 7.9.2014

Schon am Vorabend gab es Berichte über Artefakte, die von einem Archäologenteam an Land, an der Küste von Hat Island, gefunden wurden: eine Halterung für ein Beiboot und eine vermutete Ankerklüse, die wahrscheinlich von einem der vermissten Franklin-Schiffe stammen. Eigentlich ein verspäteter Fund, wenn man weiß, dass ältere Inuit ihre Kenntnisse aus den traditionellen Überlieferungen ihrer Verfahren bereits vor Jahren zu Protokoll gaben* – denn dabei wurden bereits Schiffsteile am Strand von Hat Island erwähnt! – Viel zu lange wurden diese Inuit-Berichte für Erfindungen oder eine Art Märchen gehalten.
(*Eber, Dorothy: Encounters on the Passage: The Inuit Meet the Explorers, Toronto 2008)

Karte mit Hat Island
Karte mit Hat Island – Quelle: Toporama – Atlas of Canada

Nach dem Fund auf Hat Island wurde das Sonargerät auf den Meeresboden nahe der Insel gerichtet. Und tatsächlich erschien dann etwas Vielversprechendes auf dem Bildschirm! Ein ferngesteuertes U-Boot mit hochauflösenden Kameras wurde zu Wasser gelassen; obwohl starker Wind und hohe Wellen die Aktion behinderten, war es möglich, Aufnahmen zu machen, die bestätigten, das da ein Schiff in aufrechter Position auf dem Meeresboden liegt, zwar ohne die drei Masten, aber noch in intakter Form, sieht man von einigen fehlenden Deckplanken ab.



Sogar zwei Kanonen waren auszumachen. Die Archäologen sind inzwischen sicher, dass es sich entweder um HMS Erebus oder um HMS Terror handelt.

Ryan Harris, leitender Unterwasserarchaeloge von Parks Canada
Ryan Harris, leitender Unterwasserarchäloge von Parks Canada

Ist der Fund des Schiffes, wie der kanadische Ministerpräsident bei der Pressekonferenz erklärte, ein historischer Moment für Kanada? Die Suche nach Franklins verlorener Expedition hatte bereits im Laufe des 19. Jahrhunderts dazu geführt, dass weite Bereiche der Arktis erkundet und kartiert worden waren. Während dieser Suchunternehmungen hatte die Crew der HMS Investigator schon 1850 das „missing link“ gefunden und sich davon überzeugt, dass es tatsächlich eine Passage vom atlantischen zum pazifischen Ozean gab, die berühmte „Nordwestpassage“ (vgl. auch Kanada-Lesebuch).

Erebus und Terror
HMS Erebus und HMS Terror, hist. Darstellung

Franklins Schiffe wurden zum „bedeutenden Bestandteil der kanadischen Geschichte“ erklärt, womit die Gebietsansprüche Kanadas für die Wasserwege im kanadischen arktischen Archipel untermauert werden sollen. Die britische Regierung hatte diese Inseln 1880 an Kanada übergeben. Die von der kanadischen Regierungsbehörde Parks Canada durchgeführte sechste Suchexpedition nach Erebus und Terror, bei der hunderte Quadratkilometer Meeresgrund in Queen-Maud-Golf und Viktoria Strait gescannt wurden, war in diesem Jahr von der Royal Canadian Geographical Society, der Arctic Research Foundation, der Canadian Coast Guard, der Royal Canadian Navy und der Territorialregierung von Nunavut unterstützt worden.

Blick auf das Wrack-Courtesy of Parks Canada
Das Team ist sich sicher: eines von Franklins Schiffen

Es wäre einfacher, zum Untermauern von Gebietsansprüchen das heranzuziehen, was die einst hier lebenden Menschen hinterließen: Es gibt tausende archäologische Stätten – Zeltringe, Steinmale, Reste von Behausungen – die Zeugnis davon ablegen, dass die Vorfahren der Inuit, die heute kanadische Staatsbürger sind, bereits vor Jahrtausenden den arktischen Archipel besiedelten.

Julius von Payers Gemaelde
Ölbild „Die Bay des Todes“ von Julius von Payer, 1897

Ein historischer Moment ist die Bekanntgabe des Fundes jedenfalls für die Schar von Enthusiasten mit verstärktem Interesse für die Entdeckungsgeschichte der Arktis, auf die das Mysterium um die verschollene Franklin-Expedition eine dauerhaft ungebrochene Faszination ausübt und die sämtliche neue Forschungsergebnisse, Artikel, Bücher etc. verfolgen und diskutieren: sie wollen wissen, was vor 166 Jahren mit Franklin, seinen Schiffen und der Crew von 129 Männern tatsächlich passierte.

posted by Mechtild Opel

Robert Frank
Vom Zürichsee über New York zum Sankt-Lorenz-Golf

Robert Frank September 2014
Robert Frank im September 2014

Es gibt sie also doch, diese unerwarteten Begegnungen der besonderen Art. Erst durch die E-Mail eines Freundes erfuhren wir von der Ausstellung (Anna Leonowens Gallery, 6.-12.9.2014) von Arbeiten des Fotografen und Filmemachers Robert Frank in Halifax, Nova Scotia. Der 1924 in Zürich geborene Deutsch-Schweizer ist einer der stilbildenden Fotografen der letzten 60 Jahren. Mit Anfang 20, damals schon im Beruf erfahren, wanderte er nach New York aus.

Robert Frank - Ausstellung in Halifax
Robert Frank – Ausstellung in Halifax

Als Immigrant aus dem zu der Zeit wohl etwas betulichen Zürich war er von der Rauheit, den Gegensätzen und der Hektik New Yorks beeindruckt. Um sich mit seiner neuen Heimat bekannt zu machen, durchquerte er später, unterstützt durch eine Zuwendung der Guggenheim-Stiftung, für zwei Jahre mit dem Auto das riesige Land in allen Richtungen.

Unkonventionelle Präsentation: auf Zeitungspapierollen gedruckt
Unkonventionelle Präsentation in Halifax: auf Zeitungspapierollen gedruckt

Auf den langen Reisen entstanden 28.000 Fotos, von denen er 87 für sein Buch The Americans auswählte, das 1958 in Paris erschien. Der Erscheinungsort des Bildbandes – der heute als eines der einflussreichsten Fotobüchern überhaupt gilt – deutet bereits darauf hin, dass man in seiner neuen Heimat wenig begeistert von dem Bild war, das sich der Zugezogene gemacht hatte. Jack Kerouac allerdings schrieb in seinem Vorwort zu The Americans über seinen Freund: „…he sucked a sad poem right out of America onto film, taking rank among the tragic poets of the world“.

Auf dem Foto im Hintergrund: Jack Kerouac
Auf dem Foto im Hintergrund: Der Schriftstller Jack Kerouac

Die ungewöhnliche Bildästhetik der schwarzweißen Fotos, die sich nur selten schnell und einfach erschließen, hat auf viele Betrachter eine langanhaltende Wirkung. Oft vorschnell als flüchtige Reportage- oder Gelegenheitsfotos diskreditiert oder als „Schnappschüsse eines Laien“ missverstanden, entstehen die Bilder in einer zwar manchmal spontanen, doch wohlbegründeten erzählenden und gestaltenden Absicht.

Auf dem Foto im Hintergrund Franks Freund Alan Ginsberg
Andrang bei der Vernissage: selbst Franks Freund Allen Ginsberg war da ;)

Dem Wunsch nach Erklärung seiner Bilder kommt Robert Frank selten nach: „The pictures have to talk not me“. Die Nähe zum Fotoalbum, wie es unseren Eltern und Großeltern vertraut war, ist durchaus gewollt. Anders als viele Fotografen, die nach immer größeren oder auch bunteren Bildern streben, sucht er das kleinere Format und sogar einfaches Papier für die Wiedergabe. In der Ausstellung in Halifax ist eine Süddeutsche Zeitung vom 29.11.2014 (sic) zu sehen, die ganz Robert Frank gewidmet ist – das Experiment eines Ausstellungskatalogs auf Zeitungspapier.

Ihrer Zeit voraus: Sueddeutsche Zeitung
Ihrer Zeit voraus: Süddeutsche Zeitung vom 29.11.2014

Der Fotograf, der mit seiner Frau, der Künstlerin June Leaf, in New York und Mabou auf Cape Breton Island (Nova Scotia, Kanada) lebt, hält auch an den ungewöhnlichsten Orten an seiner Bildsprache fest.

Mabou Beach
Mabou Beach

Bei einer Reise 1992 nach Pangnirtung auf Baffin Island, gelegen in einer der schönsten Landschaften der Erde, fotografiert er, natürlich in schwarz-weiß, Ansichten von einfachen Häusern, vom Friedhof und Flugplatz, Steinen und einer nebelverhangenen Landschaft. Und trotzdem geben die wenigen Fotos einen speziellen Einblick in das Leben in einer Inuit-Siedlung am Polarkreis.

Der Verleger Steidl_Robert Frank beim Signieren
Robert Frank beim Signieren, Bildmitte: der Verleger Gerhard Steidl

Es ist der Verdienst des Verlegers Gerhard Steidl aus Göttingen, dass das Gesamtwerk von Robert Frank – Foto für Foto, Film für Film – dem Publikum erschlossen wird.

Einige der Buecher von Robert Frank
Einige der Bücher von Robert Frank

Ob das jemals auch für dessen bis heute unveröffentlichten Film Cocksucker Blues über die Amerika-Tournee der Rolling Stones von 1972 gilt, steht wohl in den Sternen, denn die Stones, die bis heute den Film der Öffentlichkeit weitestgehend vorenthalten, misstrauen – mit Rücksicht auf das puritanische Amerika – dem Realismus Robert Frank. Wäre da nicht das Internet….

Robert Frank
Gespräch bei der Vernissage

posted by Wolfgang Opel; alle Fotos: © Wolfgang Opel

Die Faszination der Nordwestpassage

[Siehe auch Update 9.9.2014: Franklin-Schiff gefunden!]

Wieder einmal ist ein Team von Parks Canada aufgebrochen, um die seit ca. 160 Jahren im arktischen Ozean verschollenen Schiffe Erebus und Terror – siehe auch unser Beitrag von 2013 – zu suchen. In diesem Jahr arbeitet die kanadische Behörde mit „vereinten Kräften“ – mit Partnern von der Royal Canadian Geographic Society, der W. Garfield Weston Foundation sowie privaten Unternehmen wie One Ocean Expeditions und Shell Canada.

Taucher am Wrack der Investigator
Taucher am Wrack der Investigator – Photo: Courtesy of Parks Canada

Seit dem Fund der HMS Investigator im Juli 2010 verbringt das Team mit dem Unterwasserarchäologen Ryan Harris nun zum 6. Mal in Folge mehrere Wochen in der Nähe von King Williams Island, um mit Hilfe eines Seitensonargerätes und anderer moderner Technik den Meeresboden zu scannen und nach Spuren der Schiffe zu suchen. Und wie in den Jahren zuvor nutzte der kanadische Premierminister diese spektakuläre Suche, die sich nationaler wie internationaler Aufmerksamkeit erfreut, als Gelegenheit für medienwirksame Fotostrecken.

Ryan Harris ueberwacht die Ergebnisse des Seitensonars
Ryan Harris ueberwacht die Ergebnisse des Seitensonars – Photo: Courtesy of Parks Canada

Ob die diesjährige, besonders aufwändige Suche von Erfolg gekrönt sein wird, steht nicht in den Sternen, sondern, wie schon im letzten Jahr, in den Eiskarten. Im Moment sind die Aussichten nicht sehr gut. Die aktuelle Verteilung des einjährigen Eises, durch ungünstige Winde befördert, verhindert derzeit die Suche der Unterwasserarchäologen in den Gebieten der Victoria Strait, die den Schwerpunkt der diesjährigen Suche nach Erebus und Terror bilden sollten.

Eis kanadische Arktis 19.-28. August 2014
Eisverhältnisse in der kanadischen Arktis 19.-28. August 2014 – Grafik: Courtesy of CIS, Environment Canada

Diese Eisverteilung ärgert auch alle, die in der eisarmen Zeit Ende August/ Anfang September die legendäre Passage zwischen Atlantik und Pazifik bezwingen wollten. Einige der Neugierigen und Ehrgeizigen, die mit ihren Segeljachten in Richtung dieses neuen und exotischen “Abenteuerspielplatzes“ Nordwestpassage unterwegs waren, haben bereits aufgegeben, und kommerzielle Kreuzfahrtschiffe waren gezwungen, kostenaufwändige Eisbrecher anzufordern.

Eissturmvogel im Schneesturm
Eissturmvogel im Schneesturm

Trotz aller moderner Ausrüstungen und trotz der globalen Erwärmung stellt die Nordwestpassage noch immer eine Herausforderung dar. Nicht immer sind die Bedingungen so ungünstig wie zur Zeit der Franklin’schen Unternehmung und der zahlreichen Suchexpeditionen im 19. Jahrhundert, über die unser Artikel Die Suche nach der Nordwest-Passage im Sonderheft „Kanadas Norden“ des Magazins 360° Kanada informiert, aber sie sind auch nicht immer so günstig wie auf unserer Reise 2012, über die man im gleichen Artikel nachlesen kann.


Lancaster Sound
Lancaster Sound

posted by Mechtild Opel



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